Auch die 15. „Elfenschrift“ steht wieder ganz im Zeichen eines Themas. Dieses Mal geht es wohl um die düsteren Seiten der Phantastik, wobei ein deutlicher Schwerpunkt auf ‚Vampiren’ liegt. Wem es gefällt... Aber man beginne vorn:
Der Marburg-Con ist eine der eher düsteren Conventions, zumindest nach allem, was man so hört. Umso erstaunlicher, wenn man, wie Herausgeberin Ulrike Stegemann, munter drauflos plaudert und einen lockerflockigen Con-Bericht abliefert über das Event. Und dass man sich dort natürlich wieder selbst als Crème de la Crème feiert, ist ebenso bekannt, wie berüchtigt. Man ist ja eine große, glückliche Phantastik-Familie - die Leichen lassen wir aber besser im Keller, die stinken immer so.
Auf dem Marburg-Con traf Ulrike Stegemann Uwe Vöhl, der sich selbstverständlich sofort zu einem Interview bereit erklärte und dort auch kräftig auf die Pauke schlug, für seinen „Coco-Zamis“-Band und für sein neues Portal - kurioserweise aber werden die anderen Macher von „lattera.info“ nicht erwähnt. Woran das wohl liegen mag?
Damit ist dann der Kurzgeschichtenreigen eröffnet. Den Anfang macht Maike Schneider mit „Dieser Sonnenaufgang“. Eine melancholische Vampir-Geschichte, die man beinahe auch anderen Autoren zugetraut hätte. „Der zornige Phlegmat“ stammt aus Christiane Grefs Feder und ist - natürlich - wieder ein Vampir. Aber zumindest sind Stanis Kapriolen irgendwie witzig, wenn sich auch nicht so ganz erschließt warum. Trotzdem zaubert diese Story ein Grinsen aufs Gesicht. Über „Die erste Nacht“ weiß Philipp Bobrowski zu berichten - besser gesagt, der Protagonist darf diese durchleiden. Dabei kann er sich gar nicht so wirklich erinnern, was eigentlich passiert ist. Tja ... Ein „Date mit Wolfgang“ hätte Manuela P. Forst sicher nicht, zumindest nicht, wenn das gleiche dabei herauskommt wie bei ihrer Protagonistin Nicole. Zumindest der Dreh mit dem Hund wusste zu gefallen, ansonsten allerdings war das ganze eher mau - vor allem der Polizist, der da in der Tür auftaucht, sollte dringend einen Augenarzt aufsuchen... „Cayla und der fremde Gast“ von Oliver Hohlstein fällt ein wenig aus dem Rahmen, immerhin spielt diese Geschichte in einer Fantasy-Welt und bescheinigt sich damit zumindest auch die Zugehörigkeit zu diesem Genre. Allerdings scheint diese Story aus einem größeren Ganzen gelöst zu sein; so bleibt der Leser denn am Ende doch etwas verwirrt zurück und fragt sich, warum er ganze Teile der Story nicht wirklich versteht. Tanja Thomsen berichtet über die „Andreasnacht“ und hat sich von dem gleich betitelten Gedicht dazu inspirieren lassen - oder doch etwas mehr? Was in der Lyrik gut wirkt, muss es in der Prosa nicht tun, und damit ist dann auch schon die Schwäche dieser Geschichte mehr als deutlich erklärt. Besser eigene Ideen aus Gedichten ziehen als diese in ‚Erzählform’ umzuwandeln - oder sich Leser suchen, die das Gedicht nicht kennen.
In der „Bücher-Ecke“ wird, drei Jahre nach deren erstmaligem Erscheinen, von Nancy Leyda „Wolfgang Hohlbeins Schattenchronik“ vorgestellt, die im BLITZ-Verlag erscheint oder erschienen ist. Nun, die gute Neuigkeit ist, dass es sich damit bald haben dürfte, da der Verlag diese Reihe nach Band 11 einstellen wird. Merke: Wo Hohlbein draufsteht, ist nicht unbedingt Hohlbein drin - manchmal leider, manchmal leider nicht... Auch andere Bücher werden, wie immer, in der „Bücher-Ecke“ vorgestellt, wobei der Schwerpunkt eindeutig nicht nur mehr auf den Kleinverlagen liegt, sondern sich offensichtlich auch die Lesegewohnheiten der Herausgeberin dergestalt ändern, dass man sich sucht, wer ‚in’ ist. Ob man solche Bücher nun wirklich bewerben muss, sei dahingestellt, über manches allerdings sei besser der Mantel des Schweigens gebreitet - gleiches gilt für die Ausschreibungen.
Die Grafiken, Bilder und Fotos stammen dieses Mal von Rosi Dombach, die das Cover gestaltete, Shaggy Buttler, Tina Müllner, Manfred Lafrentz, Michael Stegemann, Manuela P. Forst, Pat Hachfeld, Petra Hartmann und Uwe Vöhl.
Alles in allem ist die 15. Ausgabe der „Elfenschrift“ wohl auch bisher die schwächste, zumindest die mir bekannte. Mag am persönlichen Geschmack liegen, da Vampire nun wirklich zu den Gestalten gehören, die allmählich unter einem ganzen Feld von Knoblauch, umkränzt von Kruzifixen gehören. Doch auch ein Teil der Euphorie, die den vorherigen Ausgaben innewohnte, ist weg. Man hat sein Ziel gefunden, man hat einen festen Leser- und Autorenkreis, mehr braucht es nicht. Schade um eine gute Idee. (RSch)
Nachbericht über den Marburg Con 2007 inkl. Interview mit Uwe Vöhl Textbeiträge von Maike Schneider, Christiane Gref, Philipp Bobrowski, Manuela P. Forst, Oliver Hohlstein, Tanja Thomsen und Christel Scheja Grafiken/Illustrationen von Rosi Dombach, Shaggy Buttler, Tina Müllner, Manfred Lafrentz, Christel Scheja, Manuela P. Forst und Michael Stegemann Bücher-Ecke: "Wolfgang Hohlbeins Schattenchronik", Vampire und mehr Weitere Infos, Ausschreibungstipps und mehr ...
Meinung Die Herausgeberin Ulrike Stegemann entführt in dieser Ausgabe die Leser in die Endlose Nacht, dem Thema unter dem die Nummer 15 steht und bei dem die Vampire deutlich ihre langen Zähne vorn haben.
Doch es findet sich auch ein Nachbericht von Ulrike Stegemann zur „Marburg Con“ mit einem angegliederten Interview mit Uwe Voehl, den sie dort getroffen hat und mit dem sie über die im Zaubermond-Verlag erscheinende Serie „Coco Zamis“, in der Uwe Voehl massgeblich mitwirkt, sprach.
In den Kurzgeschichten erzählt Christiane Gref in „Der zornige Phlegmat“ über den Vampir Stani, der die Menschen gleichermaßen liebt und hasst.. Philipp Bobrowskis Protagonist in „Die erste Nacht“ wacht nach einer durchzechten Disconacht auf und stellt fest, dass er dank seiner nächtlichen Begegnung mit der unbekannten Mandy ein Untoter aus ihm geworden ist. Die Story ziert eine sehr hübsche Zeichnung von Manfred Lafrentz.. Christel Scheja, im Fantasy-Fandom z.B. als DSA-Autorin bekannt, steuert mit „Die Gabe der Nacht“ eine Story bei, die mir persönlich am besten von allen Geschichten gefallen hat, da sie stimmungsvoll und dicht ist. Dazu gibt es noch ein kleines lyrisches Desert der Autorin, das wiederum von einer sehr schönen Illustration von der mir bisher unbekannten Tina Müllner veredelt wird
In der „Bücher-Ecke“ verfasste Nancy Leyda einen Bericht über „Wolfgang Hohlbeins Schattenchonik“ und stellt auch den aktuellen Band „Der Vampir von Düsseldorf“ vor. Ebenso Pat Hachfeld, diese mit Band 11 beim BLITZ-Verlag auslaufenden Serie rund um die Vampirin Dilara, mit seinen Illustrationen begleitete.
Darüber hinaus gibt es viele Infos über Neuerscheinungen, Ausschreibungen, und mehr...
Fazit: Wie immer bietet die Elfenschrift etwas für den kleinen phantastischen Lesehunger zwischendurch, und darüber hinaus Infotainment und wurde wie gewohnt liebevoll gestaltet. Daher auch hier wieder meine Kaufempfehlung, da gerade solche Projekte jenseits der Massenproduktion Unterstützung erfahren sollten!