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Interview mit Olga A. Krouk PDF Drucken E-Mail
Autoren-Interviews

Im Januar 2010 hat Tanja Asmus via Mail ein Interview mit Olga A. Krouk geführt.

Olga A. Krouk, 1981 in Moskau geboren, zog als Kind in die Ukraine und später nach St. Petersburg, wo sie als Jugendliche erste Geschichten schrieb. 2001 ging sie – den Kopf voller Romanideen – nach Berlin. Heute lebt die Autorin in Schleswig-Holstein und erzählt dunkle Geschichten über Hamburg.


Rezensenten.de: Liebe Olga, Danke das Du Zeit gefunden hast für unser Interview. Bitte erzähle doch unseren Lesern ein wenig über Dich.

Olga A. Krouk: Das ist eine Frage, die ich meistens zu umgehen versuche, weil es unheimlich schwer ist, etwas über sich selbst zu erzählen, dazu noch so allgemein. Denn was für mich von Bedeutung ist, was ich als eine wichtige Wendung in meinem Leben empfinde, muss nicht unbedingt auch für Unbeteiligte interessant sein. Und wenn ich hier bloß meine Vita wiedergebe, bringt das nicht viel. Außerdem finde ich, dass man einen Autor durch seine Bücher kennenlernen sollte, gerade sie sind für die Leser interessant, nicht die Personalien ihres Verfassers.


Rezensenten.de: Wie bist Du zum Schreiben gekommen?

Olga A. Krouk: Durch das viele Lesen, das meine Fantasie beflügelt hat. Ich habe angefangen, mir Fortsetzungen zu meinen Lieblingsbüchern auszudenken oder ein Ende in Gedanken verändern, wenn es mir nicht gefiel.
Als ich 2001 nach Deutschland gekommen bin, habe ich viel auf Deutsch gelesen. Unter anderem sind mir Mystery-Heftromane in die Hände gefallen. Ohne zu wissen, dass Heftromane eigenen – sehr strengen - Regeln folgen, habe ich mir gedacht: So eine Story kannst du doch auch erzählen, so schwer kann das nicht sein.
Wie schwer das in Wirklichkeit ist, habe ich begriffen, erst nachdem ich mehr Erfahrung im Schreiben gesammelt habe.


Rezensenten.de: Du hast mit „Schattenseelen“ den Grundstein zu einer Trilogie gelegt. Kannst Du uns kurz erklären, worum es geht?

Olga A. Krouk: „Schattenseelen“ ist ein Fantasy-Thriller mit einer Liebesgeschichte. Die Krankenschwester Evelyn wird aus ihrem Alltag herausgerissen und muss ihre ganze Weltvorstellung überdenken. Denn plötzlich wird sie mit mystischen Wesen konfrontiert: Nachzehrern, die durch einen Hexenfluch entstehen und den Menschen die Lebensenergie nehmen müssen, und den Metamorphen, die sich geistig mit ihren Seelentieren verbinden können. Durch diesen Umstand wird Evelyn praktisch der Boden unter den Füßen weggerissen, sie weiß nicht mehr, wer sie wirklich ist und wohin sie gehört. Verständlich, wenn sie nach einem festen Fels in dieser turbulenten Zeit sucht. Wer wird es sein? Der Nachzehrer Adrián, zu dem sie sich – anfangs rein körperlich – wegen eines magischen Bandes hingezogen fühlt? Oder der Metamorph Kilian, der ihrem Duft nicht widerstehen kann?

Recht bald versteht sie, dass kein magisches Band und kein Duft die wahre, ewige Liebe garantieren können. So eine Liebe folgt eben ihren eigenen Gesetzen.
Es geht hier also nicht um die übliche Romanze, die man in vielen Büchern dieses Genres findet. Die Liebesgeschichte ist hier verwickelter, schwieriger und in vielerlei Hinsicht dramatischer.


Rezensenten.de: Auf dem deutschen Buchmarkt kann man sehen, dass Vampirromane ganz vorne auf den Bestsellerlisten zu finden sind. Wieso hast Du dich für Wesen wie Nachzehrer und Metamorphe entschieden?

Olga A. Krouk: Natürlich hätte die Geschichte auch mit Vampiren und Gestaltwandlern funktioniert, aber das wäre schon eine etwas andere Geschichte. Außerdem weiß man inzwischen so gut wie alles über diese Spezies. So habe ich mich auf die Suche nach anderen, unbekannteren Mythen gemacht und wurde fündig. Inzwischen denke ich, diese Mühen haben sich gelohnt und die Nachzehrer bereichern diese Geschichte. Sie passen perfekt in das Konstrukt.

Dabei haben beide Wesensarten ihre positiven und negativen Seiten. Nachzehrer sind keine Kuschelvampire, die nur Tierblut trinken. Nein, sie töten Menschen, sie haben gar keine andere Wahl. Das ist hässlich, aber ein Fluch ist nun einmal ein Fluch und kein schöner Vorwand, um bei den Damen mit der mystischen Seite zu punkten.
Metamorphe haben eine innige Bindung zu ihren Seelentieren. Doch nicht alle stellen sich die Frage, was sie bei diesen Verschmelzungen den Tieren antun. Ob das legitim ist, ein Lebewesen auf so eine Weise auszunutzen.
Jede Medaille hat nun mal zwei Seiten.


Rezensenten.de: Im späten Mittelalter spukten Nachzehrer tatsächlich in den Köpfen der Menschen. Man kann über diesen Aberglauben nur sehr wenig Informationen finden. Wie hast Du recherchiert und woher kennst Du diese Mythologie?

Olga A. Krouk: Im Internet findet man heutzutage fast alles 
Außerdem besteht doch der Reiz gerade darin, die tatsächlichen Fakten mit der eigenen Fantasie zu verbinden. Gemäß der Mythen bleiben die Nachzehrer zum Beispiel immer im Grab, sie verlassen den Sarg nie. Bei mir bleibt nur die Leiche zurück und der Nachzehrer kommt in Form eines Wiedergängers, eines Geistes, auf die Welt. Bis er dann genug Lebensenergie aufgesammelt hat, um sich zu materialisieren. Als Fantasy-Autor hat man also einige Freiheiten. Allerdings muss man umso genauer aufpassen, dass sich jede Idee plastisch in die erfundene Welt einfügt.


Rezensenten.de: Du hast als Schauplatz deine Heimatstadt Hamburg genommen. Wie wichtig ist es für Dich als Autorin mit deinem Werk in Deutschland zu bleiben und wie identisch ist dein Hamburg mit dem echten Hamburg?

Olga A. Krouk: Ich bin der Meinung, dass auch Deutschland viele geheimnisvolle Orte bietet, man sollte nur genau hinschauen. Es muss also nicht immer die USA sein, um den Leser in ein geheimnisvolles, actionreiches Abenteuer zu entführen.

In „Schattenseelen“ war mir die mystische Seite Hamburgs wichtig, so spielen der ehemalige Pesthof und seine Katakomben, die bis zur heutigen Zeit in den Kellern einiger Häuser existieren, eine wichtige Rolle. Hamburg empfinde ich als eine sehr lebendige Stadt, so dass sie schon fast eine eigene Figur im Roman ist. In der gesamten Trilogie wird sich auch Hamburg weiter entwickeln, mehr von seinem Gesicht zeigen. Doch wer darin Postkarten-Schauplätze erwartet, wird enttäuscht. „Schattenseelen“ ist kein Reiseführer durch die Hansestadt.


Rezensenten.de: Deine Protagonisten haben alle etwas Gutes und Böses an sich. Der Leser wird in der Geschichte von einer Seite zur Nächsten mitgenommen und hat die Entscheidungsqual. Dies war auch schon bei Deinem Debüt Staub zu Staub so…..

Olga A. Krouk: Mir ist wichtig, auch Grautöne zu zeigen und die Figuren nicht in Schubladen zu stecken. Sie bekommen keine Waschzettel von mir verpasst, sondern entwickeln sich aus den Situationen heraus. Dabei zeigen sie nicht sofort ihr wahres Gesicht.
Schließlich ist das auch im realen Leben so: Man trifft jemanden, man macht sich einen Eindruck (ohne dass man von dieser Person ihre ganze Lebensgeschichte kennt), aber ob derjenige wirklich so ist, wie man ihn sich vorstellt, kann nur eine andere Situation zeigen.
Der Leser soll selbst entscheiden, wen er mag und wen nicht. Und vieles erfährt man bei mir auch zwischen den Zeilen.


Rezensenten.de: Gibt es Autoren die Dich für deine Werke inspirieren?

Olga A. Krouk: Nein, vom Inspirieren kann man hier nicht reden. Auch wenn ich natürlich viel aus den Büchern, die ich lese, mitnehme, um mich weiterentwickeln. Außerdem ist Inspiration immer etwas sehr unbewusstes. Wer weiß schon, welcher Satz mich zu welchen Gedanken gebracht hat.


Rezensenten.de: Wie wird es weitergehen, Was erwartet die Leser 2010 von Olga A. Krouk?

Olga A. Krouk: Im Sommer kommt auf jeden Fall der 2. Band der Trilogie: „Nachtseelen“. Darin wird es um den Metamorphen Finn gehen, der bereits in „Schattenseelen“ eine wichtige Rolle gespielt hat. Das, was er im 1. Band getan hat, bleibt natürlich nicht ohne Konsequenzen. Und dann bringt er auch noch die Frau, die er liebt und die die Wahrheit über ihn noch gar nicht kennt, in Gefahr. Obwohl man glauben könnte, „Nachtseelen“ sei eine eigenständige Geschichte, ist der Roman sehr stark mit dem 1. Teil verbunden. So erfährt man natürlich auch, wie es mit Evelyn weitergeht, was die Hexe Oya plant und warum die Metamorph-Königin Linnea das Grab mit der Inschrift „Conrad Wensley“ pflegt.


Rezensenten.de: Das hört sich Vielversprechend an. Danke das du Dir Zeit für unsere Leser genommen hast!


Das Interview unterliegt dem Copyright. Die weitere Verbreitung ist nur mit der schriftlichen Zustimmung von Olga A. Krouk oder Tanja Asmus ( Rezensenten.de) erlaubt.



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