Selten viel es schwerer eine Rezension zu schreiben wie bei diesem Buch. So wie die Ladehemmungen beim Lesen, und dies besonders zu Anfang, so ist es auch mit meiner Einstellung zu diesem Werk. Arne Dahl führt uns nicht nur in die dunklen Wälder Schwedens, sondern hauptsächlich in die dunklen Abgründe der menschlichen Seele. Ist die 14-jährige Emily Floodberg Opfer einer Entführung, ist sie einfach nur abgehauen oder wurde sie vielleicht von einem Pädophilen vergewaltigt. Die Sonderermittlungsgruppe um Paul Hjelm tappt lange im Dunkeln, bevor sich dem Team die wahren Abgründe dieses Falles auftun. Parallel dazu ermitteln sie in rätselhaften Mordfällen, wo die Opfer mit durchgeschnittener Kehle aufgefunden werden und in dem Fall eines Mannes, der von seiner Frau als vermisst gemeldet wurde. Als dann noch ein selten archäologischer Fund in Verbindung mit dem verschwundenen Mann ins Spiel kommt, entfaltet sich die Geschichte erst richtig und das Lesen geht leichter von statten. Arne Dahl verstrickt die einzelnen Fäden gegen Ende hin immer enger und umso geschickter zu einem haarsträubenden Kapitel über die Sexualität der menschlichen Rasse sowie deren Abnormitäten und Einflusses auf das Verhalten unserer Spezies. Ein Buch, hauptsächlich über die Tiefen der menschlichen Seele, für Liebhaber dieses Genre quasi ein Muss, wenn meines Erachtens der Anfang (und etwas mehr) doch etwas schleppend voran kommt.
Da es meine erster Arne Dahl Krimi war und ich eigentlich Bücher in diesem Genre mag, werde ich dem Autor noch eine Chance geben!
Eine 14-jährige Schülerin verschwindet bei einer Klassenfahrt in einem kleinem Dorf. Was ist mit ihr passiert? Ist sie weggelaufen, entführt worden oder sogar tot? Wenn sie nicht fortgelaufen ist, muss es einen Verantwortlichen geben und davon gibt es genügend. Denn in dem Dorf haben sich gleich drei Pädophile niedergelassen. Doch wurden zur Zeit des Verschwindens auch drei baltische Autos gesehen. Gibt es vielleicht eine Verbindung zur internationalen Sexmafia? Doch um so länger der Fall dauert, um so undurchsichtiger wird er. Ein Skelett, ein verschwundener Ehemann und ein misteriöser Kerl abgetrenntem kleinen Finger. Was ist in dem kleinen schwedischen Ort nur wirklich passiert?
In seinem Roman "Dunkelziffer" beschäftigt sich Dahl mit einer sehr dunklen Materie. Dem Kindesmissbrauch! Dabei schafft er es in einer beeindruckenden Weise, das Grauen des Missbrauchs aufzuzeigen, ohne dabei die Grenzen des guten Geschmacks zu überschreiten. Übermäßige Gewaltdarstellungen sind nicht vorhanden, so dass niemand sich aufgrund der Thematik vom Lesen abhalten lassen muss.
Dahl hat einen spannenden Erzählstil, der Langeweile kaum aufkommen lässt. Die Sprache ist bildlich und lässt sich leicht lesen.
Leider hat der Autor es verpasst, dem Leser gleich zu Anfang einen packenden Einstieg zu bieten. Nach einer kurzen Spannungperiode, die im Zusammenhang mit dem Verschwinden der Schülerin Emily entsteht, wird durch einen etwas langatmigen Teil ein "Nur-noch-eine-Seite-Gefühl" verhindert. Gleichwohl agiert die Geschichte sonst auf einem hohem Spannungsniveau.
Man merkt dem Buch auch an, dass es Teil einer Reihe ist. Immer wieder werden Anspielungen auf frühere Geschehnisse gemacht, die einem das Gefühl geben, zwar nichts wichtiges verpasst zu haben, aber auch nicht wirklich in der Geschichte zu sein.
Die Geschichte an sich ist vielschichtig und sehr verworren. Da die einzelnen Teile nach und nach verbunden werden, ist die letztendliche Vereinung aller Erzählstränge nicht überraschend und bietet kein sonderliches Aha-Erlebnis. Allerdings kann man der Geschichte auch nicht den Vorwurf machen, vorhersehbar zu sein, was bei Krimis/Thrillern ein erhebliches Manko darstellen würde.
Fazit: Arne Dahl hat mit "Dunkelziffer" ein Buch geschaffen, dass lesenswert ist. Ich persönlich würde zwar jedem empfehlen zunächst die ersten Bücher der Reihe zu lesen, da man so besser in die Geschichte eintauchen kann, notwendig ist dies aber nicht. Mich konnte Dahl immer wieder in den Bann ziehen. Ein unbedingtes Lesemuss empfand ich aber nicht, da die Geschichte aufgrund der verschiedenen Erzählstränge immer wieder einen neuen Spannungsbogen schlägt. Ich fand die Geschichte leider teilweise etwas konstruiert. Zum Großteil überzeugt "Dunkelziffer" durch Realismus, ein Erzählstrang ist für mich aber so unrealistisch, dass er die Geschichte leider nach unten zieht. Dies und der langatmige Einstieg sorgen dafür, dass ich das Buch nicht besser als "gut" bewerten kann.
Die 14-jährige Emily Flodberg verschwindet während einer Klassenreise spurlos in den Wäldern Ångermanlands. Die sofortige Suchaktion durch Lehrer, Begleitpersonen und Schüler verläuft ergebnislos. Da drei verurteilte Pädophile in der Nähe wohnen und Fahrzeuge mit baltischen Kennzeichen zum Zeitpunkt von Emilys Verschwinden im Waldgebiet gesichtet wurden, landet der Fall bei der A-Gruppe der Stockholmer Reichskriminalpolizei. Diese Sondereinheit befasst sich mit Gewaltverbrechen von internationalem Charakter. Obwohl Emily Flodberg noch nicht lange vermisst wird, beginnt die Sondereinheit mit den Ermittlungen. Die im Suchgebiet beheimateten Pädophilen geraten dabei besonders ins Visier. Dass einer der Verurteilten ebenfalls verschwunden ist, scheint die Befürchtungen der Polizei zu bestätigen. Fieberhaft wird nach diesem Mann gefahndet, doch als er schließlich gefunden wird, kann er keine Aussage mehr machen, denn seine Kehle wurde mit einer Klaviersaite durchtrennt. Von Emily Flodberg fehlt weiterhin jede Spur.
Emilys Mutter scheint vom Verschwinden der Tochter nicht besonders berührt zu sein. Über das Leben ihrer Teenagertochter weiß sie so gut wie nichts und somit kann sie der Polizei keine brauchbaren Hinweise liefern. Die teure Wohnung, die in keinem Verhältnis zu den Einkünften der Mutter steht, weckt den kriminalistischen Spürsinn von Kerstin Holm. Richtige Freunde scheint es in Emilys Leben nicht zu geben. Ihre Freizeit verbrachte sie hauptsächlich vor dem Computer in ihrem Zimmer. Um ein genaueres Bild von Emily zu bekommen, stellt die Polizei den Computer sicher. Doch für den heimischen Gebrauch einer vierzehnjährigen Schülerin ist das System überraschend gut vor unerlaubtem Zugriff gesichert. Nur den Computer-Experten gelingt es, die Daten auf Emilys Computer abzurufen. Das Ergebnis wirft ein ganz anderes Licht auf ihr Verschwinden und die Sondereinheit ahnt bereits, dass noch viel mehr hinter diesem Fall steckt....
Es handelt sich bereits um den achten Fall der Stockholmer Spezialeinheit. Um einen vollständigen Überblick über die zwischenmenschlichen Beziehungen innerhalb der A-Gruppe, private und berufliche Hintergründe der Mitglieder und bereits abgeschlossene Fälle zu bekommen, empfiehlt sich natürlich die Lektüre der vorangegangenen Fälle. Denn mit diesem Hintergrundwissen fällt der Einstieg in die Handlung sicher bedeutend leichter. Ich selbst habe leider nicht die gesamte Serie verfolgt, sondern bisher nur den siebten Fall "Totenmesse" gelesen. Da die Bände in sich abgeschlossen sind, kann aber durchaus jeder Fall separat gelesen werden.
Arne Dahl verwendet auch in diesem Fall verschiedene Handlungsstränge, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben und zunächst verwirrend erscheinen. Dennoch ist die Handlung spannend und verführt zum Weiterlesen, da man unbedingt erfahren möchte, was hinter dem Verschwinden der 14-jährigen Emily steckt, wie die dort wohnenden Pädophilen ins Bild passen und welchen Hintergrund der Mord mit der Klaviersaite hat. Die Einsicht in die Denkweise eines Pädophilen und seine Aussagen der Polizei gegenüber, lösen beim Lesen Ungläubigkeit, Wut und Betroffenheit aus und regen sehr zum Nachdenken an.
Die Fahrzeuge mit den baltischen Kennzeichen geben zusätzliche Rätsel auf und auch der Elektriker Steffe Willner, der versucht einen bei Ausgrabungen entdeckten Sarg an geheimnisvolle Auftraggeber zu verkaufen, scheint nicht recht ins Bild zu passen. Dennoch schafft es Arne Dahl, die losen Handlungsfäden miteinander zu verbinden und zu einem gelungenen und stimmigen Abschluss zu kommen. Durch die verschiedenen Blickwinkel auf die Handlung, bleibt der Krimi bis zum Schluss sehr spannend. Das Ende ist kaum vorhersehbar und liefert schlagartig die verborgenen Zusammenhänge. Obwohl der Fall abgeschlossen ist, lassen mich die spannenden Finalszenen ungeduldig auf die Fortsetzung dieser Krimiserie warten.
Die Suche nach der jungen Emily gestaltet sich für das A-Team als sehr schwierig. Das Umfeld des Mädchens, seine Klassenkameraden und Lehrer können der Polizei keine besonders hilfreichen Hinweise geben und so stochern die Ermittler lange Zeit im Dunkeln.
Schliesslich tut sich eine Internetspur auf und die schlimmsten Befürchtungen scheinen wahr zu werden.
Mir hat dieser Krimi von Arne Dahl nicht besonders gut gefallen. Durch die vielen Protagonisten und die unzähligen Handlungsstränge war für mich kein richtiger "Fluss" in der Geschichte. Die düstere Stimmung und teilweise langatmige, philosophische Diskussionen haben mich regelrecht ausgebremst. Zum Schluss werden die einzelnen Handlungsstränge dann zusammengeführt und es kommt sogar so etwas wie Spannung und Action auf, aber im Grossen und Ganzen bin ich enttäuscht von "Dunkelziffer".
Die Stockholmer Sonderermittlungsgruppe, das A-Team, wird zu Hilfe gerufen, als die 14-jährige Emily bei einer Klassenfahrt im schwedischen Wald verschwindet. Schon bald kommt die Frage auf, warum eine Klassenfahrt ausgerechnet in ein Gebiet führt in dem es von polizeilisch bekannten Pädophilen nur so wimmelt? Wer suchte dieses verlassene Gehöft im Wald aus? Und, wenn Emily einem Verbrechen zu Opfer fiel, warum nahm sie ihr Tagebuch und ihr Handy mit? Emilys Mutter fand keinen rechten Zugang zu ihrer schwierigen Tochter, Freundschaften gab es auch keine. Ein besonderes Augenmerk richtet sich schon bald auf das Internet. Ein groß angelegter Pädophilenring treibt sein Unwesen. Arne Dahl schreibt mit einer Spannung, die unter die Haut geht. Auch wenn die pädophilen Neigungen nicht im Einzelnen beschrieben werden, so reicht schon der Gedanke daran, dass es einem kalt den Rücken runterläuft. Die gesamte Handlung ist von Sexualität gekennzeichnet, auch die Beamten der Ermittlergruppe haben ihre eigenen Erfahrungen damit gemacht. In immer wiederkehrenden Rückblenden wird es angedeutet. Wenn man - wie ich - zum ersten Mal ein Buch des A-Teams liest, fällt es schwer, die Hintergründe der handelnden Polizeibeamten zu erfassen. Genauso viel Raum wie für die Ermittlung des Falles wird den Personen der Ermittlungsgruppe eingeräumt. Diese Rückblenden sind für mich sehr verwirrend, eine Bereicherung sind sie wahrscheinlich nur für eifrige Serienleser des A-Teams. Die Art der polizeilichen Ermittlungsarbeit ist sehr unkonventionell. Durch ihre Eigenbrödelei und Alleingänge ergeben sich erst gefährliche Situationen. Auch einige Vernehmungen entsprechen nicht polizeilichen Richtlinien. Es ergibt sich die Frage, wieweit eine Vernehmung gehen darf um Informationen zur Rettung von Menschenleben zu erhalten. Ist Selbstjustiz zur Bestrafung von Pädophilen gerechtfertig? Die Handlung findet nur in Schweden statt, Schweden untereinander sprechen miteinander. Dennoch wurde in der Übersetzung in den meisten Fällen das "Sie" benutzt. Das ist schade, das typisch schwedische wurde damit aus der Geschichte genommen. Ein besonderes Lob geht jedoch an die Titelwahl und das Buchcover. Ohne die Inhaltsangabe zu lesen, erkennt man sofort worum es in diesem Krimi geht.
Ein 14 jähriges Mädchen, Emily, verschwindet spurlos bei einer Klassenfahrt, im Umkreis der Unterkunft der Schüler leben überdurchschnittlich viele aktenkundige und bereits verurteilte Pädophile. Emily lebt allein mit ihrer Mutter und beide scheinen, auf den zweiten Blick, Geheimnisse zu haben.
Die Ermittler, das Stockholmer A-Team, ermitteln hier zum achten Mal. Nur kurze Zeit nach dem Verschwinden des Mädchens sind sie vor Ort, aber außer drei baltischen Autos und den im Umkreis lebenden Pädophilen gibt es keine wirklich heiße Spur.
Ein "archäologischer" Leichenfund mit einer kleinen Besonderheit, der an eine Geheimgesellschaft verkauft wird und das seltsame Tun dieses Geheimbundes werden ebenso thematisiert wie die Lebensgeschichten der Ermittler.
Parallel tauchen noch Leichen auf, die mit einer Klaviersaite stranguliert (und fast enthauptet) wurden.
Alle Fäden laufen im Internet zusammen, wo sich Gut wie Böse tummeln...
Meine Meinung:
Ein spannender Schweden-Krimi, der Achte von Arne Dahl über das Stockholmer "A-Team". Es ist nicht unbedingt notwendig die anderen Bücher gelesen zu haben, aber es ist von Vorteil, denn ich glaube, dass die vielen unterschiedlichen Ermittlerpersönlichkeiten in ihrem Facettenreichtum leichter zu verstehen sind, wenn man schon über sie gelesen hat. Gut zu Lesen, die verschiedenen Handlungsstränge und Perspektiven bauen Spannung auf, passen anfangs nicht wirklich zusammen und laufen dann zum Ende hin zusammen. Positiv finde ich, dass das Thema Pädophilie nicht zu detailliert und reißerisch, eher sensibel geschildert wird.
Die Story ist gut aufgebaut, vorallem für Leser, die auch gerne die Geschichte der Ermittler verfolgen. Die Charaktere werden in ihrer Art gut herausgearbeitet, sind nicht 08/15 und vorallem nicht perfekt.
Ein Buch mit aktuellem Bezug, das Internet als "straffreier Raum", wo sich geschützt durch Anonymität, menschliche Abgründe auftun. Der ewige Kampf zwischen "Gut" und "Böse", doch wo beginnt "Gut" böse zu werden.
Das Ende lässt hoffen, dass es auch einen neunten Fall geben könnte.
Kurz vor Mittsommer reist eine 7. Schulklasse nach Saltbacken in Nordschweden. Eines Mittags ist die 14-jährige Emily spurlos im Wald verschwunden. Die sofort eingeleitete Suche bleibt erfolglos. Da in der Gegend mehrere Fahrzeuge mit baltischem Kennzeichen gesichtet wurden und zudem drei polizeilich bekannte Pädophile in dieser Gegend wohnen, wird die A-Gruppe um Kerstin Holm eingeschaltet. Drei Mitglieder des Teams reisen vor Ort, die anderen versuchen von Stockholm aus, den Fall zu lösen. Emily bleibt unauffindbar und schon bald stellt sich heraus, dass sie ein dunkles Geheimnis hütet.
Arne Dahl beginnt seinen Krimi etwas ungewöhnlich, nämlich mit den Zeugenaussagen der befragten Schüler, Eltern und Lehrer von Emily. So erfährt man mit ihren Worten etwas von dem Verschwinden von Emily und ist somit gleich auf demselben Sachstand wie die A-Gruppe. Neben dem Handlungsstrang um das Verschwinden der Schülerin sind zusätzlich noch weitere Erzählstränge mit eingebunden, die so scheinbar gar nichts mit dem aktuellen Fall zu tun haben. So ist z. Bsp. auch Paul Hjelm in eine interne Ermittlung involviert und erst mit der Zeit kristallisiert sich heraus, wie diese mit der eigentlichen Handlung in Verbindung steht.
Der Krimi ist somit von Anfang an sehr komplex angelegt und erst so nach und nach finden die scheinbar losen Fäden zu einem Fall zusammen, der zum Schluss schlüssig gelöst wird. Die hierdurch entstehenden Wendungen, die der Fall mehrmals annimmt, bleibt die Spannung durchweg auf hohem Niveau. Der Schreibstil von Arne Dahl ist gewohnt flüssig, ruhig, nachdenklich und stellenweise auch etwas melancholisch. Das Thema Pädophilie behandelt er sensibel und einfühlsam und beleuchtet es teilweise auch ein wenig aus Sicht der Täter.
Natürlich lässt Arne Dahl auch dem Zwischenmenschlichen wieder viel Raum und so wird das Privatleben der gesamten Mitglieder der A-Gruppe weitererzählt, was jedoch immer wieder geschickt und abwechslungsreich in die Story eingebaut ist und niemals überhandnimmt. Hier ist es zwar ratsam, bereits einige Fälle der A-Gruppe gelesen zu haben, aber selbst für Neueinsteiger sind die Verhältnisse der einzelnen Charaktere zueinander recht schnell zu überblicken.
Alles in allem ein hervorragend komplexer und spannender Krimi, mit gewohnt sensibler Darstellung seiner Protagonisten und einem brisanten Thema.