Geschrieben von hrafnaklukka, am 16-02-2010 13:36,
1. Erinnerungen
„Etwas in mir erinnert sich und wird nicht vergessen“ (Grabstein Rosemary Virginia Ashley)
Wer in „Denk an mich in der Nacht“ einen 08-15-Vampirroman vermutet, wird wahrscheinlich enttäuscht sein. Dieses Buch ist der Erstling des Autorin Joanne Harris – und ich finde, man merkt ihm an, das er 20 Jahre in der Schublade geschlummert hat, was ich durchaus positiv sehe, denn er hebt sich sehr erfrischend von der Masse der Urban-Fantasy-Romane ab. Streng genommen handelt es sich noch nicht mal um einen Vampirroman, aber mangels eines richtigen Wortes für diese Kreaturen würde ich sie durchaus als solche bezeichnen. Erzählt werden zwei Geschichten, eine in der Vergangenheit und eine in der Gegenwart, die die Autorin am Ende geschickt miteinander verstrickt. Im Jahr 1947 macht der junge Student Daniel die Bekanntschaft der schönen Rosemary – er rettet sie aus dem Fluß. Er verliebt sie in die mysteriöse Schönheit, doch sie fühlt sich mehr von seinem besten Freund Robert angezogen. Getrieben von Liebe und Eifersucht spioniert er hinter Rosemary her – mit überraschendem Ergebnis. Szenenwechsel: Gegenwart. Die junge Malerin Alice ist seit längerem von Joe getrennt, als er sich unerwartet bei ihr meldet: er sucht eine Bleibe für seine Freundin Ginny, die aus einer Nervenheilanstalt entlassen wird und nicht weiß, wo sie unter kommen kann. Bald kommt ihr einiges an dem Mädchen und ihren Freunden merkwürdig vor, und sie beginnt, ihr nach zu spionieren.
Der Handlungsstrang aus dem Jahr 1947 wird in Tagebuchform von Daniel erzählt, die Gegenwart aus der Erzählperspektive. Geschickt vermischt die Autorin Vergangenheit und Gegenwart zu einem spannenden Roman. Die Idee gefällt mir sehr gut, das Buch lässt sich flüssig lesen, auch wenn es manchmal einige Längen aufweist – die Autorin beschreibt viele Szenen ausführlich, lässt sich aber manchmal zum Schwafeln verleiten. Die Figuren sind sehr interessant, wenn auch manchmal etwas oberflächlich beschrieben, so hätte man beispielsweise aus Alice wesentlich mehr Charakterzüge heraus holen können. Und auch die Liebesbeziehungen wirken eher langweilig als leidenschaftlich, was manche Aktionen der Hauptakteure etwas unglaubwürdig erscheinen lässt. Sehr gut hat mir gefallen, das die Vampir ähnlichen Kreaturen diesmal nicht die großen, strahlenden Helden waren, sondern eindeutig die Bad Guys der Geschichte. Grundsätzlich ist „Denk an mich in der Nacht“ kein schlechter Roman – die Idee ist wirklich gut und passt sich nicht den gängigen Vampirromanen an, er wirkt nur manchmal etwas unausgereift und hakelig. Bedenkenlos weiter empfehlen würde ich ihn nicht – für Freunde ungewöhnlicher Fantasy-Romane eine gute Alternative für zwischendurch, aber sich kein Must have.
Alice, eine erfolglose Malerin, die alleine mit ihren Katzen lebt scheint noch nicht über die Trennung von Joe hinweg. Und als sie ihn mit einer anderen Frau, die noch dazu überirdisch schön ist, in einem Cafe sieht, ist sie zuerst eifersüchtig. Doch irgendetwas scheint mit Joes Freundin Ginny nicht zu stimmen. Als Joe Alice bittet, Ginny für ein paar Tage bei sich aufzunehmen nimmt die Geschichte ihren Lauf...
Die Gestaltung des Umschlages ist wirklich gut gelungen und vermittelt das Bild "vom Wolf im Schafpelz". Das Bild scheint geheimnisvoll und unheimlich, beängstigend, was sich in der Geschichte wiederfindet.
Der Anfang ist spannend erzählt und flüssig zu Lesen. Unheimliche Vorahnungen, gruselige Vermutungen und das unbestimmte Gefühl von Gefahr schweben in der Luft. Die Personen werden unklar umrissen, mit Sprachbildern beschrieben, sodass kein verständlicher Eindruck von ihnen entsteht. Der Anfang lässt jedoch noch viel Hoffnung, besondersim Bezug auf ein gutes Ende...
Bis zum Schluss wird die Erzählung immer verstrickter und undurchsichtiger. Die Personen/ besonders die "Nachtschwärmer", von denen ich am Ende immer noch nicht weiß, wer sie eigentlich sind, sind für mich schwer vorstellbar und kaum zu überblicken. Die Handlung bleibt spannend, lässt mich jedoch immer ratloser zurück. Denn obwohl die Autorin immer wieder Andeutungen auf eine Aufklärung der Ereignisse macht, wird keine von diesen Andeutungen weiter verfolgt. Was ist z.B. mit der Ophelia, die mehrmals erwähnt wird? Was hat es mit dem Jahrmarktgeruch auf sich? Und welche Bindung haben die Nachtschwärmer zu Ginny? Und wer ist Ginny/bzw. Rosemary? Welche Stellung hat sie eigentlich?Am Ende bin ich enttäuscht und vollkommen durcheinander, es bildet sich kein vollständiges Bild von der Geschichte.
Der Roman besteht aus vier Teilen, welche aus, mit "1" oder "2" überschriebenen, Kapiteln bestehen. Die 1 und die 2 stehen dabei für zwei Menschen, aus verschiedenen Jahrzehnten, die Rosemary versuchen auf die Spur zu kommen. Diese ineinander erzählten Geschichten sind interessant, aber lassen sich nur schwer, wenn überhaupt in Einklang bringen. Die 1 und die 2 bilden dabei einen Leitfaden und eine Struktur, die der Geschichte fehlt. Zwischen den Kapiteln sind oft große Gedankensprünge, die für mich nicht nachvollziehbar sind.
Der Roman ist Alles in Allem nicht unbedingt schlecht, bedarf einer Klärung.
Der Roman spielt in zwei Zeiten, zwischen denen die Autorin hin- und her wechselt:
Rückblickend wird von Daniel erzählt, der eine bleiche, wunderschöne Frau mit leuchtend rotem Haar vor dem Ertrinken rettet. Er nimmt sie bei sich auf und kümmert sich um sie, doch schon bald muss er feststellen, das hinter dem engelsgleichen Gesicht eine blutrünstige Vampirin steckt, die über Leichen geht, um ihren Blutdurst zu stillen. All diese Ereignisse hält er in seinem Tagebuch fest.
In der heutigen Zeit dringt Joe, Alices Exfreund, nach 3 Jahren Funkstille wieder in ihr Leben ein und bittet sie, seine neue Freundin, Virginia, bei sich aufzunehmen. Widerwillig sagt sie zu. Als Joe sie zu Alice bringt, verhält sie sich unauffällig, gar schüchtern, doch bald beginnt sie sich seltsam zu benehmen und mit düsteren Männern zu treffen. Sie spioniert ihr nach, ahnt aber nicht in welcher großen Gefahr sowohl sie als auch Joe schweben. Als sie in Virginias Sachen ein altes Tagebuch findet, zieht sie endlich die richtigen Schlüsse, doch hat sie überhaupt noch die Chance die grausame Vampirin aufzuhalten?
Joanne Harris verbindet diese zwei Handlungsstränge und wechselt flüssig zwischen ihnen, was die Geschichte in Schwung hält. Sie schafft eine durchgängig düstere, aber auch faszinierende Atmosphäre, in der der Leser bis zur letzten Seite gefangen bleibt. In diesem Vampirroman der alten Manier geht es noch richtig zur Sache: An Blut, Gewalt und Horror wird nicht gespart. Gewürzt mit einen aufregenden Prise Erotik ist dieses Buch ein Lichtblick auf dem derzeitigen Vampirbuchmarkt.
Ich muss sagen, dies war mein erster Vampirroman und ich war doch etwas skeptisch, ob ich das Buch überhaupt schaffen würde fertig zu lesen oder ob es mir nach einigen Seiten so verrückt und irreal vorkommen würde, dass ich es bei Seite lege.
Nachdem ich die ersten Seiten gelesen hatte, war ich allerdings schon gepackt von der bis zur letzen Seite vorherrschenden Grundspannung, so dass es mir teilweise doch schwer viel, dass Buch überhaupt aus der Hand zu legen.
Vorallem gefallen hat mir der Aufbau des Buches: die Kapitel überschrieben mit jeweils eins oder zwei handeln in zwei verschiedenen Zeitperspektiven in Cambridge. Einmal erfährt der Leser von Daniel Holme nach dem 2. Weltkrieg, der seine Geschichte über die geheimnisvolle Rosemary und seinem Freund Robert als Tagebuch vor seinem Tod niedergelegt hat. Das andere Mal befinden wir uns in der Gegenwart und erleben die Welt der jungen Malerin Alice, die nicht nur das Tagebuch von Daniel Holme in die Finger bekommt, sondern auch mit ihrem Exfreund Joe und dessen geheimnisvollen Freundin Ginny einiges erlebt.
Auch wenn es sich hierbei um eine phantastische Geschichte handelt, kann man doch auch einige Bezüge zum wahren Leben entdecken. "Es geht um Verführung, um verlorene Freundschaft, um Kunst und Wahnsinn, um Liebe und Verrat", wie die Autorin selbst am Ende ihres Romans in den Anmerkungen schreibt.
"Denk an mich in der Nacht" ist Harris Debütroman, den sie bereits mit 23 Jahren schrieb und der nach ihrem Erfolg mit Chocolat, neu verlegt und erneut veröffentlicht wurde. Es wäre auch schade gewesen, wenn dieser Roman untergegangen wäre, mir hat er sehr gut gefallen.
Alice ist überrascht, als ihr Exfreund Joe sich nach drei Jahren plötzlich wieder bei ihr meldet. Doch nicht, um über gute alte Zeiten zu reden, sondern um seine neue Freundin Ginny bei Alice einzuquartieren. Widerwillig lässt sie sich dazu breitschlagen und bereut ihre Entscheidung fast sofort. Denn Ginny ist mit ihren wallenden roten Haaren nicht nur atemberaubend schön, sondern auch von einer unheimlichen Aura umgeben. Als sie das scheinbar so schüchterne Mädchen später mit düsteren Kerlen um die Häuser ziehen sieht, Injektionsspritzen und ein seltsames altes Tagebuch in ihrem Schrank findet, ahnt Alice, dass Joe keinen Schimmer davon hat, wer seine Freundin wirklich ist. Und dass Ginny gefährlich ist.
In einer früheren Zeit:
Daniel Holmes glaubt seinen Augen kaum, als er die junge Frau aus dem Fluss zieht und ihr so das Leben rettet. Das blasse Wesen erscheint ihm wie ein wunderschöner Engel. Das findet allerdings auch sein bester Freund Robert, der sich Hals über Kopf in Rosemary, wie sie sich nennt, verliebt. Doch bald schon vergisst Daniel den Betrug seines Freundes, als er Rosemary in der Gesellschaft düsterer Männer wiederfindet und auch er selbst immer mehr in ihre Geheimnisse eintaucht…
Aufgrund der Bitten von Fans und nicht zuletzt wohl auch aufgrund des immer noch andauernden Vampir-Hypes wurde Joanne Harris‘ Erstwerk erneut aufgelegt. Harris selbst sagt über dieses Buch, dass es „keine Literatur im eigentlichen Sinn“ sei. „Es ist das vergleichsweise unreife Werk einer Autorin, die ihren Stil noch finden muss“. Und ganz ehrlich, genau dieses Gefühl hatte ich beim Lesen auch.
Den ständigen Wechsel der Erzählperspektive zwischen Alice und Daniel fand ich nach einer gewissen Zeit eher nervig, da dadurch immer entweder die Handlung in der Gegenwart oder in der Vergangenheit abrupt unterbrochen wurde und ich das Gefühl hatte, nicht voranzukommen. Auch erzählt Daniel, ganz im Geiste seiner Zeit, sehr detailliert, blumig, schwülstig. Realität und Traum vermischen sich in seinen Erinnerungen und machen das Lesen eher zäh.
Abgesehen vom für mich nicht leicht zu lesenden Schreibstil fand ich die Geschichte aber recht gut. Die Vampire in diesem Buch sind keine weichgespülten Romantiker, die seit Jahrhunderten nach der einzig wahren Liebe suchen, sondern blutrünstige Monster hinter schöner Fassade, die kein Problem damit haben, einen Menschen regelrecht zu zerfleischen, um sein Blut zu trinken. Das fand ich erfrischend, wenn auch blutig. Ein bisschen mehr Spannung hätte dem Buch trotzdem gut getan. Da man viel über Rosemary in Daniels Erzählungen erfährt, fehlt mir das Mysteriöse in der Gegenwart, da man eh schon weiß, was mit Ginny los ist.
Mein Fazit: Joanne Harris hat ein gutes, aber nicht herausragendes Erstlingswerk erschaffen, das sich von den vielen auf dem Büchermarkt zu findenden Vampirromanen abhebt.
Inhalt: 'Denk an mich in der Nacht' beinhaltet zwei Erzählstränge: Zum Einen die Geschichte von Daniel, der eine Frau vor dem Ertrinken rettet, sich in sie verliebt und sie schließlich an seinen besten Freund Robert verliert, zum Anderen die Geschichte von Alice, einer Künstlerin, die noch immer ihrem Exfreund Joe nachtrauert und die eines Tages dessen neue Freundin Ginny bei sich aufnimmt. Der gemeinsame Nenner beider Geschichten ist die rätselhafte und schöne Rothaarige, die sich einmal Rosemary und Jahrzehnte später Ginny nennt und die nur auf den ersten Blick zerbrechlich und schwach wirkt.
Mein Eindruck: Einige Aspekte des Buches empfand ich als etwas gestellt und unrealistisch, beispielsweise die Episode, als sich Joe nach drei Jahren urplötzlich wieder bei Alice meldet und fragt, ob sie seiner neuen Freundin Unterschlupf gewähren kann. Auch die Protagonisten bleiben eher farblos. Der Stil wirkt unausgefeilt, unfertig. Jedoch ist 'Denk an mich in der Nacht' eine spannende und unterhaltsam zu lesende Lektüre, die eine düstere Atmosphäre schafft und die dunkle Seite der Geschöpfe der Nacht zeigt: Grausamkeit, überirdische Schönheit, Sinnlichkeit. Da gibt es weder im Sonnenlicht funkelnde Vampire, die freundlich zu Menschen sind, noch sexuelle Enthaltsamkeit bis zum Ehegelübde.
Mein Resümee: Atmosphärisch und unheimlich. Keine literarisch hochrangige, doch eine schöne Lektüre.