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Das Familiensparkochbuch ... ernähren nach dem Regelsatz Hartz IV PDF Drucken E-Mail
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Autor/in: Kurt Meier, Uwe Glinka
ISBN-10: 3802537009
ISBN-13: 978-3802537004
Verlag: Vgs
Genre: Kochbuch
Seitenanzahl: 96
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Veröffentlicht in : , Essen und Trinken
Schlüsselworte : kurtmeier, uweglinka
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Geschrieben von Irene Salzmann, am 11-02-2010 20:05,
1. eine sehr gute Idee
Man muss nicht einmal zu den Hartz IV-Empfängern gehören, um gezwungen zu sein, den Euro dreimal umzudrehen. Studenten, alleinerziehende Mütter, Familien mit geringen Einkommen und Rentner leben auch oft an der Armutsgrenze – und das in einem reichen Industrieland. Nachdem Uwe Glinka und Kurt Meier auf breites Interesse stießen mit ihrem „Sparkochbuch“, das sich an Paare wendet, ließ das „Familien-Sparkochbuch“ nicht lange auf sich warten. 
Wer die Zahlen nicht aus eigener Erfahrung kennt, wird damit schockiert, dass nach den aktuellen Regelsätzen einem Erwachsenen pro Tag EUR 4.43 für Essen und Trinken zustehen, Jugendlichen zwischen 14 und 17 Jahren EUR 3.45 und Kindern zwischen 6 und 13 Jahren EUR 3.10.  
Wer mit so wenig Geld auskommen muss, kann nur in den günstigsten Discountern einkaufen, muss auf Sonderangebote achten und sich alles verkneifen, was ‚Luxus’ ist wie eine Tafel Schokolade, eine Tüte Chips, ein Gläschen Wein oder gar ein schneller Abstecher zur Imbiss-Bude. Alles, was nicht zum Grundbedarf gehört, ist nicht erlaubt, denn der Betrag fehlt dann schon wieder an anderer Stelle. 
 
Um aufzuzeigen, dass man sich und seine Familie dennoch ausgewogen, abwechslungsreich und schmackhaft ernähren kann, sammelten die Autoren Rezepte, wobei sich die Vorschläge der Landfrauenvereine besonders bewährt haben, verglichen bei den Discountern die Preise und stellten Vorschläge für Frühstück, Mittagessen und Abendessen für eine vierköpfige Familie zusammen, die preislich noch unter dem Tagessatz liegen. Hoffentlich kommt die Regierung nun nicht auf die Idee, die Bezüge zu kürzen, wenn man sogar mit noch weniger auskommen kann … 
Zum Frühstück und Abendessen muss man nicht viel sagen. Die Anregungen sind immer ähnlich: Brot oder Brötchen, Wurst oder Käse, Butter oder Margarine, ein süßer oder pikanter Aufstrich, Gemüse/Salat oder Obst/Süßspeise, dazu ein Getränk wie Milch, Kaffe, Tee. Die Scheiben sind abgezählt, der Belag ist bis aufs Gramm abgewogen, die Kosten stehen neben jeder einzelnen Position. Wer ein starker Esser ist, kann bei dieser knappen Kalkulation nur hoffen, dass ein anderer etwas übrig lässt. 
Für das Mittagessen gibt es einen genauen Einkaufszettel und in einem rosa Feld die Kochanleitung. Die vorgeschlagenen Speisen sind überwiegend deftig, der bürgerlichen Küche zuzuordnen und in der nördlichen Hälfte Deutschlands beheimatet; hin und wieder gibt es auch Blicke in die Töpfe der Nachbarländer.  
 
Hier einige Beispiele aus den Rubriken „Gerichte mit Fleisch“, „Gerichte ohne Fleisch“, „Gerichte mit Fisch“, „Suppen“, „Eintöpfe“ „Salate als Beilage“ und „Nachspeisen“:  
„Geseker Zwiebelrostbraten mit Rotkohl“, „Deftiger Kartoffel-Ofenkuchen“, „Schnippelbohnen mit Kartoffeln“, „Königsberger Klopse nach Landfrauenart“, „Kartoffel-Blumenkohl-Gratin“, „Frankfurter Grüne Soße mit Ei“, „Vegetarische Frühlingsnudeln“, „Kartoffelpfanne ‚Uppsala’ mit Spiegelei“, „Seelachs auf Gemüsenudeln“, „Fischfrikadellen in Gurken-Paprika-Soße“, „Friesische Gulaschsuppe“, „Aalborger Gemüsegarten-Suppe“, „Geester Möhreneintopf“, „Hamburger ‚Schnüsch’ mit Würstchen“, „Leonberger Radieschensalat“, „Möhren-Orangen-Salat“, „Zitronencreme“, „Oma Annis Milchreis“ u. v. m. 
Nicht zu finden sind Kuchen und Gebäck.  
 
Wer Familie hat, weiß, wie schwierig es ist, etwas zu kochen, das allen schmeckt. Ist das Budget arg begrenzt, wird das Problem noch größer. 
Von daher sollte man das „Familien-Sparkochbuch“ mit 85 Rezepten als Anregung sehen, mal etwas Neues auszuprobieren, Vorschläge abzuwandeln und eigene Ideen zu sammeln.  
Ausgehen kann man beispielsweise vom „Hackfleisch-Brokkoli- Auflauf“: 
1 kg Brokkoli in Salzwasser aufkochen, vom Herd nehmen und im heißen Wasser stehen lassen. 150 g Zwiebeln fein hacken und in 4 EL Speiseöl glasig schwitzen. 600 g gem. Hackfleisch hinzufügen und unter Rühen anbraten. 1 Bd. Schnittlauch in Röllchen hinzufügen. 2 TL Instantbrühe in 300 ml Wasser auflösen, mit dem Fleisch aufkochen lassen und mit 50 g Soßenbinder andicken. Mit Salz und Pfeffer abschmecken. Hackfleisch in eine gefettete Auflaufform geben, abgetropften Brokkoli darüber verteilen, mit 200 g ger. Käse bestreuen und 10 min bei 200°C im Ofen backen. Dazu: Mineralwasser. 
Statt TK-Brokkoli kann man während der Saison auch frischen nehmen, den es dann günstig gibt. Wer ihn nicht mag, ersetzt ihn durch anderes Saison-Gemüse. An die Stelle von Hackfleisch können Fleischreste, Kartoffeln oder Nudeln treten. Dass der Brokkoli im Wasser liegen bleibt, ist nicht zu empfehlen, da auf diese Weise die Nährstoffe ausgeschwemmt werden. In dem Fall sollte man wenigstens das Kochwasser zum Anrühren der Brühe verwenden. 
 
Eine Patentlösung bietet das „Familien-Sparkochbuch“ natürlich nicht. Jeder muss schon selber versuchen, mit dem bisschen Geld hauszuhalten, indem z. B. der Speiseplan für eine ganze Woche erstellt wird, man mit Einkaufsliste in die Läden geht und gezielt das Notwendige, aber keine Lockangebote oder Fertiggerichte kauft, man ein Haushaltsbuch führt. Auch hilfreich ist zu wissen, wann welche Gemüse- und Obstsorten Saison haben und günstig angeboten werden. Kurz vor Schließung des Wochenmarkts bekommt man manches preiswerter. Auf Sonderangebote und die Resteverwertung kann man beim Zusammenstellen des Speiseplans achten. 
Problematisch ist weiterhin, dass nicht jeder in einer Stadt wohnt und den Discounter um die Ecke hat. ‚Tante Emma’ verlangt mehr, bzw., kommen Fahrkosten (Auto, Öffentliche) hinzu, verteuern sich die Lebensmittel. Der ständige Kauf abgepackter/behandelter statt frischer Waren kann langfristig die Gesundheit beeinträchtigen.  
Wünschenswert wäre zudem, dass im „Familien-Sparkochbuch“ bei jedem Rezept auch an die Weiterverwendung der angebrochenen Packungen gedacht wird (vielleicht ein Querverweis zu ein oder zwei anderen Rezepten?) – das fehlt leider auch diesmal wieder. 
 
Alles in allem ist „Das Familien-Sparkochbuch“ eine sehr gute Idee, die gewiss viel Zuspruch finden wird. Freilich kann es keine Lösung für die großen und kleinen Wünsche des Einzelnen bieten, aber es regt auf jeden Fall dazu an, selber die Initiative zu ergreifen und das Beste aus der (Not-) Situation zu machen. (IS)
 
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