Glückliche Ehe PDF Drucken E-Mail
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Autor/in: Rafael Yglesias
ISBN-10: 3608937072
ISBN-13: 978-3608937077
Verlag: Klett-Cotta
Genre: Belletristik
Seitenanzahl: 427
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Veröffentlicht in : , Belletristik
Schlüsselworte : rafaelyglesias
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Benutzerkommentare (6) RSS feed Kommentar
Geschrieben von Mrs.Wonder, am 12-06-2010 18:10,
1. Zwei Seiten einer Ehe
"Glückliche Ehe" zeigt das Leben des jüdischen Paares Enrique und Margaret. Einerseits werden die glücklichen, andererseits aber auch die unglücklichen Seiten ihres Ehelebens beschrieben. Enrique erzählt von ihrem Kennenlernen bis hin zur Hochzeit und zur Geburt ihrer zwei Söhne, was hauptsächlich die guten Seiten der Ehe sind, diese werden jedoch von seiner geheimen und nie ans Licht kommenenden Affäre, leicht überschattet. Die Schattenseite seiner Ehe ist der letzte Lebensabschnitt seiner Ehefrau Margaret die unter einem metastasierendem Blasenkarzinom leidet, unter dem sie dann auch stirbt. Er beschreibt auf faszinierdende Art ihr junges Glück und das harte Leben mit einer krebskranken und sterbenden Frau. 
 
Eigentlich sollte man davon ausgehen, dass ein Mann der beide Seiten dieses Ehelebens übersteht und dann noch die Kraft hat, seine Frau bis zum Tode zu pflegen und ihr alle Wünsche zu erfüllen, der Held sein müsste, jedoch wird sein Charakter durch Egoismus und Zynismus geprägt und macht es daher nicht leicht mitfühlend mit ihm zu sein. Andererseits, wenn man seinen Äußerungen zu seiner Frau glauben kann (die jedoch subjektiv sind), muss Enrique es mit einer starken, emanzipierten und gefühlskalten Ehfrau zu tun gehabt haben. 
 
Es ist sehr schwierig über dieses Buch zu urteilen. Der Hauptcharakter erscheint auf den ersten Blick zwar unsympatisch, jedoch kann man seine Handlungen und Gefühle gut nachvollziehen, wenn man erst über seine eigentliche Lage gründlich nachgedacht hat. Das Buch regt an nach zu denken und macht bewusst wie wichtig die Entscheidung zur Ehe ist.
 
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Geschrieben von sternthaler75, am 06-06-2010 17:06,
2. In guten wie in schlechten Zeiten
Lassen Sie es auf sich wirken... denn das, was Sie gerade gelesen haben, kann man nicht einfach so hinter sich lassen. Vielleicht tut es weh, aber das ist in Ordnung. So ist nun mal das Leben, wird jetzt jemand denken. Ja, so ist es auch. Aber man darf es nicht verdrängen, das Sterben, denn auch das gehört zum Leben.  
 
Im Wechsel beschreibt uns Rafael Yglesias das Leben und das Sterben von Margaret, Enriques Frau. Wir lernen die beiden kennen; Enrique, der Schulabbrecher und Romanschreiber; Margaret, die Frau mit den wundervollsten blauen Augen dieser Welt. Im Laufe ihres gemeinsamen Lebens kommen zwei Söhne hinzu. Und wir erfahren nicht nur die guten Zeiten. Nein, es gibt auch schlechte Zeiten, die es zu bewältigen gilt. Und dann erkrankt Margaret an Blasenkrebs. 
 
Zuhause sterben, das ist der letzte Wunsch, den Margaret nun noch hat. Und Enrique erfüllt ihr diesen Wunsch. Es ist nicht einfach, doch er nimmt alle Hürden, organisiert letzte Besuche, kümmert sich um die Beerdigung. Er würde auch gern in Ruhe mit seiner Frau etwas Zeit verbringen, um sich zu verabschieden, doch dazu bleibt ihm leider keine Gelegenheit mehr, zumindest nicht so, wie er es sich gewünscht hätte. 
 
Es machte mich traurig, nicht erst am Ende, manches entlockte mir die Tränen einfach so, mittendrin. Einiges ist so gefühlvoll beschrieben, dass mir auch hier die Augen überliefen. Voller Emotionen, mit Liebe zum Detail, realistisch und gut recherchiert, so gibt Yglesias seine eigenen Erfahrungen hier zu Papier. Und es ist ihm gelungen, dass ich dieses Buch mit gutem Gewissen weiter empfehlen kann.
 
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Geschrieben von Rennie, am 24-01-2010 11:17,
3. Der Funke sprang nicht über
Der Roman soll die Geschichte einer glücklichen Ehe wieder geben, zumindest so, wie der Autor sie sieht und obwohl mir bewusst ist, dass Yglesias mit diesem Roman wohl einen Teil seiner eigenen Lebensgeschichte verarbeitet hat, muss ich leider schreiben, dass es ihm bei mir nicht gelungen ist, mich damit wirklich zu berühren.  
Immer wieder schweift der Autor in vergangene Zeiten ab und das mMn viel zu ausführlich und langatmig. 
Wenn ich gerade begonnen hatte, einen gefühlvollen Bezug zu dem traurigen und eigentlichen Erlebnis, nämlich des Abschiednehmens Enriques von seiner geliebten Ehefrau Margaret, zu finden und mich beim Lesen „fallen zu lassen“, machte der Autor mit langwierigen Rückblenden und für mich unverständlichen Episoden seiner Ehe diesen Aufbau wieder zu Nichte. Unverständlich aus vielerlei Gründen. Seine meisten Erzählungen aus der jüngeren Vergangenheit haben immer wieder deutlich gemacht, dass bei Enrique und Margaret die Ehe schon recht früh ein Fehler gewesen zu sein scheint. So geht Enrique z.B. mit Margarets bester Freundin „fremd“ – und das nicht nur für einen „One-Night-Stand“, sondern über viele Monate hinweg. Er meint plötzlich, in ihr seine große Liebe gefunden zu haben und überlegt sogar zeitweise, seine Frau und seine Kinder für diese Liebe zu verlassen. Auch später kommt es immer wieder zu Rückblenden, die mir nie zu verstehen geben, dass Enrique wirklich in Margaret seine Erfüllung in der Ehe sieht. 
 
Scheinbar haben die beiden letztendlich wohl doch noch zueinander gefunden, denn schließlich steht Enrique seiner Frau gerade die letzten Jahre, nachdem sie von ihrer schweren Krebserkrankung erfährt, stets zur Seite. Aufopferungsvoll pflegt er Margaret und geleitet sie durch ihre schwere Leidenszeit mit der Diagnose, die dann heißt: unheilbar! Ja – er begleitet sie. Ja – er lebt nur noch für sie. Ja – er leidet mit ihr und ja – er geleitet sie bis zu ihrem unausweichlichen Ende.  
Und trotz dieser emotionsgeladenen Erzählungen, kamen mir beim Lesen immer wieder die Abschweifungen und auch der zeitweise Hass von Enrique auf seine Frau in den Sinn. Diese Widersprüchlichkeiten haben mich keinen wirklich gefühlvollen Bezug zu „Glückliche Ehe“ finden lassen, da mir die Differenzen viel zu groß erschienen, als dass ich glauben könnte, es hätte sich zum „Ende“ hin alles in eine wunderbare große Liebesbeziehung verwandelt. Auch wenn mir bewusst ist, was der Autor zu vermitteln versucht, muss ich für mich leider eingestehen: „sorry, aber dieser Funke ist bei mir leider nicht übergesprungen, auch wenn ein langes Miteinander seine Höhen und Tiefen hat.“
 
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Geschrieben von Everett, am 20-01-2010 10:51,
4. Ein gemeinsames Leben
Beginnend mit dem ersten Kennenlernen erzählt Enrique von seiner Beziehung und anschließenden, fast 30 jährigen, Ehe mit Margaret. Jetzt geht die Ehe dem Ende entgegen, denn Margaret hat un-heilbar Krebs und kommt für die letzte Zeit nach Hause. Sie will von ihrer Familie und ihren Freunden Abschied nehmen, sie mag nicht mehr gegen die Krankheit kämpfen. 
Von allem erzählt Enrique, von der Krebsbehandlung, vom Rückfall, vom Margarets Kampf und Qual. Er muss jetzt auf ein Mal vieles alleine entscheiden, so auch welcher Grabplatz genommen wird. Bei vielen Gegebenheiten erinner sich Enrique zurück und erzählt auch Geschehnisse aus der Zeit mit Margaret, den Zweifeln an der Beziehung, den Zweifeln an sich selbst und von den Familienmitgliedern. Er erkennt, wie wichtig ihm seine Frau ist, die ihm Stabilität und Halt gegeben hat. Wie soll er ohne sie weiter durchs Leben gehen? Er möchte ihr noch so viel sagen. 
Eine ergreifende Geschichte vom Sterben einer besonderen Frau. Über die Kraft der Liebe, die beiden Stärke gibt. Eine ruhige Geschichte, die vom Leben handelt und dabei unaufgeregt, aber einfühlsam und eindringlich erzählt wird. Da der Leser von Anfang an das Ende kennt, fehlt in dieser Richtung Hoffnung, Spannung. Trotzdem ist das Ende sehr ergreifend und zeigt, wie man seine Gefühle auch ohne viele Worte ausdrücken kann. 
Die Rückblicke haben mich aber etwas gestört. Die Haupthandlung, also die letzte Zeit von Margaret zu Hause kam für mich etwas zu kurz und dafür nahmen die Rückblicke viel Platz ein. Sicher, für die Erzählung sind sie wichtig, doch sie waren mir zu lang, rissen mich immer wieder aus der einen Erzählung raus. War ich dann in der Vergangenheit angekommen, hatte mich rein gelesen, wurde wieder zur Gegenwart gewechselt. Auf Dauer gefiel mir das nicht. So hätte ich mir etwas mehr Chronologie, weniger, oder kürzere Rückblicke gewünscht. Denn so richtig mitfühlen konnte ich während des gesamtes Buches nicht. Margaret blieb seltsam fremd und auch Enrique kam mir nicht richtig nah. 
Ist die Geschichte wirklich frei erfunden, oder erzählt sie nicht doch autobiografische Teile vom Le-ben des Autors? 
Eine ergreifende Geschichte, die ohne große Dramen auskommt.
 
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Geschrieben von Cabriofahrerin, am 18-01-2010 23:10,
5. Unheilbarer Krebs - welch ein Martyrium!
" Lieferservice" - Kapitel eins des Romans "Glückliche Ehe" 
Die Betitelung passt perfekt zum anschließenden Inhalt. In flapsigem Schreibstil stellt uns der Autor Rafael Yglesias die beiden Freunde Bernhard Weinstein, 25 Jahre, und Enrique Sabas, 21 Jahre, vor. Sie sitzen zusammen in einer Kaffeebar. Bernhard schwärmt von Margaret Cohen, einem hübschen Mädchen mit außergewöhnlichen Qualitäten. Enrique traut Bernhard nicht so recht; er hält die Existenz Margarets für Fiktion. Doch ein Treffen wird arrangiert: "auf seine Bestellung erscheint die Traumfrau, von der er gar nicht gewusst hatte, dass er von ihr träumt". Locker-leicht liest sich der Text. 
"Ahnung" ist - nach dem federleichten ersten Kapitel - ein düsteres und ernsthafteres. Margret und Enrique sind nun 27 Jahre glücklich verheiratet. Sie haben zwei Jungs, Gregory und Max (16 Jahre alt). Die Familie gehört zur oberen Mittelklasse New Yorks und kann ihr Leben sorglos genießen. 
Doch drei Jahre zuvor hat das Schicksal in aller Härte zugeschlagen: Bei Margaret wurde Blasenkrebs diagnostiziert. Seit einem halben Jahr kann sie keine Nahrung mehr aufnehmen. Alle medizinischen Maßnahmen und technischen Möglichkeiten sind erschöpft. Nichts kann mehr helfen. 
Rafael Yglesias beschreibt den Krankheitsverlauf in aller Härte und brutaler Offenheit. Wir sehen Margaret nackt und abgemagert vor uns; ihr Körper ist durchlöchert von den Versorgungsschläuchen. Wir lesen von den vielen Operationen, dem persönlichen Einsatz Enriques, der nahezu rund um die Uhr bei seiner Frau ist. Er hat sie zeitweise gepflegt; nun kann er sie nur noch "in den Armen halten, ermutigen, trösten, aufheitern und lieben". Dabei empfindet er Furcht wie noch nie zuvor. 
Die zeitlebens aktive Margaret nimmt ihre Erkrankung anfangs an. Sie kämpft mit all ihrer Kraft dagegen an. Als alles aussichtslos erscheint, fordert sie Operationen, die die Ärzte kaum noch für sinnvoll erachten. Aber nun am Ende kann sie nicht mehr. Sie bittet ihren Mann: "Ich will sterben. Du musst mir dabei helfen." 
In den "Erinnerungen" setzt sich inhaltlich das vorsichtige Kennenlernen der Beiden bis zur ersten Verabredung fort. So alternieren die weiteren Kapitel: Fokussierung auf den weiteren Leidensweg Margarets im Wechsel mit der weiteren Entwicklung der Beziehung. Diese thematischen Kapitel fand ich zwar teilweise langatmig, aber sie sind wohl als bewusst eingesetztes Stilmittel des Autors zu verstehen: Der Leser kann Luft holen, er kann das Gelesene verarbeiten, Kraft tanken und wieder zu Margaret zurückkehren. 
Das Buch kann man nicht so leicht abschütteln. Es fordert Aufmerksamkeit und Respekt. Da der Tod unausweichlich ist, wird das Lesen für manchen zu einer seelischen Belastungsprobe werden. Ein mutiges Buch.
 
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Geschrieben von Mianna, am 18-01-2010 18:02,
6. Bis das der Tod sie scheidet....
Margaret und Enrique für immer- das scheint abgemachte Sache zu sein. Und so wird es dann auch. Bis zu ihrem, durch Krebs geforderten, Tod verbringen Margaret und Enrique zumeist glückliche Stunden miteinander, aber auch Stunden voller Unzufriedenheit, kleiner Demütigungen, Ärger über den Anderen sind dabei. 
Nach vielen Jahren Ehe hat Enrique seiner krebserkrankten Frau versprechen müssen, ihr dabei zu helfen, in Frieden zu sterben.... 
Der Autor Rafael Yglesias beschreibt in seinem Roman „Glückliche Ehe“ seine nicht perfekte, manchmal ermüdende und glückliche Ehe. Zwei Menschen von „Nebenan“... 
 
Anfänglich erschienen mir die sehr detailreichen Beschreibungen der Personen und verschiedener Situationen, wie der Situation in der Enrique versucht Bernhard dazu zu bringen, ihm die geheimnisvolle Frau vorzustellen, sehr ermüdend und unwichtig. 
Nachdem ich mich daran gewöhnt hatte, viele Informationen zu bekommen die mir so manches Mal unbedeutend und störend vorkamen, kam ich in den Genuss, die Geschichte „mit eigenen Augen“ zu erleben. Abschweifungen waren umso bereichernder, als sie die Geschichte realistisch, lebensecht und für mich fühlbar machten. 
 
Margaret und Enrique könnten meine Freunde sein, deren Geschichte ich immer aus etwas Abstand miterlebt habe, wenn da nicht das Wissen wäre, einen Roman gelesen zu haben... Beide Hauptpersonen wirken auf mich sehr symphatisch und begeistern mich durch ihre jeweilige Art. Da ist einmal der in sich gekehrte, unsichere Enrique, der seinen Impulsen folgt, oder von ihnen überrannt wird und zum Zweiten, die mutige, freche Margarete, mit ihrer Kontrollwut und ihrer Bodenständigkeit. Die Personen dieses Buches sind liebevoll gezeichnet, glaubhaft und umfassend beschrieben. 
Der Autor Rafael Yglesias hat es durch seinen ehrlichen und unverschnörkelten, gut verständlichen Erzählungsstil geschafft, mich mitten in die Geschichte zu „bugsieren“. Mir ist eine gewisse Fremdwortlast, besonders medizinischer Art aufgefallen, die mich aber nicht vom Lesen abhalten konnte. 
 
In mehreren, nummerierten Kapiteln, die alle eine passende Überschrift haben, wird abwechselnd die Vergangenheit und die Gegenwart beschrieben. Angefangen vom ersten Treffen, über die Phase der Verliebtheit, eine Ehekrise, den Alltag miteinander, wird immer wieder von der Margaret erzählt, die sich aufs Sterben vorbereitet und sich verabschiedet von Enrique, der seiner Frau hilft wo er kann... 
 
Die wirklich ergreifende Lebensgeschichte des Autors, mit viel Energie und fühlbarer Echtheit.
 
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