Klappentext: Sulzbach im Taunus: An einem regnerischen Novemberabend wird eine Frau von einer Brücke auf die Straße gestoßen. Die Ermittlungen führen Pia Kirchhoff und Oliver von Bodenstein in die Vergangenheit: Vor vielen Jahren verschwanden in dem kleinen Taunusort Altenhain zwei Mädchen. Ein Indizienprozess brachte den mutmaßlichen Täter hinter Gitter. Nun ist er in seinen Heimatort zurückgekehrt. Als erneut ein Mädchen vermisst wird, beginnt im Dorf eine Hexenjagd...
Meine Meinung: Dieser Krimi ist komplex, gut durchdacht und spannend bis zum Schluss. Die Autorin hält sich nicht mit allzu detaillierten Landschaftsbeschreibungen auf. Ihre Protagonisten sind facettenreich und man lernt sie im Laufe der Geschichte immer besser kennen. Nachdem Tobias Sartorius in sein Heimatdorf zurückkehrt kochen die Gemüter hoch. 10 Jahre saß er im Gefängnis, wegen Mordes an zwei jungen Mädchen, doch schnell keimt in Kriminaloberkommissarin Pia Kirchhoff der Verdacht, dass mehr hinter der Sache steckt. Immer tiefer dringen die Ermittler in das feine Netz aus Lügen, Verrat und Intrigen, welches sich durch die Dorfgemeinschaft zieht und entdecken dabei unfassbares. Die privaten Probleme der Kriminalbeamten lassen sie dabei menschlicher wirken, bleiben aber dezente Randhandlung. Nele Neuhaus schreibt flüssig und eingängig, findet Zusammenhänge und schafft immer neue, unerwartete Wendungen. Bis zur letzten Seite kommt nie Langeweile auf und immer wenn man dachte der Lösung nahe zu sein, wendet sich das Blatt abermals. Sie legt die Messlatte hoch und schafft es das Niveau zu halten. Ein wirklich gelungener 4. Fall für ihr Ermittlerduo.
Inhalt: Nach zehn Jahren wird Tobias Sartorius aus der JVA Rockenberg entlassen. In einem reinen Indizienprozess wurde er damals für ein Verbrechen an zwei jungen Mädchen verantwortlich gemacht, die seitdem spurlos verschwunden sind. Nun kehrt Tobias in sein Heimatdorf zurück und realisiert, dass nichts mehr so ist wie vor 10 Jahren: das Gasthaus des Vaters geschlossen, der elterliche Hof und das Haus vernachlässigt, der Vater gebrochen, die Mutter ausgezogen, die Eltern geschieden und die einst befreundeten Nachbarn feindselig und ablehnend. Zur gleichen Zeit wird bei Abrissarbeiten ein menschliches Skelett gefunden, und eine Frau wird von einem Mann über ein Brückengeländer auf eine viel befahrene Straße gestoßen. Wie hängen diese Ereignisse miteinander zusammen? Was ist vor 11 Jahren tatsächlich passiert? Ist Tobias, der sich seit 11 Jahren vergeblich bemüht, sich an die Ereignisse der Tatnacht zu erinnern, der jedoch einen mehrstündigen Filmriss hat, wirklich der Täter oder hat ein anderer die Tat verübt?
Mein Eindruck: Nele Neuhaus hat einen fantastischen Krimi geschrieben, der wirklich von der ersten bis zur letzten Zeile spannend ist und sofort fesselt. Ihre Protagonisten sind komplex und authentisch, man kann sich in die Personen und Situationen wunderbar einfühlen und lebt für die Zeit der Lektüre regelrecht in Altenhain. Die Autorin legt unzählige Fährten und stellt immerzu potenzielle Täter vor, verwirrt den Leser dadurch von Zeit zu Zeit und entwirft ein sehr unheimliches und doch realistisches Bild der Dorfgemeinschaft. Das Ende war mir fast ein bisschen zu viel. Hier wäre weniger Komplexität vielleicht besser und glaubwürdiger gewesen.
'Schneewittchen muss sterben' ist der vierte Teil einer Reihe und mein zweiter Krimi von Nele Neuhaus. Ich würde jedem Leser empfehlen, die Bücher in der richtigen Reihenfolge zu lesen. Zwar braucht man für 'Schneewittchen muss sterben' keinerlei Vorwissen aus den anderen Bänden, doch Neuhaus erwähnt die alten Fälle und verrät Einzelheiten und Täter aus den früheren Büchern.
Mein Resümee: Sehr dicht, ohne Längen, stets fesselnd.
Tobias kehrt nach langer Zeit in sein Heimatdorf zurück. Doch er war nicht auf Reisen oder aus beruflichen Gründen in irgendeiner deutschen Großstadt. Nein! Er war im Gefängnis. 10 Jahre war er weggeschlossen, weil er als Jugendlicher zwei Mädchen aus dem Dorf getötet haben soll, deren Leichen nie gefunden wurden. Doch erinnern kann er sich an nichts. War wirklich Tobias der Täter? Nach seiner Rückkehr will er seinem Vater wieder auf die Beine helfen, weil seine Familie und deren Existenz aufgrund seiner Verurteilung zusammengebrochen sind. Doch das Dorf schneidet ihn, verachtet ihn und macht es ihm und seinem Vater schwer. Doch das ist nichts im Vergleich zu dem, was ihm blüht, als erneut ein Mädchen verschwindet.
Thematisch hat Nele Neuhaus mit dem Buch "Schneewittchen muss sterben" sicherlich kein Neuland betreten. Da viele Ideen aber nunmal bereits gedacht sind, kommt es auf die Ausführung der Idee an. Die Charakterausgestaltung ist Neuhaus sehr gut gelungen. Egal ob Oliver von Bodenstein, seine Partnerin Pia oder Tobias Sartorius. Ihre Eigenschaften sind gut ausgebildet und bringen sie dem Leser nah.
Auch technisch ist das Buch auf hohem Niveau geschrieben. Der Erzählstil ist bildlich und lässt die Story vor dem inneren Augen ablaufen. Gleichzeitig kommt nie Langeweile auf. Im Gegenteil ist es Neuhaus gut gelungen, Spannung aufzubauen und vor allem auch zu halten.
Interessant ist vielleicht auch anzumerken, dass Nele Neuhaus von Hause aus Juristin ist, was man ihren Buch auch entnehmen kann. Hier und da blitzt auf, dass juristische Kenntnisse hinter den Ausführungen stehen. Dabei erzeugt sie aber keinen Eindruck der Besserwisserei oder eines juristischen Lehrbuchs, sondern streut derartige Aussagen nebenbei ein.
Bei ihrem Buch handelt es sich um einen Roman aus einer Reihe Krimis mit dem Ermittler Oliver von Bodenstein, dennoch merkt man dies nur an ein paar Andeutungen, so dass man zu keiner Zeit das Gefühl, etwas wichtiges für die Geschichte nicht zu kennen. Somit ist dieses Buch auch für Leser geeignet, die die vorherigen Bücher nicht lesen konnten bzw. nicht lesen wollten.
Einziger Wermutstropfen ist der in Kleinigkeiten nicht ganz logische Schluss. Zwar macht er im Großen und Ganzen Sinn, hat jedoch einen Punkt, der den Leser mit Fragen zurücklässt. Diese sind nicht so erheblich, dass sie das gesamte Buch in Frage stellen, führen aber dazu, dass das Ende ein wenig getrübt erscheint. Leider kann ich aus verständlichen Gründen nicht sagen, um was es sich dabei handelte, hoffe aber, dass ein Leser des Romans wissen wird, was ich meinen könnte.
Fazit: Nele Neuhaus hat mit "Schneewittchen muss sterben" ein äußert lesenswertes Buch geschaffen. Fesselnd von der ersten bis zur letzten Minute macht es Lust auf mehr, insbesondere auf ihre früheren Werke. Es handelt sich allerdings um einen "klassischen" Krimi, was heißen soll, dass es mit nur wenig Action auskommt. Mich störte dies hier (im Gegensatz zu anderen Büchern) nicht. Einen Mangel an Action kann ich daher nicht beklagen. Fest steht, dass ich hier ein "spitzen" Buch gelesen habe. Für eine bessere (und damit Best-) Wertung reichte es aufgrund der Schlusses nicht. Wie bereits angesprochen, war er nicht fatal, hat bei mir aber dennoch Fragen offengelassen, die das durchweg gute Gefühl etwas eintrübten, wenn auch nur gering. Ich kann es aber ohne Zweifel jedem Krimiliebhaber empfehlen.
Tobias Sartorius wird im Alter von 20 Jahren wegen zweifachen Mordes an zwei seiner Jugendfreundinnen, deren Leichen nie gefunden wurden, zu 10 Jahren Haft verurteilt. Als Tobias nach Absitzen seiner Strafe in seine Heimatstadt Altenhain zurückkehrt muss er feststellen, dass seine Vergangenheit nicht nur sein eigenes Leben zerstört hat. Denn Tobias’ Eltern wurden während seiner Abwesenheit von den Bewohnern des kleinen Dorfes tyranisiert und von der Gemeinschaft ausgeschlossen. Auch Tobias’ Rückkehr in die Dorfgemeinde wird von den Bewohnern nicht positiv aufgenommen, denn keiner möchte einen verurteilten Mädchenmörder zum Nachbarn haben. Als dann auch noch die Leiche einer der getöteten Mädchen auf einem Fluggelände gefunden wird, nehmen die Komissare Pia Kirchhoff und Oliver von Bodenstein die Ermittlungen wieder auf und bringen dadurch eine Lawine an Ereignissen zum Rollen, mit der sie nicht gerechnet haben.
Nele Neuhaus hat einen Krimi geschrieben, der sich nicht nur auf die Ermittlungen des angeblichen Mörders Tobias Sartorius beschränkt, sondern vielmehr auch die Lebensumstände sämtlicher Figuren beschreibt. Durch diesen Perspektivenwechsel bleibt die Geschichte durchweg spannend und bewirkt, dass die Charakterzüge der Personen an Tiefe gewinnen und sie sehr authentisch erscheinen. Außerdem gelingt es Neuhaus von Zeit zu Zeit tolle Wendungen einzubauen, so dass immer wieder andere Figuren als mögliche Täter in Frage kommen könnten. Punktabzug gibt es trotzdem. Nele Neuhaus wirft in ihrem Buch mit Orts- und Personenname um sich, sodass es bisweilen doch etwas schwierig ist die einzelnen Figuren miteinander in verbindung zu setzen und sich zu merken, wer wer ist. Je mehr man sich jedoch in die Geschichte hineinliest, desto leichter wird es zu entscheiden, welche Personen ein besondere Rolle in der Erzählung spielen, sodass man ihre Namen nicht wieder vergisst.
Fazit: ‘Schneewittchen muss sterben’ ist ein spannender und abwechslungsreifer Krimi mit authentischen und sympathischen Charakteren.
Tobias Sartorius ist frei... nach 10 Jahren Knast wegen eines Doppelmordes an Laura und Stephanie. Doch zuhause ist nichts mehr wie es war. Und auch nicht, wie es jetzt zu sein scheint. Der Gasthof seiner Eltern ist den Bach runter, seine Eltern sind getrennt. Obwohl Tobias seine Strafe abgesessen hat, verfolgt ihn das ganze Dorf. Lauras Leiche wird gefunden, doch Stephanie... Schneewittchen... bleibt verschwunden. Und dann verschwindet wieder ein Mädchen, Amelie.
Was ist nur los in diesem Kaff, in dem jeder den anderen schützt. Obwohl ziemlich bald klar ist, dass Tobias wohl einfach nur der Lückenbüsser für andere Mistsäcke war, ist die ganze Angelegenheit ziemlich verstrickt.
Und das ist das, was mir bei diesem Krimi gefallen hat- die Spannung wird über lange Strecken gehalten, die Verwirrungen sind kaum durchschaubar, aber trotzdem nicht so verwirrend, dass man garnichts mehr begreift. Und so entwickelt sich ein Krimi von der allerfeinsten Sorte. Das Auf und Ab der sich zuspitzenden Situationen fesselt, die einzelnen Charakteren sind gut beschrieben, sodass man sich schnell in das Geschehen einfindet. Und plötzlich gehts unerwartet in eine andere Richtung, ohne dass der rote Faden abreisst.
Dies ist bereits der 4. Taunus-Krimi von Nele Neuhaus, in dem Bodenstein und seine Kollegin Pia Kirchhoff tätig sind, und ich hoffe, es wird nicht der letzte sein.
Der wegen zweifachen Mädchenmordes in einem Indizienprozess verurteilte Tobias Sartorius kehrt nach seiner 10-jährigen Haftstrafe wieder in sein Heimatdorf Altenhaim zurück, in dem ihm erst die Auswirkungen, die seine Verurteilung auf seine gesamte Familie genommen haben, bewusst wird.
Durch seine Rückkehr und das Finden eine der Leichen, der damals ermordeten Mädchen wird ein Stein ins Rollen gebracht, der schließlich eine ganze Lawine auslöst.
Gemeinsam mit dem Ermittlerpaar Pia Kirchhoff und Oliver von Bodenstein begibt sich der Leser auf eine Suche nach der Wahrheit. Und dabei müssen nicht nur die alten Mordfälle aufgeklärt werden, sondern gleichzeitig ein neuer Fall, das Verschwinden eines Mädchens, das vermutlich in Zusammenhang mit den Morden steht, sowie einige private und dienstinterne Probleme gelöst werden.
Meinung
Die Geschichte wird aus verschiedenen Perspektiven geschildert, die oftmals bereits nach wenigen Seiten gewechselt werden. So erlebt der Leser das Geschehen aus der Sicht des Ermittlers, des Opfers und des Täters, ohne zunächst in einigen Fällen zwischen Opfer und Täter unterscheiden zu können.
Auch ist der Fokus nie komplett nur auf das Lösen des Falles konzentriert, sondern ebenso auf die privaten Probleme der Ermittler und das ganze soziale Zusammenleben des Dorfes, das im Laufe der Geschichte einige Abgründe zeigt.
Der Schreibstil ist konstant flüssig, mit Detailgenauigkeiten an den richtigen Stellen.
Die Gefühle der Personen, aus dessen Sichtweise gerade berichtet wird, werden für einen Krimi relativ ausführlich beschrieben, weshalb der Leser sich wunderbar in die Personen hineinversetzen kann.
Bei der Leseprobe hatte ich die Befürchtung geäußert, dass mich die große Anzahl an verschiedenen Personen verwirren wird. Gerade weil es mein erster Krimi von Nele Neuhaus und damit auch das erste Buch dieser Reihe war, musste ich neben den Opfern und potentiellen Tätern, die sich im ganzen Dorf tümmeln, auch die gesamte ermittelnde Dienststelle kennenlernen. Doch dies stellte eigentlich keine größeren Probleme dar, obwohl ich einige Male überlegen musste, wen ich nun vor mir habe und wie die Familienverhältnisse nun stehen.
Wahrscheinlich ist dies unvermeidbar, wenn man sich als Kulisse seines Krimis ein ganzes Dorf auswählt, in dem alle Geheimnisse über mehrere Ecken miteinander verankert sind.
Positiv hierbei aus natürlich ein breiter Fächer an möglichen Tätern. Daraus entwickelt Nele Neuhaus ihre sehr verworrene, komplexe und mit einigen Klischees behaftete Geschichte, die nach meinem Empfinden aber nie ihre Glaubwürdigkeit verliert. Und auch die Klischees wirken nicht störend.
Sie Länge des Buches hat mich zunächst überrascht, da ich selten Krimis mit über 500 Seiten gelesen habe, da es oftmals auch schwer ist, die Spannung eine solch lange Zeit aufrecht zu erhalten. Nele Neuhaus hat es meiner Meinung nach geschafft, besonders der Einstieg in die Geschichte gelingt ihr sehr gut, sie hält den Leser schon nach kurzer Zeit in den Geschehnissen gefangen. Nur das Ende flacht etwas ab, alles passiert Knall auf Fall, neue Tatsachen werden plötzlich in den Raum geworfen.
Fazit
Ingesamt ist es ein sehr empfehlenswerter Krimi, in dem die Spannung nie verloren geht und der mit einer verstrikten Geschichte glänzt. Für mich mein Einstieg in die Krimiwelt von Nele Neuhaus.
Über das Buch: Tobias Sartorius kehrt nach einer verbüßten 10 jährigen Jugendstrafe in sein Heimatdorf zurück, verurteilt wurde er damals in einem Indizienprozess, für den Mord an zwei Mädchen, deren Leichen nie gefunden wurden, er war damals stark alkoholisiert und hat an die Tat(en) und den Tatzeitraum keinerlei Erinnerung. Seinen Eltern ist es in der Zwischenzeit auch nicht gut ergangen, die Dorfgemeinschaft ächtet sie, ihre Ehe ist zerbrochen, ihr Gasthaus ist pleite und der Vater ist in Hoffnungslosigkeit erstarrt. Auch Tobias wird nicht mit offenen Armen empfangen und die Bewohner von Altenhain beschließen, nachdem wieder ein junges Mädchen, die einem der ersten Opfer sehr ähnelte, verschwunden ist, die "Lösung" in die eigene Hand zu nehmen. Als eine skelettierte Leiche gefunden wird und Tobias Mutter angegriffen und von einer Autobahnbrücke gestürzt wird, beginnen die Ermittler Pia Kirchhoff und Oliver von Bodenstein die alten Morde an den Mädchen wieder aufzurollen und finden schnell Ungereimtheiten. Als dann auch noch Ermittlungsakten verschwinden wird klar, hier hat jemand Interesse daran, dass die Akten auch weiterhin nicht allzu genau gesichtet werden. Die Ermittlungen gestalten sich schwierig, da die Dörfler (außer Klatsch und Tratsch) nichts sinnvolles zu den Ermittlungen beitragen und fast die ganze Dorfgemeinschaft wirkt, als hätte sie etwas zu verbergen, verquickt sind alle zusammen durch Claudius Terlinden, ein reicher Unternehmer, der für viele Arbeitgeber ist, dem fast das ganze Dorf gehört und der auch einzelnen Einwohnern finanziell geholfen hat.
Meine Meinung: Gekauft habe ich das Buch, da ich sehr viele positive Kritiken gelesen habe, normalerweise liegen mir deutsche Krimis oder Thriller nicht so sehr (...meine subjektive Meinung, evtl. habe ich auch immer zu den falschen Büchern gegriffen...). Da es sich auch noch um einen regional angesiedelten "Taunuskrimi" handelt, war ich doppelt skeptisch, Regionales gleitet ja auch gerne mal auf die "Klamauk-Schiene" ab und für CSI Musikantenstadel habe ich altersmäßig noch nicht die notwendige "Reife". Aber ich muss sagen, "Schneewittchen muss sterben" hat mich dahingehend positiv überrascht, prinzipiell hätte die Geschichte auch überall in Deutschland spielen können und die vereinzelt auftauchenden Kommentare in Dialekt, waren nicht störend, waren verständlich und haben auch keinen großen Teil der Geschichte beansprucht. Der Einstieg ins Buch erfolgt mit einem guten Prolog, der beim Leser eine etwas gruselige Stimmung erzeugt und der natürlich auch die Neugier weckt. Nele Neuhaus hat hier eine sehr komplexe Story geschaffen, die trotz der sehr vielen verschiedenen Beteiligten, die auch jeweils ausführlich eingeführt werden, nicht verwirrt, die bis zum Schluss stimmig bleibt und die alle gesponnen Handlungsfäden auch zu Ende bringt. Anfangs muss sich der Leser ein wenig an die Sprunghaftigkeit des Schreibstils gewöhnen, der Leser folgt abwechselnd den Ermittlern, den Opfern und den Tätern (außer den Ermittlern ist die Rollenverteilung für den Leser erst einmal vollkommen undurchsichtig). Auch die Spannung bleibt weitestgehend bis zum Schluss erhalten. Das Privat- und Arbeitsleben der beiden Ermittler wird auch etwas thematisiert, aber in einem glaubwürdigen Rahmen, der das (für mich) erträgliche Maß nicht überbeansprucht (schön - keine "nordische Kopie" - keine Alkoholprobleme, keine typischen und übermäßig problembeladenen Einzelgänger). Ein wenig Kritik zu Schluss, teilweise wäre an manchen Stellen weniger "mehr" gewesen, in einigen Kapiteln - zunehmend zum Ende hin - hatte ich einfach das Gefühl, dass die Autorin etwas zu viel gewollt hat, die vielen Ideen und verschiedenen Charaktere, die der Leser hier kennenlernt (vom reichen "Dorfpaten" über seinen autistischen Sohn zur bekannten Schauspielerin gab es fast nichts, was es in dem Dorf nicht gab), hätten einige Bücher füllen können und damit büßt das ganze wieder etwas an Glaubwürdigkeit ein - dass ein Dorfverband eine gewisse Dynamik gegen einen vermeintlichen Störenfried entwickeln kann - ok, aber dass fast jeder Bewohner eines Dorfes ein dunkles Geheimnis hat und dass es kaum Menschlichkeit hinter der biederen Fassade gibt, ist schon ein wenig "dick" aufgetragen. "Schneewittchen muss sterben" ist der vierte Band einer Reihe um die Ermittler Kirchhoff und von Bodenstein. Alle Bücher sind in sich abgeschlossen und können auch ohne Vorwissen aus den andern Bänden gelesen werden.
Mein Fazit: Ein guter, spannender und grundsolider deutscher Krimi, der sicherlich einen besonderen Reiz für Leser aus dem Taunus bietet. Trotz dem Bedienen einiger Klischees und fast ein wenig zuviel an Handlung und Protagonisten empfehlenswert.
Vor zehn Jahren wurden dem ehemaligen Einser-Abiturienten Tobias Sartorius die Morde an zwei Mädchen aus seinem Heimatort Altenhain angelastet. In einem spektakulären Indizienprozess wurde er für schuldig befunden und verurteilt. Mittlerweile hat er seine Strafe verbüßt und wird aus der Haft entlassen. Seine beste Freundin Nadja, die in den vergangenen Jahren zu einer erfolgreichen Schauspielerin aufgestiegen ist, holt ihn ab und bietet ihm an, bei ihr zu wohnen. Doch Tobias lehnt ab und lässt sich von ihr an seinem Elternhaus absetzen. Schnell muss Tobias feststellen, dass die Zeit während seiner Haft nicht stehengeblieben ist. Denn die blühende Gaststätte der Eltern ist mittlerweile geschlossen, das Haus wirkt heruntergekommen und selbst die Ehe seiner Eltern ist an dem Schicksalsschlag zerbrochen. Die Dorfgemeinschaft reagiert mit Ablehnung auf die Rückkehr des vermeintlichen Mörders. Unmissverständlich wird ihm klar gemacht, dass er im Ort nicht mehr erwünscht ist.
Kriminaloberkommissarin Pia Kirchhoff und Kriminalhauptkommissar Oliver von Bodenstein vom Hofheimer K11 werden zu einem rätselhaften Verkehrsunfall gerufen. Eine Frau ist von einer Fußgängerbrücke, direkt in die Windschutzscheibe eines darunter fahrenden Wagens, gestürzt. Zeugen wollen beobachtet haben, dass die Frau von einem Unbekannten gestoßen wurde. Die Ermittlungen führen das Team nach Altenhain. Denn es stellt sich heraus, dass es sich bei der schwerverletzten Frau um die Mutter von Tobias Sartorius handelt. Schnell kommt der Verdacht auf, dass die Haftentlassung ihres Sohnes ein Motiv für den Angriff sein könnte. Doch in Altenhain hält die Dorfgemeinschaft zusammen und blockiert die Ermittlungsversuche der Polizei. Doch Pia Kirchhoff gibt so schnell nicht auf. Deshalb durchsucht sie die alten Ermittlungsakten, die damals zur Verurteilung von Tobias führten, nach Hinweisen. Schon bald stößt Pia Kirchhoff auf erste Ungereimtheiten. Als auch noch Vernehmungsprotokolle fehlen, ist Pias Misstrauen endgültig geweckt. Doch ihr bleibt nicht mehr viel Zeit, der Wahrheit auf die Spur zu kommen, denn in Altenhain überschlagen sich die Ereignisse. Die siebzehnjährige Amelie, die einer der damals ermordeten Mädchen ähnlich sieht, wird vermisst. Da man sie vor ihrem Verschwinden oft in der Nähe von Tobias Sartorius gesehen hat, steht für die eingeschworene Dorfgemeinschaft der Täter fest. Diesmal wollen sie Tobias nicht so leicht davonkommen lassen....
Dieser Band ist bereits der vierte Fall für Pia Kirchhoff und Oliver von Bodenstein. Da ich vorher noch kein Buch von Nele Neuhaus gelesen habe, war "Schneewittchen muss sterben" mein Einstieg in diese Krimi-Reihe. Normalerweise lese ich Bücherserien lieber in der richtigen Reihenfolge und das ist sicher auch bei dieser Serie empfehlenswert. Dennoch kann man dem aktuellen Fall auch ohne Vorkenntnisse aus den ersten Bänden folgen. Wichtige Hintergrundinformationen zu den Ermittlern sind in die Handlung eingestreut. Das Ermittlerduo, Pia Kirchhoff und Oliver von Bodenstein, wirkt sehr sympathisch und ihre Handlungen glaubhaft und nachvollziehbar. Im Team des Hofheimer K11 kommt es in diesem Band zu einigen Reibereien. Hier fehlt mir natürlich das Hintergrundwissen aus den vorangegangenen Fällen, aber dennoch kann man der Handlung mühelos folgen. Das private Umfeld der Ermittler liefert interessante Nebenhandlungen. Denn Oliver von Bodenstein hat den Verdacht, dass seine Frau ihn betrügt und kann sich dadurch nicht ganz auf die Ermittlungen konzentrieren. Auch in Pia Kirchhoffs Privatleben verläuft nicht alles glatt, dennoch versucht sie von Bodenstein zu unterstützen und den Fall zu lösen.
Das Geschehen wird aus verschiedenen Perspektiven betrachtet. Einen Teil der Handlung nehmen dabei die Ermittlungen, die Reibereien im Team und das Privatleben der Ermittler ein. Durch Tobias Sartorius Rückkehr in sein Heimatdorf, wird man langsam in das gar nicht so idyllischen Dorfleben eingeführt. Schnell wird klar, dass hier ziemlich viele Geheimnisse verborgen sind. Klatsch und Tratsch füllen das Alltagsleben und jeder scheint nur auf seinen eigenen Vorteil bedacht. Doch in der Meinung über Tobias Sartorius sind sich alle einig - ihn gilt es zu vertreiben. Die Protagonisten sind vielschichtig. Sie wirken menschlich und ihre einzelnen Schicksale glaubhaft. Die drohende und aufgeladene Atmosphäre im Dorf ist beim Lesen förmlich spürbar und so wird man in den Bann des spannenden Geschehens gezogen. Langsam lüften sich lange gehütete Geheimnisse. Doch damit ist man der Gesamtlösung noch keinen Schritt näher, denn plötzlich gelangt die nächste Unglaublichkeit ans Tageslicht. Es gelingt der Autorin meisterhaft ihre Fährten auszulegen, sodass man keinen Verdächtigen ausschließen kann.
Krimis gehören zu meiner bevorzugten Leserichtung und deshalb habe ich in diesem Bereich schon einige Exemplare gelesen. Lange hat mich kein Krimi so sehr gefesselt wie dieser. Denn die Handlung ist von Anfang an spannend und durch überraschende Wendungen bleibt diese Spannung bis zur stimmigen Auflösung erhalten. Dabei kommt die Handlung ohne übertriebene Gewalt und größeres Blutvergießen aus. Ich vergebe begeisterte fünf Bewertungssterne und eine klare Leseempfehlung!