Ich gehöre ja eigentlich der (blutigen) Thriller-Fraktion an, aber, ab und an, vor allem, wenn ich ein wenig mehr Zeit habe und nicht nur vor dem Einschlafen lese, darf es auch gerne mal etwas anspruchsvoller sein. Somit habe ich meinen "Resturlaub 2010" (unter anderem) mit "Apocalypsia" verbracht. Ein Buch das ich nicht für langweilig halte und das mich (auch bei den recht umfangreichen 622 Seiten), für mehr als drei Tage (an denen ich relativ viel Zeit hatte) am (konzentrierten) Lesen hält, ordne ich als anspruchsvoll ein. Ein Buch, das ich nicht nur für schön, außergewöhnlich und gelungen halte, welches mich auch noch Tage später beschäftigt, ordne ich dazu noch in meine private Kategorie "monumental" ein - und dahin schaffen es nicht viele. Nun, Apocalypsia hat´s geschafft. Ein Buch über Engel - gefährlich - das könnte für mich persönlich thematisch auch vollkommen daneben gehen, gerne führen Fantasy-Geschichten schnell in eine kitschige Richtung - Setting: momentan erfolgreiches Vampir Thema, Austausch der Untoten mit Engeln, seichte Liebesgeschichte mit oder ohne ganzheitlicher Esoterik-Keule. Nein, das Buch bewegt sich in eine ganz andere Richtung, zwar kann man ihm einen gewissen Pathos nicht absprechen, doch für mich in einer erträglichen, zum Thema passenden Weise, die ich in diesem Kontext, vollkommen tolerieren kann.
Anfangs könnte man aber allerdings schon denken, dass man sich in einen typischen (esoterisch) angehauchten Frauenroman verirrt hat. "Apocalypsia" beginnt mit Judith und Esthers Geschichte. Da sollte man etwas am Ball bleiben, es entwickelt sich…
Das Buch beschreibt zwei Ebenen, die uns bekannte Welt der Menschen, die wörtlich genommen der Apokalypse mit großen Schritten entgegen geht und die Welt der Engel, die sich ebenfalls in Auflösung befindet, da sie mit der Welt der Menschen verbunden ist und nicht im Ungleichgewicht dazu bestehen kann. Wobei die Ebene der Engel den weitaus größeren Teil des Buches einnimmt. Für alle Leser, die sich mit der Hierarchie der Engel nicht beschäftigt haben, ist sie auf einer der ersten Seiten des Buches nachzulesen.
Alles konnte lange friedlich im Gleichgewicht nebeneinander existieren, starb ein Mensch, wurde er als Engel wiedergeboren, bis zu dem Zeitpunkt, an dem den Engeln klar wird, Gott liegt im Sterben, auch die Ewigkeit ist nicht unendlich. Gott spricht plötzlich nicht mehr zu den Engeln, darauf hat sie niemand vorbereitet, sie sind nicht in der Lage diese göttliche Leere zu füllen. Sie halten strikt an Ritualen fest, die fast an höfisches Zeremoniell erinnern, sie sind hart (-herzig) und nicht in der Lage zu vergeben, die Fähigkeit zu Vergebung ist ihnen nicht gegeben, das kann nur der Vater. Die Engel sind auf ihre Weise genau so blind und unperfekt wie die Menschen, beide verschließen die Augen, die Menschen vor dem Raubbau an Natur und Umwelt (auch vor Gott), die Engel vertrauen blind auf Gott, sind ohne etwas zu hinterfragen, vollkommen ihrem Schicksal ergeben und stehen ungläubig vor den "Lügen ihres Daseins", denn die auch die Ewigkeit ist anscheinend endlich. Erschüttert von dieser Erkenntnis, dass die Unsterblichkeit eine Lüge ist, lehnt sich manch ein Engel gegen die alte Ordnung auf. Diese Gelegenheit nutzt Luzifer um nach jahrtausendelanger Verbannung nach der Macht zu greifen, Zweifel und Zwietracht unter den Engeln zu säen und Verbündete gegen die alte Ordnung zu finden.
Nathanael wird (aus Feuer) geboren, unter der Prophezeiung, dass er die Rettung für die zerbrechende heilige Ordnung ist. Sein Lehrmeister Iax wohnt seiner Geburt bei und erlebt zum ersten Mal, dass ein Engel nicht vollkommen zur Welt kommt. Iax zweifelt stets an ihm und glaubt nicht, dass er die vorausgesagte Rettung sei, er bildet ihn aber trotzdem, wie ihm geheißen, aus und führt ihn zu Gott. Nathanel muss lernen zu kämpfen, nicht nur um in die "letzte Schlacht" zu ziehen, sein wahrer (persönlicher) Kampf ist um Iax´ Liebe zu kämpfen, Iax der vollkommen gottergeben ist, die göttliche Ordnung nie in Zweifel zieht und zum ersten Mal in seinem Dasein Zweifel verspürt, da er Nathanael abgeneigt ist. Nathanael ist nicht nur körperlich missgebildet, er hat auch Fähigkeiten (die allen anderen Engeln fehlen) - er kann mit allen Gottesgeschöpfen mitfühlen und er kann sich an die Liebe seiner Mutter (in der Menschenwelt) erinnern. Nathanaels Weg, sein "Werden" und auch Iax´ (stumme) Erkenntnis ist für mich die Haupthandlung des Buches. Dazu kommen natürlich auch noch unzählige kleine Rahmenhandlungen und Personen, die den beiden auf ihrem Weg zu oder bei Gott begegnen.
Das Buch gipfelt im Endkampf zwischen "Gut" und "Böse" einem monumentalen Kampf der Engel und quasi im (fast vollständigen) Untergang der Welt der Menschen. Das ist jetzt zwar kein vollkommen unbeschriebenes Territorium, ist aber passend und (für meinen Geschmack) interessant umgesetzt.
Es gibt natürlich sehr viele Bezüge zur christlichen (nicht nur ausschließlich biblischen) Mythologie, Kenntnisse darüber sind aber nicht unbedingt notwendig, wobei ich sagen muss, dass ein "gewisses Wissen", das Buch interessanter macht, es gibt recht viele Möglichkeiten für Eigeninterpretationen, oder auch Denkanstöße. Das beginnt schon bei den Namen der Charaktere - Judith oder auch Esther ("beide tauchen (mythologisch) als Retter(innen) des Gottesvolkes auf") oder Nathanael (was mit "Gottesgeschenk" übersetzt werden könnte), so kann der Leser zu allen Namen passende (mythologische) Querverbindungen finden. Sehr viele Bezüge habe ich auch zur Offenbarung des Johannes gesehen, so die "Plagen", die die Menschheit heimsuchen, aber wieder auch einige Personen/Namen die (außerhalb der Apokryphen) in der Bibel nur in der Offenbarung des Johannes vorkommen. Wer möchte findet unzählige interessante Fragen, die sich der Leser selbst beantworten kann, wenn er möchte - über "Gut" und "Böse", die eben auch im Gleichgewicht sein müssen und das das eine das andere bedingt und beide nicht ohne einander bestehen können - nur "Gut" ist eigentlich auch kein erstrebenswerter Zustand, bzw. ist "Gut" nicht gut, wenn es "Böse" nicht gibt… (hmm, genug jetzt mit meiner kruden Philosophie).
Das ist aber nur ein Aspekt des Buches (welcher manchem Leser wahrscheinlich auch gar nicht so sehr ins Auge springt), es handelt sich jedenfalls nicht ausschließlich um christliche Religionstheorie und/oder ermüdende Bibelgeschichten, im Gegenteil das Buch bietet nicht nur tiefgründiges und zum Nachdenken anregendes, es bietet auch eine schöne, manchmal auch recht traurige, schwere Geschichte (die sich, wie auch Nathanael entwickelt), Endzeit-Fantasy (mit Engeln, ohne Fabelwesen), verbunden aber immer auch mit einem "Fünkchen" Hoffnung. Bildhaft (auch sehr ausführlich) schön geschrieben, einwandfrei recherchiert, hintergründig, spannend und phantasievoll aber auch unbschönigend, hart, gewaltig. Weitab von den puttengleichen pummeligen süßen Engelchen und alles ohne "Missionierungstouch".
Das Ende schließt das Buch würdig ab, gibt aber auch keine Erklärungen für die großen Fragen der Menschheit - zurück bleibt wieder enormer (wenn er denn genutzt wird) Spielraum für eigene Interpretationen - es muss (oder kann) sich jeder Leser seinen eigenen Teil dazu (aus- oder weiter-) denken.
Auch Götter sterben, wenn niemand mehr an sie glaubt (nein, nicht von mir, von J. P. Sartre).
Du stehst auf Endzeit-Romane? Auf Bücher, in denen die Welt untergeht und der Mensch ums nackte Überleben kämpft? Und du bist auch dem Fantasy-Genre nicht abgeneigt? Dann habe ich hier die ideale Buchempfehlung für dich: „Apocalypsia“ von Andreas Izquierdo. Worum geht es?
Auf der Erde geschehen seltsame Dinge: wunderschöne Polarlichter überspannen den gesamten Planeten, die die Verbindung zu den Satelliten unterbrechen; die Temperaturen steigen und es wird unerträglich heiß. Die Meere färben sich blutrot. Esther, die junge Ärztin, die seit dem Tod ihres Sohnes den Glauben an Gott verloren hat, denkt sich anfangs nichts dabei. Doch bald schon offenbart sich die ganze Katastrophe: Felsmassive wie die Alpen werden porös und fallen einfach in sich zusammen, Erdbeben erschüttern die ganze Welt und Vulkane drohen auszubrechen. Inmitten dieses Chaos versuchen Esther und ihre Patientin Judith, die nach ihrem Selbstmordversuch seltsam allwissend erscheint, am Leben zu bleiben. Die Ursache für diese Apokalypse erschließt sich den Menschen nicht.
Denn erst wer weiß, dass alles im Gleichgewicht ist, dass, wenn das eine stirbt, auch das andere unweigerlich stirbt, kann die Ursache erkennen. Und die liegt außerhalb der menschlichen Wahrnehmung. Gott liegt im Sterben und unter seinen Engeln entbrennt ein heftiger Kampf um die Thronfolge. Erschüttert von der Erkenntnis, dass ihre unsterbliche Existenz eine Lüge ist, lehnen sich die Engel gegen die alte Ordnung auf. Diese Gelegenheit nutzt Luzifer nach jahrtausenderlanger Verbannung für sich. Er will den Platz Gottes einnehmen und die Schöpfung neu gestalten. Ohne den Menschen, denn in ihnen sieht er die Wurzel allen Übels. Nur der junge Engel Nathanael, der sich aufgrund einer Verkrüppelung so sehr von den anderen Engeln unterscheidet, soll noch in der Lage sein, gegen Luzifer zu bestehen. Und so auch die Menschenwelt vor dem Untergang zu retten…
Was für ein monumentales Buch! Ich fand es einfach großartig. Die Erzählung wechselt immer wieder zwischen der Menschen- und der Engelwelt. Beiden droht die Zerstörung, denn sie sind wie zwei Seiten einer Medaille. Alles ist im Gleichgewicht, Leben und Tod, Engel und Menschen. Wenn das eine stirbt, stirbt auch das andere.
Mir ist jeder einzelne Charakter im Laufe des Buches ans Herz gewachsen, selbst die scheinbaren Bösewichte. Denn jeder hat eine Geschichte, die ihn erst zu dem gemacht hat, was er jetzt ist und Izquierdo gesteht jedem die nötige Seitenzahl zu, so dass man Nathanael, Luzifer, Esther und Co. kennen- und liebenlernen kann. Keiner ist hier nur ein unwichtiger Nebencharakter. Wer jedoch empfindlich ist, wenn es um den Tod von Charakteren geht, der sollte sich wappnen, denn hier droht schließlich die Apokalypse und somit die Vernichtung allen Seins.
Mein Fazit: „Apocalypsia“ bietet Weltuntergang, monumentale Schlachten und einzigartige Charaktere. Endzeit-Fantasy vom Feinsten!
"Apocalypsia" handelt von der Menschenwelt und der der Engel, die zwar getrennt voneinander leben sich aber gegenseitig bestimmen und wenn das eine stirbt, wird das andere geboren. Nun aber liegt Gott im Sterben und das Armageddon droht, in dem beide Gottesgeschöpfe dem Ende entgegen sehen. In der Welt der Menschen treten plötzlich Anomalien auf und eine große Hitzewelle regiert den Planeten. Nur die mürrische Ärztin Esther und ihre reiche Patientin Judith spüren, dass es sich nicht nur um ein vorüber gehendes Wetterphänomen handelt, sondern mehr dahinter steckt. In die Welt der Engel wird Nathanael geboren, der einen verkrüppelten Arm hat und somit eine Beleidigung für die vollkommenen Engel darstellt. Er aber, so wurde es prophezeit, soll die Rettung für die zerbrechende Heilige Ordnung sein, was der Engel Iax, der sich um ihn kümmern soll, nicht glauben kann. Im Glauben an den Vater nimmt er dennoch seine Aufgabe als Meister an und versucht Nathanael auf den Kampf, der unweigerlich eintreffen wird, vorzubreiten. Luzifer konnte aus seiner Verbannung entkommen und will den Thron nun an sich reißen. Viele stellen sich auf seine Seite, da Gott nicht mehr zu ihnen spricht. Nur noch der unvollkommene Nathanael kann jetzt mit wenigen Anhängern die Heilige Ordnung bewahren, denn er ist anders als alle anderen Engel, nicht nur wegen seinem äußerlichen Makel. Andreas Izquierdo hat mit "Apocalypsia" einen außergewöhnlichen Roman erschaffen, der mit seinem flüssigen Schreibstil und der bildreichen Sprache den Leser gefangen nimmt. Man kann sich die Welt der Engel und deren überirdische Schönheit genau vorstellen und befindet sich mitten im Geschehen. Besonders Nathanael, sein Meister Iax und sein bester Freund Seth sind sympathische Charaktere mit denen man leidet und in die man sich hineinversetzen kann. Trotz der über 600 Seiten ist das Buch an keiner Stelle langweilig oder langatmig und es fällt schwer es überhaupt aus der Hand zu legen. Ein großartiger Roman, der trotz aller Fantasy viele Wahrheiten in sich birgt und den man nicht so schnell vergisst.
Wäre ich nach dem Äußeren des Buches und nach dem Klappentext gegangen, dann hätte ich diesen kostbaren Schatz wohl gar nicht gelesen. Erst nachdem ich ein paar Seiten der Leseprobe regelrecht verschlungen hatte, wusste ich: Dieses Buch musst Du haben.
Vom Umschlag her, ist das Buch in einem dunkelroten Ton gehalten und darauf steht in großen weißen Lettern das Wort Apocalypsia". Die Buchstaben sind mit roten Flecken beschmiert, die schnell deutlich machen, dass es sich um Blut handelt. Und das wird in diesem Fantasyroman nicht gerade wenig vergossen. Es war stellenweise schon sehr brutal und ich habe mich während der Kriegsszenen oft gefragt, warum ich gerade dieses Buch nicht aus der Hand legen kann, obwohl ich ein absoluter Kriegsgegner bin und auch solche Szenen eigentlich vermeide zu lesen. Aufteilung des Buches:
Das Buch beginnt mit der Hierarchie der Engel:
I. Chor 1. Seraphim 2. Cherubim 3. Throne
II. Chor 4. Dominationes 5. Virtutes 6. Potestates
III. Chor 7. Principatius 8. Archangeli 9. Angeli
Es ist eingeteilt in Abschnitte. Jeder Abschnitt hat mehrere Kapitel. Gewundert habe ich mich darüber, dass es kein Inhaltsverzeichnis gibt - zumindest zu den einzelnen Abschnitten. Die Abschnitte haben folgende Überschriften:
Anomalien Die Prophezeiung Plagen Der Konvent Krieg
Aber erst einmal Näheres zum Inhalt, denn wie schon erwähnt, hätte der Klappentext mich nicht ermutigt, das Buch zu lesen. Überzeugt hat mich der Schreibstil von Andreas Izquierdo.
Sehr lange Zeit lebte die Welt der Menschen und die der Engel im Gleichgewicht friedlich nebeneinander. Starb ein Mensch, so wurde er als Engel wieder geboren. Doch seit Gott im Sterben liegt, gerät die Welt aus dem Gleichgewicht. Die Engel müssen ihre Sterblichkeit erkennen und ihr Heer spaltet sich in zwei Lager. Während die eine Seite weiter auf Gott vertraut, schließt sich die andere dem Engel Luzifer an. Seinem Versprechen, den paradiesischen Urzustand durch die Vernichtung des Menschen wiederherzustellen, können sich nur wenige Engel entziehen. In diese Zeit wird ein kleiner Engel mit dem Namen Nathanael hineingeboren. Die Prophezeiung sagt voraus, dass er als Vertreter der alten Ordnung, die Engel in den Kampf gegen Luzifer führen wird. Aber Nathanael wird mit einer verkrüppelten Hand geboren und sein Meister, der Potestas Iax, ist voller Zweifel. Er soll ihn im Kampf unterrichten - aber wie soll ein Krüppel die Schöpfung retten? Nur sehr schwer kann er seinen Abscheu unterdrücken. Während die Welt der Engel in zwei Lager gespalten wird, geht auch die Welt der Menschen ihrem Untergang entgegen. Die Erde wird von merkwürdigen Lichtern eingekreist, die an Polarlichter erinnern. Dies führt dazu, dass sich die Erde immer mehr aufheizt und die Kontinentalplatten zu driften beginnen. Die Menschen, die durch die anhaltende Hitze nicht gestorben sind, finden den Tod durch Erdbeben, Tsunamis oder Vulkanausbrüchen.
Selten habe ich mich in einem Buch so verloren, wie in diesem und selten haben mich Worte so sehr aufgewühlt wie die von Andreas Izquierdo. Alleine die Wortwahl und seine Art zu schreiben ist das, was mich überzeugt hat. Diese gewaltige Geschichte, die dahinter steckt, war noch das I-Tüpfelchen. Was mich ein paar Mal regelrecht aus der Bahn geworfen hat, war die Intensität des letzten Satzes in manchen Kapiteln. Sätze, die mich in dem Moment so unerwartet mit einer Wucht getroffen haben, dass ich erst eine Pause machen musste, bevor ich weiter lesen konnte. Die Figuren in diesem Roman sind, wie ich finde, ein kleines Meisterwerk. An jeder einzelnen hing ich, ob nun Gut oder Böse. Wobei ich mich doch ein paar Mal gefragt habe, ob das Böse in diesem Fall wirklich so Böse ist. Diese Aussage Luzifers ließ doch einige Zweifel aufkommen: Der Vater trennte uns, um zu verbergen, dass er uns betrogen hat! Denn in seiner Kränkung und um die tiefe Lücke zwischen Engeln und Menschen zu schließen, beschenkte er Letzteren überreich, gab ihm die Fähigkeit, zu schaffen, sich zu entfalten, seine eigenen Ziele zu verfolgen. Ja, er erlaubte sogar, nicht an ihn zu glauben. Gaben, die er den Engeln verweigerte und - wie zum Spott - diesen unfertigen, zerstörerischen und dummen Wesen opferte!"
Eins steht fest: Der Autor regt mit seinem über 600 Seiten starken Werk auf jeden Fall zum Nachdenken an. Führt uns unsere Fehler vor Augen und zeigt uns, dass wir bereits einen falschen Weg eingeschlagen haben. Der Krieg, den die Engel in seinem Buch führen, ist eigentlich der der Menschen und die Arroganz, die wir unserer Umwelt gegenüber an den Tag legen, wird irgendwann unser Untergang sein.
Die Welt der Menschen und die der Engel existieren nebeneinander. Stirbt ein Mensch geht er in die Welt der Engel. Stirbt Natur bei den Menschen, stirbt diese auch bei den Engeln. Doch nun liegt Gott im Sterben und die Welten geraten aus den Fugen. Luzifer beansprucht den Thron für sich, und der Frieden der Engel ist massiv gestört. Die Welt der Menschen geht unter und Millionen von Engeln stehen sich, gespalten in zwei Lagern, gegenüber. Kann Nathanael, ein Engel mit verkrüppeltem Arm, die Welten erretten, Gottes Thron beset-zen? Dieses Buch zu beurteilen fällt mir etwas schwer. Phasenweise las es sich wirklich gut und mir kam die Absicht des Autoren mit diesem Roman etwas näher. Jedenfalls nehme ich das mal an. Andere Stellen waren mir einfach zu langatmig. Sicher, die Welt der Menschen ist eigentlich Chaos und alle haben Schwächen. Doch ob die Welt der Engel nun so erstrebenswert ist. Soll es zufrieden und glücklich machen, wenn immer alles gleich ist, schön und von göttlicher Zufriedenheit durchdrungen? Zudem benehmen sie sich bei der Bedrohung vom Tod Gottes auch nicht anders als Menschen. Die Schilderung des finalen Kampfes der Engel fand ich einfach nur abstoßend. Vielleicht sollte das so sein, aber gestorbene Menschen, die zu Engeln wurden und sich nun gegenseitig abschlachten und in Blut waten. Nein danke. Dass alles nur an der einen Institution (Gott) hängt, will mir einfach nicht einleuchten, da wehre ich mich gegen. Dass gewisse Dinge eine Eigendynamik haben will ich nicht abstreiten. Die Idee hinter diesem Roman ist schon gut, dieses Buch auszuarbeiten ist auch eine Leistung, doch überzeugen konnte es mich nicht. Sicherlich ist es eine Geschmackssache, wie einem ein Buch gefällt, gerade bei diesem Thema. Auch, dass einem der menschliche Raubbau an der Erde und ihre Auswirkungen auf diesem Weg, über Gott, näher gebracht wird, finde ich völlig in Ordnung. Mir persönlich fehlte ein persönlich betroffon machender Bezug, da die Welt der Engel doch ziemlich realitätsfern ist.