
Interview mit Monika Felten, geführt von Alisha Bionda am 13. Feb. 2009.
Alisha Bionda führte via E-mail ein Interview mit der Fantasyautorin Monika Felten.
Monika Felten wurde mit ihrer Triologie "Das Erbe der Runen" bekannt
AB: Liebe Monika, vielen Dank, dass Du Dir die Zeit nimmst, einige Fragen zu beantworten. Zuerst einige persönliche Fragen.
Was gibt es über Dich als Mensch zu sagen?
MF: Das ist immer die schwerste Frage.
Am einfachsten ist es, ein paar Stichworte zu meinem Charakter aufzuschreiben:
Ehrgeizig und strebsam. Ich habe mir schon immer Ziele gesetzt, die ich erreichen wollte, und all meine Kraft darauf verwendet, dieses auch zu tun.
Pünktlich: Wenn ich eine Verabredung habe, komme ich meistens zu früh, meine Bücher versuche ich immer termingerecht abzugeben.
Ordnungsliebend : Obwohl wir vier Personen im Haus sind, ist es immer aufgeräumt. Bei mir gilt die „Ein Ding ein Platz“ – Devise. Das Umzusetzen ist gar nicht so schwer, da ich mich nur mit Dingen umgebe, die ich wirklich brauche. Alles andere wird zeitig aussortiert.
Das gilt übrigens auch für meinen Arbeitsplatz. Der sieht meistens aus, als wäre ich im Urlaub.
Harmonieliebend: Ich hasse Streit. In einem Umfeld mit negativen Emotionen kann ich nicht schreiben. Das ist lästig, weil sich Ärger leider nicht immer verhindern lässt.
AB: Was zeichnet Dich in Deinen Augen aus?
MF: Meine gelassene Grundstimmung und die Fähigkeit, die Dinge pragmatisch zu betrachten.
AB: Was magst Du, und was nicht?
M.F.: Ich mag den Frühling. Steaks, Cola, Nougat und Jelly-Bellys , ... eigentlich alles, was süß und ungesund ist.
Was ich nicht mag: Jede Form von Alkohol, Kaffee, Zigaretten, Fischgerichte
AB: Welche Hobbies hast Du?
M.F.: Neben dem Schreiben, besuche ich gern Flohmärkte und arbeite im Garten wenn die Sonne scheint.
AB: Wolltest Du immer schon Schriftstellerin werden oder war es eher eine Folge Deiner persönlichen Entwicklung?
M.F.: Schon in der vierten Klasse habe ich jedem erzählt, dass ich Schriftstellerin werden will. Ich hatte damals zwölf DINA5 Hefte mit Elfengeschichten geschrieben und mit Oblaten bebildert. Die drei Protagonisten hatten noch Flügel und Blütenkelche als Hüte auf dem Kopf. Sie lebten auf einem Blumenwiese und haben Abenteuer wie „Die Biene Maya“ erlebt.
Die Hefte gibt es heute leider nicht mehr, weil ich den Berufswunsch in der 7. Klasse aufgegeben habe, als mir jemand erzählte, ich müsse Journalismus oder Germanistik studieren. um einen Roman zu schreiben. ( Was natürlich Unsinn ist )
AB: Wann hast Du zu schreiben begonnen? Und womit?
M.F.: Das war erst viel später. Mit 32, als wir unsere ersten PC kauften, und ich mit meinem zweiten Sohn im Erziehungsurlaub war. Da habe ich kurzerhand beschlossen, das zu tun, was ich schon als Kind immer wollte: Einen Roman schreiben, den ich selbst gern lesen würde.
Das Genre war nach mehr als 300 gelesenen Fantasyromanen auch schon klar definiert.
Dass ich mir dazu erst einmal autodidaktisch die Arbeit mit dem Wordprogramm und die Grundbegriffe des Romanschreibens beibringen musste, hat mich davon nicht abgehalten.
AB: Hast Du eine fest strukturierte Methode, wie Du ein Projekt verfolgst?
M.F.: Eigentlich nicht. Ich bin eine Bauchschreiberin.
Ich beginne am Anfang und spinne den Faden weiter, indem ich die Szenen im Kopf wie einen Film ablaufen lasse. Wenn es zu sehr hakt, hilft meist ein Brainstorming-Telefonat mit meiner Schwester. Danach läuft es wieder besser.
AB: Schreibst Du gerne zu einer bestimmten Zeit? Lieber tagsüber, lieber abends/nachts? Wie sieht Dein Tagesablauf aus?
M.F.: Am liebsten arbeite ich vormittags, wenn die Kinder in der Schule sind und es schön ruhig im Haus ist. Wenn es terminlich eng wird, haben sich auch die Stunden vor und nach Mitternacht bewährt. Die nutze ich allerdings nur ungern.
AB: Bevorzugst Du eine bestimmte Atmosphäre oder benötigst Du besondere Ruhe wenn Du schreibst?
M.F.: Räucherstäbchen und Kerzenschein sucht man bei mir eben so vergeblich, wie berieselnde Musik im Hintergrund. Tatsächlich bin ich jemand, der nicht nur bei der Arbeit die Stille bevorzugt.
A.B.: Schreibst Du an mehreren Projekten gleichzeitig oder trennst Du das strikt?
M.F.: Manchmal zwingen mich die Termine zum Parallelarbeiten. Diesen Zustand versuche ich aber immer schnellstmöglichst zu beenden. Am liebsten schreibe ich schön chronologisch ein Buch nach dem anderen. Da ich nicht plotte, ist das die einzige Möglichkeit, den Faden nicht zu verlieren und die Bauchgefühl-Stimmung aufrechtzuhalten.
AB: Bist Du nur im Phantastik-Genre zu finden? Welches Genre reizt Dich am meisten?
M.F.: Bisher ja. Und es gibt auch noch keine Anzeichen dafür, dass sich das einmal ändern wird.
Phantastik war und ist für mich immer noch die erste Wahl.
AB: Hast Du ein literarisches Vorbild?
M.F.: Wenn überhaupt, dann Marion Zimmer Bradley. Nicht nur wegen ihrer wunderbar mystischen und femininen Bücher, sondern auch, weil es ihr vergönnt war, bis in hohe Alter erfolgreich schreiben zu können und dürfen.
AB: Schreibst Du lieber alleine oder würdest Du auch mit einem Co-Autor arbeiten? Wenn ja, wer würde Dich da reizen?
M.F.: Was das Schreiben angeht, tendiere ich zur Einsiedelei. Mit einem Co-Autor zu arbeiten, kann ich mir zur Zeit nicht vorstellen.
AB: Liest Du regelmäßig? Wenn ja, was bevorzugt?
M.F.: Seit ich mit dem Schreiben begonnen habe, fehlt mit die Zeit zum Lesen. In den vergangenen zehn Jahren habe ich gerade mal fünf phantastische Romane durchgelesen. Da ich meine eigene Welt in Gedanken immer mit mir herumtrage, fällt es mir sehr schwer, mich auf andere Welten einzulassen. Das ist ein wenig schade, aber wohl nicht zuändern.
AB: Gibt es Menschen, die Dich bei Deinem schriftstellerischen Werdegang unterstützt haben? Freunde, Familie, Kollegen? In Deinen Anfängen und jetzt?
M.F.: Meine Schwester unterstützt mich von Anfang an sehr tatkräftig. Sie ist meine Testleserin, Kritikerin und Vorlektorin und war die Einzige, die damals an meinen Debütroman geglaubt hat.
AB: Ich hatte jüngst das Vergnügen einige Titel von Dir zu lesen. Unter anderem auch die Trilogie „Das Erbe der Runen“, das ich für sehr gelungen halte. Sei doch bitte so nett und erzähle ein wenig über den Inhalt.
M.F.: In der Trilogie geht es um die 16 jährige Ajana, die ein magische Amulett erbt, dass sie in die phantastische Welt Nymath verschlägt, wo sie als Erbin uralter Elfenmagie von den bedrängten Menschen schon sehnlichst erwartet wird.
In Nymath tobt ein erbitterter Krieg zwischen den Uzoma, den Ureinwohnern des Landes, und den Menschen, die die Uzoma einst in die Wüste vertrieben. Ajana soll den Krieg zu Gunsten der Menschen entscheiden, aber sie erkennt schnell, dass auch die Uzoma gute Gründe haben, für ihre Rechte zu kämpfen.
Der Krieg ist viel mehr als nur der Kampf zwischen zwei Kulturen. Es ist ein Ringen der Götter in denen Menschen und Uzoma nicht viel mehr sind als Figuren auf einem Spielbrett.
Ein Kampf, der nur gewonnen werden kann, wenn die Menschen und die Uzoma ihren uralten Hass aufeinander bezwingen und sich gemeinsam dem wahren Feind stellen
AB: Wie bist Du auf die Idee zu der Trilogie gekommen?
M.F.: Die Grundidee wurde von einer Musikagentur an mich herangetragen. Es sollte eine Trilogie entstehen, in der die Magie über Musik transportiert wird. Daher lag den Hardcoverausgaben auch eine sehr stimmungsvolle Musik-CD bei.
Die fünf Stämme der Menschen mit ihrer Götterwelt und den doch sehr unterschiedlichen Lebensgewohnheiten, habe ich in Zusammenarbeit mit einem erfahrenen Rollenspieler entwickelt, ehe ich die Story um die Welt und die Protagonisten gestrickt habe.
AB: Hast Du einen Charakter in den bisherigen Bänden, der Dir besonders „nah“ ist?
M.F.: Ja, Abbas. Der Küchenjunge wurde von mir als Nebenfigur eingeführt. Als bester Freund des Falkners Keelin macht er in der Trilogie aber die größte Entwicklung durch. Damit hat er sich still und heimlich zu einem wahren Helden entwickelt, der mir in seiner tragischen Rolle in der Trilogie sehr ans Herz gewachsen ist.
AB: Ist eine Fortsetzung geplant (es wäre eine Schande, wenn nicht)?
M.F.: Inzwischen ist klar, dass es keine Fortsetzung geben wird.
AB: Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit PIPER? Und wie gestaltet sich diese?
M.F.: Piper hat mich damals zusammen mit dem Weitbrecht-Programm übernommen. Ich wurde quasi mit vererbt und habe das Programm von Piper Fantasy von Beginn an begleiten und mit meinen Bücher mitgestalten dürfen. Die Zusammenarbeit verläuft konstruktiv und harmonisch. Ich fühle mich bei Piper sehr wohl. Meist stelle ich die Entwürfe für neue Projekte dort vor, die wir dann gemeinsam besprechen und prüfen.
AB: Worauf dürfen sich Deine Leser in naher Zukunft freuen?
M.F.; Im April erscheint bei cbj unter dem Titel „Das Vermächtnis der Feuerelfen“ mein erster Jugendfantasy-Roman. Vor dem Hintergrund feuerspeiender Vulkane und eines sturmumtosten Riffs, handelt er von Eisdämonen, die Heimat der Elfen fest im Griff haben und eine Hafenstadt, in der Wesen aus einer anderen Welt des Nachts ihr Unwesen treiben.
Mit Feuer, Wasser, Erde und Luft vereine ich in dem Roman alle vier Elemente zu einem farbenprächtigen Abenteuer, in dem sich Caiwen, die Tochter der letzten Elfenpriesterin, an der Seite ihres Freundes Heylon einer gefährlichen Queste zu Land und zu Wasser stellen muss, um ihr Volk vor Verrat und Vernichtung zu bewahren.
Die Arbeit daran hat mir sehr viel Freude gemacht. Ich habe festgestellt, dass ich im Jugendbuch sehr locker an einen Roman herangehe und bin sicher, dass es nicht mein letzter Titel im Jugendbuchbereich sein wird.
Außerdem erscheint im Oktober bei Piper mein Roman „Die Nebelelfen“.
Auch wenn es im ersten Augenblick so klingen mag, gehört der Titel nicht in die Reihe der Zwergen-, Ork- und Trollromane. Er schließt als vierter Roman meiner „Elfenfeuer-Saga“ ab. Die Geschichte, spielt allerdings zu einer Zeit, in der nur die Nebelelfen und noch keine Menschen in Thale lebten. Der Roman wird aus der Trilogie einen Ring machen. Wie schon die anderen drei Bände ist er abschließend geschrieben und kann ohne Kenntnisse der anderen Bücher gelesen werden. Wer die Trilogie schon kennt, wird in dem Buch viele Antworten auf Fragen finden, die in der Trilogie vielleicht noch nicht beantwortet wurden. Wer sie noch nicht kennt, bekommt vielleicht Lust auf die anderen Bände.
AB: Vielen Dank für die Beantwortung der Fragen und auch weiterhin viel Erfolg mit Deinen Publikationen!
M.F.: Ich habe mich zu bedanken
Das Gespräch führte Alisha Bionda
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