Start arrow Interviews arrow Interview & Gewinnspiel mit Bernd Perplies

Interview & Gewinnspiel mit Bernd Perplies PDF Drucken E-Mail

Unsere Rezensentin Olga A Krouk hat Bernd Perplies interviewt

Bernd Perplies ist ein großer Filmfreund und Buchliebhaber. Außerdem spielt er gerne fantastische Brettspiele und Rollenspiele. Er schreibt Artikel für die Genre-Zeitschrift „Space View“ und ist als Chefredakteur des Internet-Rezensionsportals Ringbote.de tätig, das sich vor allem Rollenspielen, Brettspielen und dergleichen verschrieben hat. „Die Grenzen zwischen Freizeit und Arbeit verschwimmen hierbei immer wieder – aber das ist schon okay so. Ich bin wohl so eine Art genussvoller Workaholic“, sagt der Autor über sich.

Mehr über den Autor

Dieses Interview beeinhaltet ein Gewinnspiel
Das Gewinnspiel startet am 12.07.2009 und endet am 31 08.2009.
Eure Antworten könnt ihr an schicken.

Die Gewinnfrage: „Wie entstand die Figur der Albin Auril?“
Zu gewinnen gibt es 3 handsignierte Bücher „Tarean – Erbe der Kristalldrachen“ von Bernd Perplies.


Lieber Bernd, vor kurzem ist der zweite Band deiner Tarean-Reihe erschienen. Erzähle uns bitte ein wenig über die Entstehung dieser Fantasy-Trilogie.
Eigentlich fing „Tarean“ als Filmprojekt an. Das war 1997, und ich studierte gerade an der Uni Mainz Filmwissenschaft. Ich hatte mich für ein Seminar zur Drehbuchanalyse eingeschrieben und mir dazu auch ein paar Bücher übers Drehbuchschreiben gekauft, darunter „Das Handbuch zum Drehbuch“ von Syd Field. Dieses Buch hatte den Untertitel „Übungen und Anleitungen zu einem guten Drehbuch“ und handelte in mehreren Kapiteln davon, wie man ein Drehbuch schreibt.

Um dieses Handbuch zu testen und auch, weil ich gerne wissen wollte, ob ich imstande wäre, ein ganzes Drehbuch zu verfassen, nahm ich mir vor, Syd Fields Werk durchzuarbeiten. Und weil ich schon damals ein leidenschaftlicher Fantasy-Geschichten-Erzähler war, wollte ich natürlich das Drehbuch zu einem Fantasy-Film verfassen. Ich dachte mir also eine Geschichte aus, die im Grundkonzept über das kommende Jahrzehnt hinweg bis in den „Tarean“-Roman erhalten geblieben ist, entwickelte Charaktere (auch wenn sie damals alle noch ganz anders hießen und aussahen) und schrieb ein Exposé.

Doch dann, als es daran ging, das Drehbuch tatsächlich zu schreiben, begann sich in mir langsam die Erkenntnis durchzusetzen, dass diese ganze Sache eigentlich Zeitverschwendung war, denn ein Drehbuch für einen Fantasy-Film hätte ich bestenfalls für die Schublade geschrieben (welche deutsche Produktionsgesellschaft hätte mir schon mal so 100 Millionen Euro für die Realisierung in die Hand gedrückt). Und so legte ich das Projekt ad acta – nur um mich knapp sieben Jahre später auf der Suche nach einem eingängigen Stoff für einen Debütroman wieder daran zu erinnern!

Und als du dich an deinen Debütroman gesetzt hat, stand es von Anfang an fest, dass es eine Trilogie wird?
Nein, denn der letztendliche Grund für das Schreiben des ersten Bandes war zunächst einmal ein Schreibwettbewerb, für den man einen Fantasy-Roman von ca. 400 Manuskriptseiten einreichen sollte. Eine Trilogie wurde es erst, als ich mit meinem Text bei dem Wettbewerb erfolglos war und über eine Literaturagentur mit LYX ins Geschäft kam. Der Verlag wünschte sich eine Trilogie, also habe ich die Geschichte, die ich natürlich mit einigen Hintertürchen versehen hatte, erweitert, und aus Tareans Kampf gegen den Hexenmeister Calvas wurde Tareans Werdegang vom Taugenichts zum Kristalldrachenritter.

Wie bist du beim Plotten vorgegangen?
Ich habe mir erneut das schlaue Buch von Syd Field zur Hand genommen, denn ich dachte mir, dass man die Konzepte, die man zur Entwicklung einer guten, gradlinigen Filmgeschichte nutzen kann, auch sicher auf einen Roman übertragen könnte. Ich begann also, die Handlung in einen Anfang, einen Mittelteil und ein Finale aufzuteilen, setzte etwa nach dem ersten und dem dritten Viertel eine inhaltliche Zäsur (einen Plotpoint) und dann verteilte ich eine Anzahl Kapitel auf die jeweiligen Abschnitte und füllte diese mit dem Inhalt, den ich mir vorher ausgedacht hatte. Auf diese Weise ist, denke ich, eine sehr runde Geschichte entstanden, die einen als Leser – wie ein guter Film – gerade gegen Ende förmlich mitzieht. Vor allem aber hat diese Vorgehensweise verhindert, dass ich mich im vorderen Teil in Nebensächlichkeiten verloren und dann am Ende keine Zeit und/oder keinen Platz mehr für ein großes Finale gehabt habe.

Von den ursprünglichen Charakteren aus dem Drehbuch ist also wenig etwas geblieben. Wie hast du die neuen Figuren entwickelt?
Also genau genommen basieren die neuen Figuren auf den alten. Denn ich hatte mich schon damals, für das Drehbuch, zunächst danach gefragt, welche Figuren ich gerne in meiner Geschichte hätte: einen jugendlichen Helden, eine Frau, in die er sich vielleicht verliebt, einen großen Beschützer und einen lustigen Sidekick. Dann habe ich diese Rollen mit Charakteren gefüllt, wobei ich nach möglichst unterschiedlichen Charakteren gesucht habe – sowohl körperlich als auch vom Wesen her. Denn meines Erachtens sind ungewöhnliche und sympathische Figuren das A und O eines Romans, schließlich muss der Leser mit ihnen zusammen auf Abenteuerreise gehen.

Wodurch unterscheidet sich die neue Konstellation von der alten genau?
Im Drehbuch waren die Helden noch ein jugendlicher Halb-Elf, eine junge, blinde Priesterin, ihr Beschützer, ein Troll, sowie ein vorwitziger Kobold, den der Junge zu Beginn aufgelesen hatte. Nun gibt es in „Tarean“ keine Elfen mehr, außerdem fand ich es besser, als Protagonisten einen Menschen zu haben, der noch möglichst ungeschliffen ist und zunächst überhaupt nicht cool (wie etwa ein Halb-Elf). Das war dann Tarean.
Stattdessen habe ich der Frau die Kämpfernatur verpasst und ihr etwas weniger Weisheit, aber dafür etwas mehr Geschick und Sarkasmus verliehen. So entstand die Albin Auril, eine Schurkin mit Herz, wenn man so will. Bromm ist Carambas noch sehr ähnlich, aber nachdem Christoph Hardebusch damals gerade seinen großen „Trolle“-Roman herausgebracht hatte, wollte ich lieber eine andere Art von Gefährten haben und entschied mich daher für einen Werbären (eigentlich Wermenschen, denn Bromm ist ein Bär, der sich in einen Menschen verwandeln kann, nicht umgekehrt). Der Kobold schließlich war mir irgendwie plötzlich zu albern, außerdem gefiel mir eine zweite Frau im Ensemble besser – der Gruppendynamik zuliebe. Ich liebäugelte für einen Moment mit einer Faerie, entwickelte dann aber ein Faible für das Konzept einer vielseitig verwendbaren Lichtaura, sodass ich ein Irrlicht draus machte, das ich Moosbeere nannte.

Auch nachdem ich das Kernquartett ersonnen hatte, habe ich bei weiteren Figuren immer versucht, Abwechslung in die Gruppe zu bringen. So sind der tolldreiste Vogelmenschenprinz Iegi, der stoische Steinerne Kiesel, der mürrische, zwergenartige Erfinder Karnodrim und all die anderen entstanden.

Das hört sich nach ungewöhnlichen und spannenden Figuren an! Welche Schwierigkeiten hast du beim Schreiben gehabt?
Die einzige Schwierigkeit, die ich beim Schreiben hatte und habe, ist das Durchhaltevermögen. Es macht nicht nur Spaß, 400 und mehr Manuskriptseiten zu füllen, sondern es ist mitunter auch echt harte Arbeit. Lange Jahre hatte ich nicht die Geduld und das Sitzfleisch, um so umfangreiche Projekte zu stemmen. Aber je häufiger man es gemacht hat, desto leichter wird es irgendwie. Man muss sich die Handlung nur gut portionieren und nicht zu weit vorausblicken, sondern sich auf das Kapitel konzentrieren, das man gerade schreibt. „Ein Schritt, ein Atemzug, ein Besenstrich“, um mal einen klugen Rat zu paraphrasieren, den der Straßenfeger Beppo in Michael Endes Buch „Momo“ der kleinen Heldin gibt, um auch eine lange Straße bewältigen zu können, ohne vor der Größe der Aufgabe schon im Vorfeld zu kapitulieren. Genau so halte ich es auch.

Schreibratgeber haben dir anscheinend sehr weiter geholfen. Und wie sonst hast du das Schreibhandwerk gelernt?
Ich würde sagen durch „Learning by Doing“. Ich habe schon immer gerne geschrieben. Frühe Kurzgeschichten von mir datieren bis in die Grundschulzeit zurück. Hilfreich war sicher auch, dass ich auf eine Schule gegangen bin, die derlei kreatives Interesse gefördert hat. So mussten wir so genannte „Freie Texte“ schreiben, also Kurzgeschichten, die dann im Klassenrund vorgelesen wurden. Dazu kamen Halbjahresprojekte in den höheren Klassen, während denen ich beispielsweise mein erstes (zugegeben noch sehr unbeholfenes) Abenteuerspielbuch schrieb. Natürlich habe ich auch immer viel gelesen sowie Geschichten für Rollenspiele mit Freunden – „Shadowrun“, „BattleTech“ und viele eigene Systeme – entwickelt. Und ich denke, diese Mischung aus Geschichten aller Art in sich aufnehmen und Geschichten aller Art immer wieder erzählen (müssen und wollen) hat mich an den Punkt gebracht, an dem ich heute stehe. Ich würde allerdings nicht sagen, dass ich schon ausgelernt habe. Mit jedem Roman, den ich schreibe, versuche ich mich ein klein wenig weiterzuentwickeln.

Worauf achtest du beim Schreiben ganz besonders?
Lebendige Charakter sind mir wichtig, und ich versuche immer wieder, Szenen zu schreiben, in denen sich die Figuren entfalten können, während sie miteinander interagieren. Ich schreibe gerne Dialoge, vor allem wenn es sich um freundschaftliches Geplänkel zwischen den Helden dreht. Eine weitere Vorliebe von mir sind „filmreife“ Actionszenen. Die schreiben sich zwar ungleich schwerer, aber ich habe bislang bei jedem „Tarean“-Roman viel Zeit investiert, um spannende und ausgeklügelte Verfolgungs- oder Kampfszenen einzubauen, die im Kopf des Lesers abspielen, als wären sie ein Film auf der großen Leinwand.

Schreiben ist ein sehr undankbarer Job. Was begeistert dich an dieser Beschäftigung?
Ich erzähle gerne Geschichten. Und noch lieber erzähle ich Geschichten für andere Menschen. Entsprechend ist es das Feedback der Leser, was mich am meisten erfreut. Wenn mir jemand schreibt, wie gut ihm eines meiner Bücher gefallen hat und/oder dass er es gleich einem Freund oder einer Bekannten weiterempfohlen hat, dann entschädigt das für all die Mühe und die Arbeit, die ich möglicherweise während des Schreiben des Buches erlebt habe. Früher konnte ich mit meinem Schreiben nur eine Handvoll Menschen in meinem direkten Umfeld unterhalten. Dass ich jetzt in der wundervollen Lage bin, tausende von Lesern zu erreichen, ist ein wahr gewordener Traum für mich. (Wenn ich davon jetzt noch leben könnte, würde meine Begeisterung keine Grenzen kennen. ;-) )

Der Weg zur ersten Veröffentlichung ist oft steinig und schwer. Wie hast du den Verlag gefunden, wie verlief die Zusammenarbeit mit dem Lektorat?
Nachdem mein Versuch, bei dem Literaturwettbewerb als großer Sieger vom Platz zu gehen, spektakulär gescheitert war, dachte ich mir „Jetzt erst Recht“ und habe den Roman einer Literaturagentur, die auf Fantasy und Science-Fiction spezialisiert ist, angeboten. Die haben mir geraten, noch einmal über den Text zu gehen und nicht an Kommata zu sparen, um meine Satzungetüme zu gliedern – was ich getan habe. ;-)

Danach wurde eine Präsentationsmappe vorbereitet und – meines Wissens – ca. zehn Verlagen gezeigt. Dann war zwischen der Buchmesse Frankfurt 2007 und der Buchmesse Leipzig 2008 ein paar Monate Funkstille, und in Leipzig hatte ich plötzlich drei Angebote. Das von LYX hat uns allen am Besten gefallen.

Die Arbeit mit dem Lektorat verlief relativ harmonisch. Natürlich gab es ein paar Diskussionen, aber es handelte sich eigentlich immer nur um Details. Insgesamt wurde im Lektorat nicht viel an den Geschichten geändert. Selbstverständlich wurden die unvermeidlichen Rechtschreibfehler, kleine Logiklöcher, sich wiederholende Phrasen oder zu komplizierte Schachtelsätze (meine Spezialität) ausgemerzt. Aber inhaltlich ist praktisch alles, was der Leser auf den Seiten findet, auch so bereits in meinem Computer entstanden.

Du hast bei einem angesehenen Verlag veröffentlicht, wirst von einer sehr guten und engagierten Agentur vertreten … Welche Schwierigkeiten oder Rückschläge gab es aber auf deinem Karriereweg als Schriftsteller?
Abgesehen von dem Versagen bei dem Schreibwettbewerb gab es bislang kaum Rückschläge – ich hoffe, das bleibt so *klopf auf Holz*. :-) Die Literaturagentur war von Anfang an von „Tarean“ sehr angetan, und auch wenn natürlich einige Verlage das Konzept abgelehnt haben, so war ich doch später in der erfreulichen Situation, dass sich gleich drei Verlage für den Roman interessiert haben – das ist keine Selbstverständlichkeit, wie ich mittlerweile weiß.

Schwierig war und ist es eher, in dem sehr vollen Buchmarkt als neuer Autor wahrgenommen zu werden. So sind die Verkäufe von „Tarean – Sohn des Fluchbringers“, obwohl für einen Debütroman beachtlich, etwas hinter meinen Hoffnungen zurückgeblieben. LYX war, als der erste „Tarean“ herauskam, noch ein recht junges Imprint der Egmont-Verlagsgruppe. Und auch wenn sich der Verlag durch seine Vampirromane bereits eine Reputation erarbeitet hatte, war das Fantasy-Segment noch ganz frisch. Entsprechend war es nicht ganz leicht, neben den etablierteren Spielern mit dem in Leserkreisen höheren Bekanntheitsgrad zu bestehen – denn viele Leser wählen ihre Lektüre schon recht konservativ aus und greifen zu dem, was in den dicksten Stapeln in der Buchhandlung liegt. Aber ich will mich nicht beschweren. „Tarean“ war und ist ein solider Grundstein, auf den ich in Zukunft hoffe aufbauen zu können.

Was erwartet uns nach der Tarean-Trilogie? Hast du schon Ideen für deine nächsten Projekte?
Nun zunächst steht natürlich der Finalband „Tarean – Ritter des Ersten Lichts“ an, der im November erscheinen soll. Dann bin ich mit Pegasus Spiele in Gesprächen über ein weiteres Abenteuerspielbuch der „Hexer von Salem“-Reihe. (Wer sich gerade fragt, wovon ich spreche: Ich habe mit meinem Autorenkollegen Christian Humberg ein Abenteuerspielbuch namens „Das schleichende Grauen“ geschrieben, das auf der Welt von Wolfgang Hohlbeins „Hexer von Salem“ basiert und den Leser/Spieler ins Berlin des Jahres 1922 versetzt.) Das wird aber nichts vor Mitte 2010, nehme ich an. Ansonsten ist eine Menge angedacht, aber noch nichts spruchreif. Ich würde der reinen Fantasy aber gerne für einige Zeit den Rücken kehren und als nächstes ein Genre-Crossover machen, etwa Urban-Fantasy oder eine Geschichte um Magier im viktorianischen England. Ich bin bereits mit LYX am Planen, und im Moment sieht es so aus, als würden die Magier das Rennen machen, was mich sehr freut, denn ich habe schon einige tolle neue Charaktere und ein paar spektakuläre Actionsequenzen im Kopf, die ich gerne zu Papier bringen würde.

Vielen Dank für das Gespräch, Bernd!
Das Gespräch führte Olga A. Krouk (www.olgakrouk.de)
Das Interview unterliegt dem Copyright. Die weitere Verbreitung ist nur mit der schriftlichen Zustimmung von Bernd Perplies,Olga A. Krouk oder www.rezensenten.de erlaubt..

 
< Zurück   Weiter >

© 2010 Rezensenten.de
Joomla! is Free Software released under the GNU/GPL License.