Wie in so vielen Büchern, die eigentlich für Kinder und/oder Jugendliche geschrieben worden sind, steckt auch in diesem Buch von Ralf Isau mehr Weisheit, Menschlichkeit, Witz, Humor, Fantasie, Tiefsinn und Stil als in so manchem Buch, was erwachsene Leser als Zielgruppe hat. Und wenn man es dann noch mit einem echten Könner der Schreibzunft zu tun hat, ist das Ergebnis ein echter Lesegenuss für jedes Alter, bei dem man sich manchmal schmunzelnd und nachdenklich fragt, warum so viele nichtssagende Bücher stattdessen zu Bestsellern wurden. Deshalb ist es mir eine besondere Ehre und Vergnügen, dieses kostbare Kleinod vorstellen zu können:
Worum geht es?
Ein winzig kleines Königreich namens Drahtigistan wäre vor Jahrhunderten beinahe durch eine furchtbare Katastrophe vollständig ausgelöscht worden. Eine riesige Flutwelle bedrohte Mensch, Tier und Land, die in letzter Sekunde von einem Drachenpaar in ungefährlichen Wasserdampf verflammt werden konnte. Die äußerst dankbaren Bewohner des Königreichs, allen voran König LIX, baten daraufhin dieses Drachenpaar namens Gigantolos und Gertrud, sich doch für immer im Königreich nieder zu lassen und gaben ihnen einen eigenen Berg zum Wohnen samt heißer Quelle und Wäldchen zum Baumen (Muß man sich vorstellen wie das Weiden bei Kühen. Die meisten Drachen sind nämlich Vegetarier und geben sich bei der Nahrungsaufnahme mit ein bis drei Bäumen im Jahr durchaus zufrieden…außerdem schürt dies auch das innere Drachenfeuer sehr effektiv.) Als Gegenleistung erbaten die Menschen den Schutz, den so ein Drachenpaar offensichtlich ja zu bieten hatte. Gigantolos und Gertrud stimmten dieser Regelung gerne zu, zumal sie sowieso gerade auf der Suche nach einer Heimstatt für sich gewesen waren und so lebten in diesem winzigen Königreich alle jahrhundertlang friedlich miteinander, bis Gertruds Drachenehemann überraschend an einer Grippe verstarb und eine zutiefst depressive Gertrud zurückließ. Vor Kummer und Trauer buchstäblich fast blind stellte Gertrud plötzlich nicht nur ein Riesenproblem sondern tatsächlich eine tödliche Gefahr für alle dar und es galt zu handeln.
Mit feinem Witz und wunderbaren Ideen beschreibt Ralf Isau, wie man in dem winzigen Königreich mit dieser lebensgefährlichen Herausforderung fertig wurde. Und es ist eigentlich sehr schade, dass die Augsburger Puppenkiste dieses Buch noch nicht als Vorlage für eines ihrer wunderbaren Theaterstücke in ihr Repertoire aufgenommen hat.