Der adressierte Junge PDF Drucken E-Mail
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 Autor/in: Boris Koch
ISBN -10: 39384110155 
ISBN -13: 3-938411-01-5
Verlag: Eloy Edition
Genre: Phantastik
Seitenanzahl:  104

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Veröffentlicht in : , Horror/Mystery/Phantastik
Schlüsselworte : boriskoch
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Geschrieben von Tanja Asmus, am 24-02-2008 15:30,
1. Eltern aufwachen lassen
Dieses Buch war mein erstes von Boris Koch, und ich bin noch etwas zwiegespalten wie ich den Autor einordnen soll. 
5 Kurz-Geschichten die den Leser auf 101 erwartet, haben nicht immer mein Lesegeschmack getroffen. Um genau zu sein war es eine Geschichte (Poteideia) die sich in die Länge zog und nicht auf den Punkt kommen wollte. Diese Geschichte wurde für das Buch neu geschrieben und mich macht die Urfassung sehr neugierig. 
 
Die beiden Erstveröffentlichungen Der adressierte Junge & Die Mutter der Tränen haben mich dafür in den Bann gezogen. Flüssig, in angenehmen Schreibstil lauschte ich den Erzählungen Kochs und wurde mit nachdenklichem Ende belohnt. Gerade der adressierte Junge war meine Lieblingsgeschichte in den Band. 
Ein Junge der unter schlimmsten asozialen Verhältnissen aufwächst, zeigt für sich selber ein normales Sozialverhalten. Doch dem Leser stellen sich beim Lesen die Nackenhaare hoch, es ist alles andere als normal. Kinder lernen nun mal von ihren Eltern, und ich hoffe dass die Geschichte trotz dieser skurrilen Fiction manchen Eltern aufwachen lassen. Die Geschichte ist auch auf dem Cover abgebildet. Es wird den Leser - wie auch die Geschichte zum grübeln anregen. 
 
Meinen Recherchen zufolge sind die beiden stärksten Geschichten auch die neueren literarischen Ergüsse des Autors, so das man eine sehr gute Weiterentwicklung vermuten kann. 
 
Robert Koch ist es gelungen mit diesem Band normale Altagsgeschichten in eine Horrorkulisse zu verwandeln. Sämtliche Protagonisten die sich Herr Koch bedient haben eine außergewöhnliche Tiefe. Außergewöhnlich deshalb, da in Kurzgeschichten man schnell auf den Punkt kommen muss/will. Dies tut Herr Koch auch allerdings ohne seine Figuren zu vernachlässigen. 
Für mich wird Robert Koch als Autor im Hinterkopf bleiben, und vielleicht auch mal etwas längeres von ihm zu lesen. 
 
Zum Buch selber kann ich sagen das das Lektorat einwandfrei gearbeitet hat, und das Papier kräftig in der Hand lag, also kein Billigpapier verwendet wurde. Allerdings hatte ich im Gegensatz zu Alisha ein folienkaschiertes Werk in den Händen!!!
 
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Geschrieben von Alisha Bionda, am 28-09-2007 08:17,
2. Meinung
Inhaltsangabe 
Ein Okkultist versucht den Tod zu überlisten, indem er vorher Selbstmord begeht. Ein Griechenlandreisender entdeckt einen geheimen Ort, der ihn nicht wieder losläßt. Der Tod des Sohnes und das gleichzeitige Erscheinen einer geheimnisvollen Madonna zerreißt eine Familie.  
5 Kurzgeschichten von Boris Koch:  
 
Todestag  
Der adressierte Junge  
Poteideia  
Aus den Reisenotizen des Jonathan Mommsen  
Die Mutter der Tränen 
 
Rezension 
Nun ist DER ADRESSIERTE JUNGE zugegebenermaßen nicht mehr der frischste, bedenkt mein sein Erscheinungsjahr, aber man sollte dennoch nicht versäumen auch 2007 noch einmal auf diesen Band hinzuweisen.  
Denn wieder einmal überrascht Boris Koch durch Einfallsreichtum und Abwechlsung. Langweilig wird es bei ihm wirklich nie.  
 
Die fünf Kurzgeschichten könnten von den Plots nicht unterschiedlicher sein. Nun mögen Niggelsköpfe vielleicht anmerken, daß der Band einen roten Faden vermissen lasse, eine Linie, die die Stories verbindet - für mich macht gerade DAS die Besonderheit des dünnen Büchleins aus, bei dessen Lesen mir schwer nach mindestens doppelt so vielen Erzählungen des "lebendigen Berliners" war. Gerade als ich wieder voll an der Koch-Nadel hing, war ich bereits am Ende angelangt und es setzten, bevor ich das Buch zuklappte, Entzugserscheinungen ein.Vor allem weil die letzte Geschichte mich besonders zu fesseln vermochte. Sie zeigt einmal mehr, daß enorme Einfühlungsvermögen von Boris Koch, und seine gesellschaftliche Beobachtungsgabe. Er legt verbal den Finger in die Wunden, die wir uns gegenseitig schlagen, zeigt menschliche Abgründe, aber auch psychische Grenzen auf, ohne allzu überspitzt daherzukommen, oder gar zu dick aufzutragen. Das ist die wahre Kunst - deutliches Aufzeigen ohne Holzhammermethode oder reißerisches Vokabular.  
Man möge mir verzeihen, aber ich gerate wieder einmal ins Schwärmen.  
 
Kommen wir also zu meinem Favoriten, der letzten Geschichte.  
 
In Die Mutter der Tränen leiden wir mit den Eltern, die ihren Sohn durch ein brutales Verbrechen verlieren und jeder auf seine Art - in sich zurückgezogen - damit umzugehen versucht. Während die Mutter hinter einer Mauer aus Agression Schutz sucht, findet der Vater seinen ganz besonderen "Trost" in einer madonnenhaften Erscheinung, die aber nur seiner Phantasie entsprungen scheint.Ebenso unter die Haut gehend ist die Titelstory Der adressierte Junge, die ein perfektes Spiegelbild mancher Familienverhältnisse ist - barbarisch und fesselnd. Gesehen durch die Kinderaugen des Jungen, dessen Vater ihm eine kanadische Adresse auf die Stirn ritzt, mit der Drohung ihn bei Ungehorsam dorthin zu schicken.  
Todestag erzählt grandios von einem Kriegsflüchtling, der eine mystische Maschine baut, mit deren Hilfe er dem Tod ein Schnippchen schlagen will.  
 
Mehr sei über den Inhalt des Titels nicht verraten - es wäre eine Schande, dem Leser zu viel vorwegzunehmen. Außer daß es wirklich längst an der Zeit - nein überfällig ist, daß die großen Verlage auf Boris Koch aufmerksam werden. Er hat das Zeug dazu ein Großer zu werden. Nein, er ist es bereits - die breite Leserschaft muß ihn nur endlich entdecken und wird dann ebenso schnell erkennen, welches Potential in ihm steckt!Kommen wir noch zum Handwerklichen des Bandes: Das Papier ist einwandfrei, das Lekorat korrekt (was auch daran liegen mag, daß drei der fünf Geschichten schon veröffentlicht waren), und das Covermotiv stimmig, wenngleich es nicht die Brillanz der Texte widerspiegelt. Leider ist es auch nicht folienkaschiert, und ich vermisse die Vita des Autors (für die Leser immer von Interesse). Aber das kann man mit einigem Wohlwollen in die Kategorie  
 
?Geschmacksache" einordnen.  
Ich gebe es zu, ich habe extreme Bedenken einen 102 Seitenband von stolzen 10 - zu empfehlen, aber ein Autor wie Boris Koch ist das allemal wert. Daher: wer alle Koch-.Werke sein eigen nennen möchte, greife zu, so lange es den Band noch gibt - textlich ist da jeder GUT beraten!
 
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