Irgendwo in Afghanistan liegt ein in einem ansonsten leeren Zimmer auf einer Matratze, ein Infusi-onsschlauch führt zu ihm und seine Augen blicken ins Leere. Seine Frau gibt ihm Tropfen in die Au-gen, wäscht ihn, betet. Draußen fallen ab und zu Schüsse. Die Frau beginnt zu erzählen, was sie ihm sonst nie erzählt hätte, aber nun liegt er regungslos da. Sie erzählt von ihrer Kindheit, von der Verlobungszeit mit ihm, die drei Jahre dauerte, da er nicht da war. Dass sie nur mit seinem Vater reden konnte. Von der Ehe mit ihm, wie es für sie war, was sie für ihn empfand und empfindet und von anderen Geheimnissen. Er ist ihr Stein der Geduld. Der Stein der Geduld, der, wie die Sage erzählt, explodiert, wenn er genug Leid und Sünden aufgenommen hat. Atiq Rahimi schreibt kurz und prägnant, keine Schnörkel, oder abschweifende Gedanken, Interpretationen. Nur die Frau, ihre Rede zu ihrem im Koma liegenden Mann. Das Ende, anders als erwartet? Doch vielleicht ist es richtig so, denn wie kann man so leben. Was für eine bedrückende Stimmung in der sich Fanatismus und Wahnsinn nur allzu leicht entwi-ckeln können. Allein das Coverbild sagt vieles, finde ich. Ein anderer Roman, der schwer zu beschreiben ist und einen bleibenden Eindruck hinterlässt.