Judith Lennox ist ein fesselnder Familienroman gelungen, der den Leser in die Zeit vor dem ersten Weltkrieg bis in die Mitte des zweiten Weltkriegs entführt.
In einem kleinen Dorf im englischen Devon begegnen sich die beiden Hauptfiguren Isabel Zeale und Richard Finborough. Isabel war als Haushälterin angestellt und ist sehr zurückhaltend. Ihr Arbeitgeber ist gerade gestorben und sie ist im Dorf sehr unbeliebt. Richard hingegen ist sehr selbstsicher, Sohn eines Landbesitzers in Irland und selbst Unternehmer in London. Trotz anfänglicher Schwierigkeiten und Isabels Ablehnung finden die beiden zusammen. Sie heiraten in London und gründen eine Familie. All das in einer Zeit großer gesellschaftlicher, wirtschaftlicher und politischer Veränderungen.
Judith Lennox versteht es, ihre Figuren zum Leben zu erwecken und Klischees zu vermeiden. Isabel, die es nicht schafft, ihre Geheimnis rechtzeitig mit Richard zu teilen und die sich in der höheren Gesellschaft sehr unwohl fühlt. Richard, der in ganz anderen Verhältnissen aufwuchs als Isabel und der miterleben muss, wie sich die Gesellschaft verändert und altvertraute Werte und Freunde verschwinden. Ihre drei Kinder, die durch gesellschaftliche Konventionen und die schnellen Veränderungen Wege einschlagen (müssen), die weder sie sich gewünscht haben, noch ihre Eltern. Gleichzeitig bieten ihnen sich durch diese Veränderungen auch Möglichkeiten, die nur wenige Jahre zuvor noch undenkbar gewesen wären, insbesondere im privaten Bereich.
Die Beziehungen zwischen Kindern und Eltern, Ehepartnern und deren Freunden spielen eine wichtige Rolle, sowie die Positionen, die jeder innerhalb der Familie einnimmt. Alle sind sehr willensstarke Persönlichkeiten und müssen im Lauf des Romans mehr als einmal über ihren Schatten springen. Stets zwischen dem Wunsch, eigenständig zu sein und doch der Familie loyal zu bleiben. Auf der Flucht (vor alten Geheimnissen, Zwängen, Konventionen und der Familie) und gleichzeitig auf der Suche (nach alten Geheimnissen, einem Weg, es allen Recht zu machen und dem eigenen Glück).
Am Ende des Buches hatte ich das Gefühl liebgewonnene Freunde verlassen zu müssen. Selten kam mir ein Buch mit knapp 600 Seiten so kurz vor. Es hätten locker noch hundert oder zweihundert Seiten mehr sein können und mir wäre trotzdem nicht langweilig geworden. Stattdessen werde ich jetzt Ausschau nach anderen Werken von Judith Lennox halten und freue mich schon auf die Lektüre.
Eine einzige Frage blieb am Ende noch offen: Wer ist die blonde Frau auf dem Titelbild?
Es ist die Geschichte des englischen Großgrundbesitzersohnes Richard Finborough, dessen unstandesgemäßen Heirat mit Isabel Zeale und der Entwicklung ihrer drei Kinder Philip, Theo und Sara und ihrer Pflegetocher Ruby, ihren Sorgen und Nöten und jeweiligen, ganz individuellen Geheimnissen während der Vorkriegs- und Kriegszeit um den Zweiten Weltkrieg. Judith Lennox ist mit diesem Roman gelungen, eine sehr interessante Zeit des Umbruchs in der Gesellschaft auf politischer, sozialer und wirtschaftlicher Ebene einzufangen und dies auf unaufdringliche, unschulmeisterliche Art dem Leser nahezubringen. Die Erzählperspektive wechselt ständig zum jeweiligen Protagonisten und hält die Spannung wunderbar aufrecht. Ein wunderbares Buch, das man nur jedem empfehlen kann, der ohne Belehrungen miterleben möchte, wie Menschen damals gelebt, geliebt und gelitten haben.
Geschrieben von hrafnaklukka, am 21-05-2009 12:04,
3. Nach dem Happy End
Kuss und Schluss: Die meisten Liebesgeschichten enden mit dem Happy End – für Judith Lennox ist es jedoch erst der Anfang. „Das Haus in den Wolken“ ist das nicht ganz so traumhafte Leben, das nach dem lang ersehnten Kuss folgt.
England, 1909: Nur ein Zufall - durch eine Autopanne lernen sich der reiche Richard Finborough und die selbstbewusste Isabel Zeale kennen und – nach Isabels anfänglichem Zögern- auch lieben. So begleiten wir Richard und Isabel während ihrer Ehe, der Geburt ihrer Kinder Philip, Theo und Sara, den Ausbruch des ersten Weltkriegs und Richards Einberufung. Er wird verwundet, doch sein Freund Nicholas Chance rettet ihm das Leben. Aus Dankbarkeit nimmt die Familie schließlich noch Ruby, die Tochter des mittlerweile verschwundenen Nicholas Chance auf, da ihre Mutter geistig verwirrt ist. Letzendlich scheitert die Ehe der beiden an Isabels großem Geheimnis, mit dem Richard nicht umgehen kann, und auch die vier Kinder müssen lernen, ihre eigenen Wege zu gehen.
„Das Haus in den Wolken“ ist kein einfacher Roman, sondern eher eine Familiensaga um die Liebe, Sorgen und das Leid der Familie Finborough. Einfühlsam beschreibt die Autorin die verschieden Lebensphasen der Familie, ohne in den Kitsch abzugleiten, und trotzdem geht sie tief unter die Oberfläche. Mit einfachen Worten zieht sie den Leser in die Geschichte, und schon bald hat man das Gefühl, mittendrin statt nur dabei zu sein. Dabei versteht sie es meisterhaft, die einzelnen Personen mit all ihren Vorzügen, Fehlern und Schwächen zu zeichnen um sie dann in ein stimmiges Gesamtbild einzufügen. Trotz einiger Klischees wie „reicher Mann trifft armes Mädchen“ wirkt die Geschichte sehr glaubhaft und nicht konstruiert, und auch der Zeitgeist des jungen zwanzigsten Jahrhunderts, in dem zwei große Kriege statt gefunden haben, die Probleme jener Tage, die Rezession und die gesellschaftlichen Umbrüche werden glaubhaft dargestellt. Historische Fakten wurden richtig wiedergegeben und die Geschichte eingebunden. Das Buch ist flüssig geschrieben, ohne Lücken oder gar Längen, und die liebenswerten Charaktere mit Ecken und Kannten machen es zu einem echten Lese-Erlebnis.
Ein trüber Herbstnachmittag, auf dem Sofa eingekuschelt - wer ein Buch zum Entspannen sucht, das man trotzdem nicht mehr aus der Hand legen mag, für den ist „Das Haus in den Wolken“ genau das richtige. Für mich war es sicher nicht das letzte von Judith Lennox.
Während Richard Finborough nach einer Autopanne in einem Küstenstädtchen in Devon festsitzt, begegnet er Isabel Zeale, die ihm wie eine Königin erscheint und verliebt sich Hals über Kopf in sie. Richard beginnt um sie zu werben, aber Isabel weist ihn ab, weil sie aus einfachen Verhältnissen stammt und es in der Vergangenheit nicht leicht hatte. Als er aber nicht locker lässt, willigt sie schließlich ein ihn zu heiraten. Die Höhen und Tiefen im Leben der Finboroughs kann in den Jahren von 1909 bis 1942 miterleben werden.
Vorher hatte ich noch nie etwas von Judith Lennox gelesen und bin sehr positiv überrascht worden, denn ich hatte nicht gedacht, dass mir der Roman zusagen würde. Die ersten Seiten ließen nicht erahnen, welche interessante und mitreißende Geschichte sich daraus entwickeln würde und ich bin froh, dass ich das Buch nicht gleich wieder aus den Händen gelegt habe. Je weiter ich in der Geschichte vorankam, desto mehr ergriff sie mich, und ich konnte richtig in sie eintauchen, so dass ich die Welt um mich herum vergessen konnte.
Die Figuren sind in keiner Weise oberflächlich geschildert und ich konnte mir gut vorstellen, dass die Personen zu jener Zeit charakterlich so gewesen sind. Durch den Perspektivenwechsel erhält man einen Einblick in die jeweilige Figur, ihre Gedanken- und Gefühlswelt. Somit kann man ihnen auch als eine Art Schatten überall mit hinfolgen und ein Empfinden für sie entwickeln, das einen für sie mitleiden, bzw. -freuen lässt. Von Isabels und Richards Seite her, endet der Roman an einer akzeptablen Stelle, aber von den anderen Familienmitgliedern würde man gerne noch mehr erfahren, wie sie sich weiterentwickeln und was die letzten Kriegs- bzw. Nachkriegsjahre für sie bereithalten.
Das Buch kann ich allen uneingeschränkt weiterempfehlen, die gerne Familienromane lesen.
Judith Lennox erzählt mit „Das Haus in den Wolken“ das Schicksal einer Familie kurz vor dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges. Der wohlhabende Geschäftsmann Richard Finborough für den Macht, Reichtum und Erfolg die Ziele seines Lebens darstellen, lernt durch eine Autopanne die schöne, aber unnahbare Isabel Zeale kennen. Unbeachtet ihrer gesellschaftlichen Herkunft verliebt er sich in kühle Schönheit, die zunächst nichts von ihm wissen will. Nach und nach schafft er es aber, sie von seiner Liebe zu überzeugen.
Nach ihrer Hochzeit verbringen Richard und Isabel eine wundervolle Zeit miteinander, in der ihre drei Kinder Philipp, Theo und Sara geboren werden. Als Richard sich nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges als Freiwilliger meldet, wendet sich das Blatt. Während eines Kampfes wird er schwer verwundet und nur durch den Einsatz eines Kameraden kann sein Leben gerettet werden. Psychisch schwer gezeichnet kehrt er in seine Familie zurück, aber das einstige, sorgenfreie Leben ist für ihn nicht mehr möglich.
Richards Kriegsverwundung, die Aufnahme einer Pflegetochter und die zunehmende Abnabelung der Kinder führen im weiteren Verlauf der Geschichte immer wieder zu einschneidenden Ereignissen, die das Zusammenleben der Familie allmählich schwieriger gestalten. Nach einer Liaison Richards mit der Hutmacherin Elaine Davenport entfernen sich Isabel und Richard immer mehr voneinander und als auch noch ein Geheimnis aus Isabels Vergangenheit die Beziehung schwer belastet, kommt es zur Trennung.
Gut recherchiert, vor einem historischen Hintergrund, der zwei Weltkriege umfasst, erzählt die Autorin die Geschichte der Familie Finborough. Mit der ihr eigenen Distanz, ohne dabei weit in die Tiefe zu gehen, beschreibt sie das Leben der Protagonisten, ihre vielfältigen Gedanken und Gefühle. Besonderen Wert legt sie dabei auf die Auslotung zwischenmenschlicher Beziehungen und die Einflussnahme unvorhersehbarer Ereignisse auf ihre persönliche Entwicklung.
Mit „Das Haus in den Wolken“ hat Judith Lennox ein Romanepos geschaffen, das aufgrund der gewählten Kulisse und der Wahl zeitgemäßer Romanfiguren eine große Authentizität vermittelt. Unterstützt durch einen leichten, flüssig zu lesenden Schreibstil, bringt sie dem Leser die Lebensumstände der damaligen Zeit in einer zeitgerafften Form nahe und lässt ihn an Einzelschicksalen teilhaben. Wer aber hinter dem Titel „Das Haus in den Wolken“ ein Liebesroman vermutet, der irrt. Judith Lennox hat mit diesem Buch einen soliden englischen Gesellschaftsroman geschrieben, der ohne die Aneinanderreihung von spannungsgeladenen Momenten gut auskommt, beste Unterhaltung bietet und sich angenehm lesen lässt.
Ein wunderbar gefühlvoll geschriebener Gesellschafts- und auch Liebesroman, der die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts sehr authentisch veranschaulicht. Der Leser wird in die Welt des damaligen London entführt. Lennox beschreibt die ganze Familie Finborough glaubwürdig, die in ihren Konventionen, allem voran die Frauen, sehr angepasst sind und sich in ihren Rollen unterordnen müssen. Ihre eigenen Wünsche und Bedürfnisse müssen sie hinten anstellen. Dieses Buch ist ein schöner Frauenroman, der einen sehr nachdenklich über die Ereignisse der damaligen Zeit werden lässt.
Dies hier war mein erstes Buch, das ich von Judith Lennox gelesen habe und es hat mich oftmals überrascht, da ich mir manches anders vorgestellt habe.
Es ist ein Gesellschaftsroman, der vor dem 1.Weltkrieg beginnt und bis in den 2.Weltkrieg hineinreicht.
Anfangen tut alles mit dem Kennenlernen von Richard, dem wohlhabenden gesellschaftlich anerkannten Mann und Isabel, der jungen, aus ärmlichen Verhältnissen stammenden Frau. Hier bin ich davon ausgegangen, dass die Ehe der beiden im Mittelpunkt des Buches steht und dementsprechend auch den größten Platz einnimmt. Dies war allerdings nicht der Fall. Judith Lennox bringt sehr schnell neue Personen mit ins Spiel, die leider zum Teil recht kurz und meiner Meinung nach auch zu oberflächlich behandelt werden. Sie macht sehr schnelle Zeitsprünge. Gerade wurde geheiratet, sind auch die Kinder schon aus dem Gröbsten raus. Kaum hat der 1.Weltkrieg begonnen, ist er auch schon wieder zu Ende. Natürlich ist es kein Wunder, dass bei einer so großen Zeitspanne nicht jeder Tag haarklein beleuchtet werden kann und dadurch hatte ich auch das Gefühl, dass Frau Lennox an manchen Stellen ihren vorgenommenen Pensum nicht ganz gerecht werden konnte. Ansich ist das Buch gut und flüssig geschrieben und ich hatte auch nie das Problem, dass ich an einer Seite lange festhing. Man bekommt einen Überblick über die verschiedenen Zeiten und Phasen im 20.Jahrhundert und die Familie Finborough, nebst Verwandten, Bekannten und Freunden. Dennoch hätte ich mir lieber eine kürzere Zeitspanne gewünscht, so dass man die verschiedenen Personen genauer kennen gelernt und die Entwicklungen der Beziehungen zwischen den unterschiedlichen Charakteren besser beleuchten hätte können.
Alles in allem ist es aber ein guter Gesellschaftsroman, der für kalte Herbst- und Winterabende wie gemacht ist und durch den flüssigen Schreibstil und die vielen Ereignisse auch nie langweilig wird.
Eine Familiensaga wie sie im Buch steht…und im diesem Buch von Judith Lennox geht es um die Familie Finborough, die eine turbulente Zeit mit vielen Irrungen und Wirrungen in den Jahren 1909 bis 1942 erlebt. Die ganze Handlung beleuchtet die einzelnen Familienmitglieder der Familie Finborough, einschließlich ihrer Pflegetochter Ruby Chance. Am Anfang geht es um Richard Finborough und Isabel Zeale. Hier setzt sich Lennox mit den verschiedenen Gesellschaftsschichten auseinander, die auch weiter eine große Rolle in ihrem Buch spielen. Wenn die Kinder von Isabel und Richard geboren werden schwenkt der Fokus immer mehr auf sie und ihre Eltern agieren ein wenig mehr im Hintergrund. Hier kommt es zu ganz, mehr oder weniger, normalen familiären Auseinandersetzungen. Interessant ist hierbei noch das alles in der Zeit von den ersten beiden Weltkriegen spielt und diese natürlich auch auf die Familie einwirken. Schade ist es das die Handlung noch mitten im 2. Weltkrieg aufhört. Es wär bestimmt interessant zu erfahren gewesen wie die Familie sich nach dem 2. Weltkrieg weiterentwickelt hätte. Bei den Charakteren bezieht sich Judith Lennox mehr auf die Frauen der Familie. Zwar werden die Männer auch gut dargestellt, allen voran Richard, aber deren Charaktere erreichen nicht dieselbe Tiefe wie die der Frauen. Demnach ist die Veränderung von Richard schwer nachvollziehbar. Erst war er ein liebevoller Mann mit eher romantischen als Klassengerechten Vorstellungen und plötzlich steht man einem Patriarchaten gegenüber, der jeden den Rücken zukehrt wenn er nicht nach seiner Pfeife tanzt. Durch die Zeitsprünge die Lennox in ihrer Geschichte macht bekommt man leider nicht mit wie und warum sich Richard so gänzlich verändert. Manche Passagen des Buches sind etwas zäh geschrieben. Man hat das Gefühl das die Geschichte einfach vor sich hin plätschert und nicht wirklich vorankommt. Zwar passieren einige wichtige Sachen, aber durch den Schreibstil wirken sie manchmal einfach unspektakulär und die Dramatik wirkt nicht so, wie sie eigentlich wirken sollte. Im Großem und Ganzen liefert Judith Lennox mit diesem Buch eine solide Familiensaga ab.Wer die Mischung aus Familiendramatik und Weltgeschehen mag, wird mit diesem Buch seine Freude haben. Für alle anderen ist es ein Lesevergnügen, das manchmal etwas langatmig sein kann.
Das Buch erzählt mit seinen mehr als fünfhundert Seiten die Geschichte der Familie Finborough. Es beginnt mit dem Zusammenkommen von Richard und Isabel im Jahr 1909 in England. Richards Firmen in London laufen gut, die Familie ist angesehen. Im 1. Weltkrieg erlebt Richard die Sinnlosigkeit und Schrecknisse des Krieges. Man verfolgt die Lebenswege der Familie und der drei Kinder Philip, Theo und Sara, dazu der Pflegetochter Ruby, der Tochter eines verschwundenen Kriegskameraden von Richard. Durch die Geschichte der Familie erlebt man, was Liebe, Engstirnigkeit, Klassendenken, verschiedene Charaktere und Umstände alles bewirken können.
Das Verhalten Richards kommt mir ab und zu etwas übertrieben vor, obwohl es durchaus möglich, normal sein könnte. Keine Person ist ohne Fehler, Schwächen, aber auch Stärken. Die Ängste von Anton konnte ich gut nachvollziehen, von den Internierungen der Ausländer zur Zeit des 2. Weltkrieges ist eher weniger bekannt.
Es ist eine schöne Geschichte, die sich durchaus zugetragen haben könnte und den Leser zum Nachdenken über die Familie, das Leben anregt. Für mich schildert die Autorin ohne Großartigkeiten, die Lebenswege werden eben erzählt. Ich konnte mich einfühlen, wollte wissen, wie es weiter geht, wurde aber nicht mitgerissen, bleib Beobachter. Beim Lesen kam mir der Satz „Das Leben ist ein Fluss“ in den Sinn. Trotz aller Irrungen und Wirrungen finden alle ihren Weg, die Liebe. Alles löst sich auf und wird gut. Zum Ende gibt es für mein Empfinden noch ein bisschen Lebensweisheit, dass man es sich selber oft unnötig schwer macht. Ein Buch, was ein gutes Gefühl hinterlässt.
Der Einband gefällt mir und er Schutzumschlag ist durchaus passend gestaltet.
Bei einer Autopanne an der Küste Devons begegnet Richard Finborough Isabel Zeale, einer jungen Frau von kühler Schönheit aus kleinen Verhältnissen. Umso erstaunter ist der Frauenschwarm und einzige Sohn eines irischen Gutsbesitzers, als sie ihn zurückweist. Fast gegen seinen Willen verliebt er sich; eine Liebe, die gegen die Konventionen ist und dennoch in eine Ehe mündet, die viele Höhen und Tiefen überdauern wird. Isabel und Richard bekommen drei Kinder, Richards Geschäfte florieren – bis der Erste Weltkrieg der glücklichen Zeit ein Ende zu setzen droht. Und längst hat Isabel den richtigen Augenblick verpasst, um ihrem Mann ihr Geheimnis anzuvertrauen. Es belastet sie, seit sie vor Jahren eine falsche Entscheidung traf. Es verfolgt sie, wenn sie am wenigsten daran denken will. Und eines Tages wird es sie und diejenigen, die ihr am wichtigsten sind, einholen.
Über die Autorin:
Die Bestsellerautorin Judith Lennox, 1953 in Salisbury geboren, wuchs in Hampshire auf. Mit ihren mittlerweile 14 Büchern, die die Tradition des englischen Gesellschaftsromans erfolgreich in die Gegenwart führen und alle bei Piper vorliegen, hat sie auf Deutsch schon 1,8 Millionen Leserinnen gewonnen. Judith Lennox lebt mit ihrer Familie in Cambridge und in einem Cottage in Sheffield. Zuletzt erschienen »Alle meine Schwestern« und »Der einzige Brief«.
Meine Meinung:
Ich habe bevor ich dieses Buch gelesen hab, noch nie etwas von Judith Lennox gehört was aufgrund der Fülle ihrer Romane recht verwunderlich ist. Hätte ich dieses Buch bei amazon o.ä gesehen, so hätte ich es als "dämlichen Kitsch" abgetan, musste aber heute feststellen, dass ich damit grundliegend falsch gelegen hätte. Das Buch ist in drei Teile unterteilt: Teil 1 "Die rote Königin" (1909 bis 192, Teil 2 "Die Pflegetochter"(1928 bis 1936) und Teil 3 "Bis morgen" (1936-1940). Judith Lennox macht sich eine sehr schöne und bildhafte Sprache zu Nutzen. Stets hatte ich Bilder wie aus einem Kostümfilm a la Jane Austen vor Augen. Interessant ist die Aufteilung, sie ist gut gelungen und macht das Buch abwechslungsreicher. Zur Aufmachung (Sorry, das kann ich mir jetzt verkneifen..): Das Buch ist auch ohne Einband ein wahres Schmuckstück im Regal! Ich wahr total positiv überrascht, weil die meisten Bücher ohne Umschlag total fad und langweilig aussehen, was hier aber nicht der Fall ist!
Fazit:
Ich bin positiv überrascht und vergebe acht von zehn möglichen Punkten. Ein schönes Buch für trübe Herbstage!
Die Leseprobe und auch die Kurzbeschreibung lesen sich fast wie eine triviale Liebesgeschichte. Armes Mädchen mit geheimnisvoller Vergangenheit trifft reichen Mann. Die beiden heiraten und bekommen Kinder.
Hinter dem mich wenig ansprechenden Cover und Titel verbirgt sich ein unerwartet spannendes und interessantes Buch. Die Autorin schafft es, mir eine Zeit näherzubringen, die mir bisher völlig fremd war. Die Familie Finborough vermittelt mir viel anschaulicher als der Geschichtsunterricht, wie stark sich innerhalb der beschriebenen gut 30 Jahre die Welt verändert hat.
Die erste Hälfte des 20. Jahrhundert ist eine faszinierende Kulisse, vor der Judith Lennox auch ihr neustes Buch ansiedelt. Eine Zeit der Umbrüche, sowohl gesellschaftlich als auch wirtschaftlich. Die beiden Hauptfiguren, die anderen Familienmitglieder und ihre Freunde werden sehr plastisch beschrieben. Am Ende des Buches hatte ich fast das Gefühl, ich würde sie persönlich kennen.
Die Ereignisse der damaligen Zeit greifen tief in das Leben der Figuren ein. Der Leser erlebt mit, wie die Familie Finborough und ihre Freunde die Höhen und Tiefen durchleben. Als ich das Buch zuschlug, tauchte ich wie aus einer anderen Welt wieder in unsere heutige Zeit ein. Judith Lennox gelang es, mir das Gefühl zu geben, ich hätte diese Zeit selbst miterlebt.
Ein sehr beeindruckendes Buch, das ich ohne vorablesen.de sicherlich nicht in die Hand genommen hätte. Und mit Sicherheit nicht das letzte Buch, das ich von Judith Lennox gelesen habe.
(Zur Sprache kann ich nur wenig sagen, da ich die englische Fassung gelesen habe. Die Leseprobe gefiel mir aber sehr gut und die Übersetzung schien mir außergewöhnlich gut zu sein.)
Inhalt: Im Jahr 1909 lernt Richard Finborough zufällig in einem kleinen Dorf Isabel kennen. Er stammt aus einer gesellschaftlich geachteten Familie und steht kurz vor dem Durchbruch als sehr erfolgreicher Geschäftsmann. Isabel stammt aus einfachen Verhältnissen und weis nach dem Tod ihres Arbeitgebers noch nicht wie es mit ihrem Leben weiter gehen soll. Richard verliebt sich in Isabel und bittet sie ihn zu heiraten. Nur zögernd stimmt sie zu, da es ein Geheimnis in ihrer Vergangenheit gibt, dass sie ihm nicht offenbaren kann. Dies ist der Auftakt zu einer Familienchronik der Jahre 1909 bis 1942. Das Leben von Richard, Isabel und ihrer Kinder während zweier Kriege und in Friedenszeiten, sowie die gesellschaftlichen Konventionen dieser Zeit stehen hier im Vordergrund.
Meine Meinung: "Das Haus in den Wolken" ist ein Gesellschaftsroman und eine Familienchronik der Zeitspanne von 1909 bis 1942. In vier Teilen wird hier die Geschichte der Familie Finborough aus unterschiedlichen Perspektiven geschildert. Die Erzählung ist dabei nahezu ohne zeitliche Lücken und sehr fließend wiedergegeben. Die Schilderung der Ereignisse wirkt realistisch für die Zeitepoche. Besonders die Kapitel, die den weiblichen Familienmitgliedern gewidmet sind fand ich sehr interessant. Sicherlich auch aus dem Grund, da ich als weibliche Leserin hier einen direkten Vergleich anstellen konnte zwischen dem Leben wie ich es kenne und wie es in der ersten Hälfte des 20.Jahrhunderts für Frauen war. Als etwas verwirrend empfand ich die vielen Nebencharaktere. Häufig musste ich bei einem Namen erst noch einmal überlegen, wer diese Person nun wieder war. Einen Glossar hätte ich an dieser Stelle hilfreich gefunden. Als interessant empfand ich die Sichtweise der Figuren auf tatsächliche Begebenheiten, wie die Abdankung von König Edward, oder den Machtantritt Hitlers. Politische Diskussionen und Auseinandersetzungen mit den unterschiedlichen Gesellschaftsformen finden durchaus statt. Judith Lennox lässt sich hier keineswegs auf das Genre Liebesroman einengen. Den Titel konnte ich leider in keinen direkten Zusammenhang zum Inhalt bringen, ich finde ihn daher nicht sehr treffend. Der Originaltitel "Before the Storm" scheint mir eher passend. Das Cover gefällt mir jedoch gut.
Fazit: Ein Zeitzeugnis aus britischer Sicht, das auf interessante Art und Weise Geschichte und Familienchronik miteinander verbindet.
„Das Haus in den Wolken“ von Judith Lennox war mein erstes Buch von ihr. Obwohl ich die Leseprobe zunächst eher mäßig fand, habe ich das Buch dann später dennoch gelesen. Die Geschichte handelt von einer Familiengeschichte, im Hintergrund die Weltkriege. Die Atmosphäre des Buches ist gut und der Verlauf der einzelnen Personen ist spannend erzählt. Die Charaktere sind sehr gut dargestellt und auch sehr vielschichtig, was der eher dahinplätschernden Handlung gut tut. Den Anfang und den Schluss fand ich gut und packend, den Mittelteil eher mäßig bis langweilig. Sprachlich ist der Roman wunderschön gestalt, nur finde ich die Geschichte im Ganzen doch eher durchschnittlich.
"Das Haus in den Wolken" erzählt die Geschichte der englischen Familie Finborough zwischen 1909 und 1942. Richard Finborough, ein wohlhabender Industrieller, heiratet das einfache Hausmädchen Isabel, zusammen bekommen sie drei Kinder, deren Erwachsenleben wir mitvergolgen können. Die beiden Weltkriege im Rücken, begleiten wir die Familie und deren Freunde durch eine Zeitspanne von über 30 Jahren, erleben viele Höhen und noch mehr Tiefen mit.
Judith Lennox hat eine wunderschöne Familiensaga geschaffen, mit sehr facettenreichen und authentisch dargestellten Charakteren. Konzentriert sich das Buch zunächst hauptsächlich auf Richard und Isabell und erzählt die Geschichte aus ihrer Sicht, kommen im Laufe der Geschichte immer mehr Charaktere und damit auch Erzählperspektiven hinzu. Das stört jedoch nicht, denn egal wessen Geschichte der Leser gerade mitverfolgen kann, es macht immer Spaß und ist interessant.
Judith Lennox spricht unter anderem in ihrem Roman viele gesellschaftliche Mißstände und Vorurteile der damaligen Zeit an und auch ein paar geschichtliche Ereignisse werden dem Leser näher gebracht.
Insgesamt eine wunderschöne und glaubhafte Familiensaga mit sehr schön ausgearbeiteten Charakteren, die sich flüssig lesen lässt.
Das Buch beginnt, wie viele Groschenromane oder Kinofilme (z.B. Pretty Woman) beginnen: Reicher Mann trifft arme Frau und verliebt sich in sie. Wer jetzt das Schlimmste fürchtet, wird von der Autorin angenehm überrascht. Der wohlhabende Geschäftsmann Richard Finborough ist ein Frauenheld. Umso erstaunter ist er, als er bei einer Autopanne die schöne, aber unnahbare Isabel kennen lernt. Vielleicht ist es für ihn nun der besondere Reiz, um diese kühle Schönheit zu werben. Auch ihre gesellschaftliche Herkunft als Dienstmädchen kann ihn nicht davon abhalten, sie unbedingt heiraten zu wollen. Was in anderen Romanen schon ein Happy End wäre, steht hier am Anfang: Richard und Isabel heiraten. Wie wir Leser es von einer anständigen Familiensaga erwarten können, folgen nun einige eher harmonische Jahre mit der Geburt dreier Kinder. Als Richard sich nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges als Freiwilliger meldet, nimmt das Schicksal seinen Lauf. Seine Kriegsverwundung, die Aufnahme einer Pflegetochter und ein dunkles Geheimnis aus Isabels Vergangenheit führen zu Lebenswegen der Familienmitglieder, die etwas die schicksalgebeutelten Buddenbrooks erinnern. Doch Richards Familie hat eher die Fähigkeit, selbst in schwierigen Zeiten aufeinander zuzugehen und miteinander zu sprechen. Dieser Liebes-, Familien- und Schicksalsroman las sich mitunter fast wie ein Krimi. Die Erzählperspektive ist gut gewählt, mit einem Ich-Erzähler wäre es deutlich platter ausgefallen. Judith Lennox hat mit diesem Roman eine stimmige Geschichte erzählt - mit einer großen Vielfalt an Gefühlen wie Liebe, Hass, Verlangen, Sehnsucht, Gleichgültigkeit, Schuld und Abhängigkeit. Die Handlungszeit ist gut gewählt, die beiden Weltkriege konnten so prima als Handlungsrahmen genutzt werden. Die Beschreibungen des Handlungsortes sind nicht nur geografisch korrekt, sondern so liebevoll geschrieben, dass ich beim Lesen am liebsten meine Koffer gepackt hätte und mich auf den Weg auf die Britischen Inseln gemacht hätte. Sogar das Cover passt, es könnte Isabel auf dem Weg zu ihrem Haus zeigen.
Buchinhalt Die zwanzigjährige Isabel Zeale und der fünfundzwanzigjährige Richard Finborough finden durch einen Wink des Schicksals trotz aller Klassenunterschiede zueinander. Sie ist Hausangestellte mit fraglicher Zukunft und verwerflicher Vergangenheit aus Lynton, er ein gut gestellter Gutsbesitzer und selbständiger Geschäftsmann aus London. Entgegen sämtlicher gesellschaftlicher Konventionen schließen sie nach einem Heiratsantrag, dem es nicht an Dramaturgie mangelte, den Bund der Ehe. Diese Heirat ist gleichbedeutend mit einem Schnitt unter die Vergangenheit Isabels und kennzeichnet für sie einen Neustart an Richards Seite mit vielen Annehmlichkeiten des standesgemäßen Lebens. Dennoch fehlen ihr die Erziehung, Gewöhnung und nicht zuletzt das Selbstbewusstsein, sich ungezwungen und unbeschwert in der Gesellschaft von Adel, Financiers und Unternehmern zu bewegen. Isabel und Richard bekommen die Söhne Philip und Theodore Thomas, kurz Theo. Sie verleben ein ganz normales Familienleben mit Lachen und Streiten, bis schließlich der erste Weltkrieg bevorsteht und Richard, zu Isabels Unverständnis, in den Dienst der Armee eintritt. Kurz bevor Richard nach Frankreich abkommandiert wird, erblickt ihre Tochter Sara das Licht der Welt. In den Kriegswirren erfährt Richard viel Leid und Grausamkeit. Anblicke, Geräusche und Gerüche nehmen ihn gefangen, zerstören sein Weltbild und lassen ihn an der Existenz Gottes zweifeln. Inmitten der Gefechte wird er schwer verwundet und einzig der Gedanke an seine Familie gibt ihm Kraft weiterzuleben. Als Retter in der Not erweist sich sein Kamerad Nicholas Chance. Nachdem er dienstuntauglich aus dem Militär entlassen wurde, versucht er mit Arbeit, Alkohol und Frauen die Geister des Grauens und die Leere zu vertreiben und ins Leben zurückzufinden. Wie es das Schicksal will, kann sich Richard für die Rettung seines Lebens durch Nicholas Chance erkenntlich zeigen, indem er nach dessen Verschwinden seine Tochter Ruby als Pflegetochter zu sich nimmt und ihre Mutter Etta im Sanatorium unterbringt und damit beiden das Dahinvegetieren in Armut erspart. Die Jahre ziehen vorüber, die Kinder werden erwachsen und jeder Charakter sucht seinen eigenen Weg. Richard Finborough strebt seit jeher nach Macht, Reichtum und Erfolg. Mit einem Gespür für aufstrebende Industriezweige, wie der Elektrobranche und dem Maschinenbau, ist es nicht verwunderlich, dass er in kürzester Zeit ein Firmenimperium aufbaut. Entgegen Richards Erwartungen kann sich der Nachwuchs jedoch kaum bzw. gar nicht für den Einstieg ins Familienunternehmen begeistern. Ruby macht sich auf die Suche nach ihrem verschollenen Vater und entdeckt Erstaunliches. Sie fasst Fuß in der Schriftstellerei und es gelingt ihr, sich vollends von den Finboroughs unabhängig zu machen und für sich und ihre Mutter aus eigener Kraft aufzukommen. Theo entwickelt sich zum Einzelgänger und zieht über Jahre ein Leben fernab der Familie vor. Sein Traum ist es, ein großer Künstler zu werden. Saras Liebe zu Anton Wolff, einem Österreicher, findet vorerst ein unglückliches Ende, nicht zuletzt durch die kompromisslose Einmischung Richards. Sie sucht einen Neuanfang in Irland und lebt einige Zeit bei ihrer Großmutter auf Raheen, wo sie eine zukunftsträchtige Begegnung macht. Selbst Philip, der erst wie geplant in die Fußstapfen des Vaters tritt und in dessen Firma Fuß fasst, kehrt Richard schließlich den Rücken und ehelicht zudem eine Frau, die auch in Richard Finboroughs Leben keine unbedeutende Rolle einnahm. Während der Leser bereits in Kapitel 2 um Isabels Vergangenheit erfährt, holt Richard dieses Geheimnis erst viele Jahrzehnte später ein. Es kommt zu einem Bruch zwischen den beiden und Isabel zieht sich nach Cornwall zurück. Und schon befinden wir uns zusammen mit den Hauptfiguren des Romans inmitten der Wirren des zweiten Weltkriegs und die Geschehnisse nehmen ihren Lauf…
Im Anschluss an ‚Das Haus in den Wolken’ beschreibt Judith Lennox was ihr beim Schreiben ihrer Romane wichtig ist und nimmt dabei Bezug auf einige ihrer Werke.
Meine Meinung Ein wunderschönes, ergreifendes Buch, das Liebes- und Schicksalsroman, Familiengeschichte und sogar eine kleine Prise Krimi miteinander vereint. Judith Lennox lässt uns in ‚Das Haus in den Wolken’ teilhaben an guten wie auch schlechten Zeiten, Irrungen und Wirrungen, aber auch glücklichen Fügungen der Finboroughs und weiteren Personen ihres unmittelbaren Umgangs. Ihre Erzählung reicht über rund 33 Jahre und ist dabei in vier Zeitspannen unterteilt: 1909-1928 (Die rote Königin), 1928-1936 (Die Pflegetochter), 1936-1940 (Bis morgen) und 1940-1942 (Der Fluss und die See). Ein jeweils anderer Fokus und zahlreiche fließende Perspektivenwechsel bieten gelungene Abwechslung beim Lesen. Während ich im Thriller- bzw. Krimi-Genre vorwiegend die Ich-Perspektive bevorzuge, ist es bei diesem Roman eindeutig von Vorteil, die Gefühle und Standpunkte aller Figuren nachempfinden zu können. Stets um Korrektheit bemüht, verbindet Judith Lennox Entwicklungen von Menschen und Umgebungen mit den jeweiligen geschichtlichen Begebenheiten. Sie vermittelt nur allzu deutlich wie gesellschaftliche Regeln zur damaligen Zeit die Selbstverwirklichung der Menschen, insbesondere der Frauen, bereits im Keim erstickte. Was nicht dem guten Ton entsprach, sollte strengstens unterbleiben, andernfalls wurde jeder, der nur irgendwie aus der Reihe fiel, konsequent mit Missachtung gestraft. Doch auch der Standesdünkel unterliegt dem Wandel der Zeit. Schon an Philip, Theo, Sara und Ruby ist erkennbar, wie sich Menschen und Einstellungen weiterentwickeln. Sie wählen schließlich ihre Lebenspartner unabhängig der Erwartungen von Gesellschaft und Eltern. Die Autorin verfügt über ein unglaubliches Repertoire an Worten und Stilelementen, das den Leser schon nach wenigen Sätzen komplett in der Handlung versinken lässt. Mit viel Feingefühl und Sorgfalt zeichnet Judith Lennox eindrucksvolle Charaktere, Atmosphäre und Umgebung. Ausgezeichnet durch menschliche Tiefe sind die verschiedenen Handlungsstränge absolut glaubhaft und nachvollziehbar dargestellt. Man fühlt mit, man fiebert mit, man leidet und man freut sich mit den Protagonisten. Auch wenn ich in der Regel kein Freund von allzu sehr konstruierten oder übertriebenen Happy-Ends bin und daher weitestgehend neutrale, traurige oder komplizierte Enden bevorzuge, ist es doch in diesem Fall schön zu lesen, dass sich die Charaktere, jeder auf seine Weise, Gedanken um sich und die anderen macht und schließlich und endlich das Wesentliche und Wichtige im Leben nicht aus den Augen verliert. So kommt es, dass die Protagonisten Kompromisse eingehen und erfreulicherweise fähig sind, in einer schwierigen Zeit wieder zueinander zu finden.
Fazit Meinem Eindruck nach der Leseprobe wurde ‚Das Haus in den Wolken’ nicht nur gerecht, sondern konnte diesen sogar noch um den fehlenden Wertungsstern verbessern. Judith Lennox war mir, trotz ihrer zahlreichen Werke, bisher nur als Autorenname ein Begriff. Nach ‚Das Haus in den Wolken’ freue ich mich bereits auf das nächste Buch, das ich von ihr zur Hand nehmen werde! Von mir erhält die Autorin volle Punktzahl für ihr fulminantes Werk.
Zum Autor: Die Bestsellerautorin Judith Lennox, 1953 in Salisbury geboren, wuchs in Hampshire auf. Mit ihren mittlerweile 14 Büchern, die alle bei Piper vorliegen, hat sie auf Deutsch schon mehr als 1,8 Millionen Leserinnen gewonnen. Judith Lennox liebt Gärtnern und ausgedehnte Wanderungen, alte Häuser und historische Stätten. Sie lebt mit ihrem Mann in Cambridge und Derbyshire; die beiden sind Eltern dreier erwachsener Söhne. Zuletzt erschienen von Judith Lennox „Alle meine Schwestern“ und „Der einzige Brief“. (Klappentext des Romans)
Meine Rezension: Eine Autopanne zwingt den jungen wohlhabenden Richard Finborough dazu, sich einige Zeit in einer kleinen idyllischen Ortschaft niederzulassen, die er ansonsten wahrscheinlich nicht einmal eines Blickes gewürdigt und links liegen gelassen hätte. Dort versucht er, sich die Wartezeit, die die Reparatur seines Wagens in Anspruch nimmt, mit Spaziergängen in dem beschaulichen Örtchen mitten „in der Wildnis“ zu verkürzen.
Und hier findet die Geschichte ihren Anfang. Auf eben einem dieser Spaziergänge trifft Richard auf die bildhübsche, aber unnahbare Isabel Zeale, die bei einem kürzlich verstorbenen älteren Herrn ihre Dienste als Haushälterin geleistet hat. Richard verliebt sich beim ersten Anblick in Isabel und er beginnt, ihre Distanziertheit zu bekämpfen. Behutsam und langsam lernen sich Richard und Isabel kennen. Doch Isabel misstraut dem reichen Gentleman. Ist sie doch ihres Standes wegen stets auf der Hut und weiß nur zu gut, dass betuchte Männer wie Richard einer ist, es meist auf nicht mehr abgesehen haben, als eine Liebschaft oder Bettbekanntschaft und sie bleibt nach außen hin kühl und abweisend gegenüber den Annäherungsversuchen seitens Richard.
Doch Isabels Leben ist karg geworden: Mr. Hawkins, dessen Anwesen „Orchard House“ sie reinlich hielt, den sie umsorgte und der ihr eine Zuflucht auf seinem Anwesen bot, ist tot. Das Haus ist einem entfernten Verwandten vermacht worden, der dieses schon bald mit seiner Familie beziehen will und Isabel dort nicht mehr gebrauchen kann. Die Leute im Dorf sind feindselig ihr gegenüber eingestellt und machen ihr das Leben von Tag zu Tag schwerer. Doch Richard gibt nicht auf, beteuert Isabel ständig seine Liebe und überschüttet sie mit Liebesbeweisen bis sie eines Tages dem Drängen Richards nachgibt….
Für mich hat hier beim Lesen eine Art Familien-Epos begonnen. Der Leser begleitet Richard und Isabel fast durch ihr ganzes Leben. Er fühlt mit ihnen ihre Liebe und auch ihre Streitigkeiten, begleitet sie bei der Geburt ihrer Kinder und ist dabei, als die Kinder flügge und erwachsen werden. Der Roman nimmt den Leser mit auf eine Reise der Familie Finborough, ihrer Kinder und deren Freunde und Bekannte und schon bald fühlt man sich, dank dem Schreibstil von Judith Lennox, selbst als Teil davon. Das unbeschwerte Leben der Finboroughs wird jedoch schon bald von den Kriegswirren des ersten und später des zweiten Weltkrieges überschattet, die aus Richard, Isabel und deren Kindern andere Menschen werden lassen und Spuren bei ihnen hinterlegen. Und nicht zu Letzt gibt es da noch ein düsteres Geheimnis, das Isabel bisher vor allen verborgen halten konnte. Das Leben der Finboroughs mit all seinen Höhen und Tiefen hat mich tief in seinen Bann gezogen und begeistert.
„Das Haus in den Wolken“ ist für mich, als eigentlichen Thriller- und Krimifan, das erste Buch seiner Art gewesen, das die historische Erzählung, den Liebesroman und die Geschichte einmalig miteinander vereint. Hatte ich anfangs Zweifel, gelang es Judith Lennox schon nach den ersten Seiten, mir diese zu nehmen und ließ mich in ein Familienleben Einblick halten, dass ich nur ungern wieder verlassen habe.
Dieses Buch ist für mich der Beginn gewesen, über den „Tellerrand“ hinauszuschauen und mich auch auf Genres einzulassen, denen ich früher einmal negativ gegenüber stand.
Vielen Dank an Judith Lennox und „Das Haus in den Wolken“ – einem Roman voller Gefühl - zum Träumen, zum Lachen und zum Weinen.