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Vor mir den Tag und hinter mir die Nacht PDF Drucken E-Mail
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Autor/in: Jakob Hein
ISBN-10: 349205207X
ISBN-13: 978-3492052078
Verlag: Piper
Genre: Belletristik
Seitenanzahl: 174
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Veröffentlicht in : , Belletristik
Schlüsselworte : jakobhein
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Benutzerkommentare (23) RSS feed Kommentar
Geschrieben von villawiebke, am 22-04-2009 11:06,
1. Vom Sinn oder Unsinn des Lebens
Boris Moser betreibt eine Agentur für verworfene Ideen. Das Besondere daran ist, dass die meisten Ideen von ihm selbst stammen. Bewappnet mit einem kleinen Heft, seinem Ideensammler, wandert er durchs Leben und notiert alles, was ihm interessant erscheint. Das Einzige, was er nicht mehr notiert, sind Romananfänge. Davon hat er genug. So fristet er sein Dasein in einem kleinen Büro, bis eines Tages eine junge Frau namens Rebecca zufällig in sein Leben tritt. Hin und wieder besucht sie Boris und gerade weil er ein wenig schräg drauf ist, fasziniert er sie. Voller Neugierde auf die verworfenen Ideen, die sich Boris akribisch notiert, stößt Rebecca auf die Romananfänge und möchte diese kennen lernen. Nach anfänglichem Sträuben beginnt Boris zu erzählen. 
 
Seine Geschichte beginnt damit, dass eine junge, gut aussehende Frau an einem Junimorgen plötzlich umfällt und regungslos auf dem Bürgersteig liegen bleibt. Noch als sie bewusstlos auf der Straße liegt, haben die Menschen um sie herum gewisse Ansprüche an sie. Alle wollen ihr helfen und erhoffen sich dafür eine Gegenleistung. So wie Mark, der sie beatmen möchte, damit sie später dankbar zu ihm aufsieht und ihn dabei unterstützt, aus seinem langweiligen Business-Leben auszusteigen. Oder Iris, die Geschäftsführerin eines Hotels, die sie gerne als beste Freundin hätte, um sich in ihrem Glanz zu sonnen und nette Männer kennen zu lernen. Doch bevor all diese Menschen sich auf sie stürzen können, erscheint zum Glück der Notarztwagen und mit ihm Sebastian, der sie auf ungewöhnliche Art und Weise von ihren Mitmenschen erlöst. Im Krankenhaus erzählt ihm Rebecca die Geschichte vom Maulwurf, der blind durchs Leben gehen muss. Dabei ist der Maulwurf niemand anderes als ein berühmter Schriftsteller, der ihr die Geschichte von Heiner diktierte, einem Menschen, der nach dem Sinn des Lebens sucht.  
 
Nach dem Prinzip der "Schachtel in der Schachtel" ist der Roman von Jacob Hein aufgebaut. Mit diesem System öffnet der Autor immer neue Geschichtsebenen, die er am Ende des Romans in umgekehrter Reihenfolge schlüssig auflöst. Im ersten Moment wirkt die ungewohnte Art der Erzählung für den Leser äußerst interessant, birgt aber einen hohen Anspruch in sich. Ständig ist er gefordert, die einzelnen Handlungsfäden im Auge zu behalten, um letztendlich die verschiedenartigen Geschichten in vollem Umfang genießen zu können. Geschichten, die nicht wie in anderen Büchern nacheinander, sondern ineinander erzählt werden. 
 
Das Buch von Jacob Hein kann wunderbar mit seinem Hauptprotagonisten Boris verglichen werden. Ungewöhnlich verrückt und schräg, aber auch humorvoll und witzig, gepaart mit einem gewissen intellektuellen Anspruch. Voller Enthusiasmus lässt der Autor seine Figuren über banale Themen, wie das richtige Teekochen oder auch das parasitäre Verhalten von Rucksäcken philosophieren, bis sie über der Kritik an Unzulänglichkeiten unserer Gesellschaft letztendlich in der Frage nach dem Sinn des Lebens gipfeln. Ein angenehmer Schreibstil, witzige Dialoge und liebevoll beschriebene Charaktere runden das Ganze ab und lassen es zu einem angenehmen Leseerlebnis werden, wobei letztendlich immer das Gefühl bleibt, dass der Autor mit seinen Geschichten eine nahezu grenzenlose Macht über die Fantasie des Lesers ausübt.
 
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Geschrieben von stjerneskud, am 28-03-2009 13:26,
2. Tag und Nacht auf der Suche nach dem Sin
Boris führt eine Agentur für verworfene Ideen in den Geschäftsräumen einer früheren Computerfirma. Er ist der Ansicht von der Aura der erfolgreichen Firma profitieren zu können - deren Schild hängt weiterhin über dem Laden und auch die Telefonnummer hat er übernommen. Deshalb wird er eines Tages von einer Frau angerufen, die ihren Computer in Reparatur geben will und wenige Stunden später betritt diese seinen Laden. Hals über Kopf verliebt sich Boris in sie und will sie nie wieder gehen lassen. Er beginnt ihr von nie verwirklichten Ideen zu erzählen und von einem seiner verworfenen Romananfänge. 
 
Es ist das erste Buch, das ich von Jakob Hein gelesen habe, aber vom Hocker gerissen hat es mich nicht. Es liest sich locker und leicht und der Anfang hat mir noch gut gefallen, nur zu den anderen Geschichten konnte ich keinen rechten Zugang finden und keine der Geschichten hat mich sonderlich angesprochen. Der Übergang vom dritten zum vierten Kapitel war mir nicht deutlich genug, dass ab da an Boris seine Romanidee erzählt und für mich hatte es den Anschein, dass eine komplett neue Geschichte begann, wobei es mir merkwürdig vorkam, dass eine Kurzgeschichte über drei Kapitel gehen sollte. Bestimmt hatte ich an dieser Stelle eine Pause eingelegt und beim Weiterlesen den Faden verloren und meinte mich in einer ganz neuen Geschichte zu befinden. Erst zum Ende des Buches hin, wurde mir der Zusammenhang klar.  
 
Für mich war es nichts, aber jemand anderer findet bestimmt gefallen an dem Buch.
 
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Geschrieben von Annabas, am 14-03-2009 10:10,
3. Der perfekte Milchkaffee ...
Inhaltsangabe: 
Boris Moser leitet die „Agentur für verworfene Ideen“. Zufällig schneit Rebecca, von der Moser sofort fasziniert ist, in sein Büro. Es entwickelt sich ein Gespräch und in dessen Verlauf erzählt er ihr von seinem Agenturkonzept und auch den Anfang eines verworfenen Romans, der eine ganz eigene Dynamik entwickelt. 
Der Roman spielt in der heutigen Zeit irgendwo in Deutschland. 
 
Der erste Satz: 
„Immer noch hing das Schild der alten Computerfirma über dem Laden.“ 
 
Meine Meinung zum Buch: 
Ich habe dieses Buch sehr gern gelesen, aber es ist schwierig, eine Rezension zu schreiben, denn es geht darin mehr um Gedanken und Einstellungen zum Leben als um eine ganz konkrete Handlung, die man nacherzählen könnte. 
Es waren auch gerade diese kleinen Gedanken, die mich so angesprochen und fasziniert haben. Egal ob es um den perfekten Milchkaffee, den Unterschied des Reisens mit Koffer oder Rucksack, die ideale Teezubereitung oder die Erlebnisse bei der Suche nach dem Sinn des Lebens geht – jeder dieser Gedanken ist wunderbar beschrieben. Das Buch regt an, selbst weiter zu forschen, seine eigenen Gedanken zu diesen Themen zu formulieren und für sich deutlich zu machen. Mehr kann man von einem Buch wohl nicht verlangen und Jakob Hein, von dem ich sonst noch kein anderes Buch gelesen habe, erfüllt diesen Anspruch vollkommen.  
Auch kommt der Humor nicht zu kurz, und das ist für mich ebenfalls ein wichtiges Kritierium: der Schlagabtausch an Anfang zwischen Boris und Rebecca brachte mich mehrfach zum Lachen. 
Positiv will ich auch noch die Vielschichtigkeit der Erzählweise hervorheben. Die Geschehnisse in der „Agentur der verworfenen Ideen“ sind der Rahmen für die Erzählung eines Romananfangs, in dem eine Frau von ihrem Arbeitgeber einen Romananfang diktiert bekommt, den sie aufschreiben soll. Und in diesem diktierten Romananfang geht es um Heiner, der auf der Suche nach dem Sinn des Lebens ist. Zu Beginn war diese Schachtelung etwas irritierend, aber als ich die unterschiedlichen Ebenen auseinandersortiert hatte, gefiel sie mir immer besser. 
 
Ich kann dieses Buch empfehlen! 
 
Viele Grüße von Annabas :)
 
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Geschrieben von hrafnaklukka, am 05-03-2009 15:58,
4. Matrjoschka oder der Sinn des Lebens
Der Roman „Vor mir den Tag und hinter mir die Nacht“ ist eine 174 Seiten starke Sammlung von vier Kurzgeschichten, die geschickt wie Matrjoschka-Puppen ineinander verschachtelt sind. 
Das Buch beginnt mit Boris, einem Ladenbesitzer mit einem Laden ohne Namen, der verworfene Ideen sammelt – Ideen die nutzlos, unzeitgemäß, unpassend oder unmoralisch sind, aber vielleicht zu einem anderen Zeitpunkt oder mit einer anderen Idee zusammen noch gebraucht werden könnten. Durch eine falsche Telefonnummer lernt er Rebbeca kennen. Ihr zeigt er die Geschichte von Sophie und Sebastian, in der Sophie Sebastian von ihrem blinden Arbeitgeber, dem Maulwurf, erzählt, der wiederum ein Buch über Heiner, Wolf und der Suche nach dem Sinn des Lebens schreibt. 
 
Der Titel des Buches ist irgendwie etwas verfehlt, ich konnte keine Beziehung zu dem Buch finden.  
Das Buch selber ist eigentlich sehr amüsant und kurzweilig geschrieben und kann in einem Rutsch durchgelesen werden. Es hat zwar Tiefgang, aber ohne schwerfällig zu wirken- der Autor bringt seine Alltags-Philosophie leicht wie ein Schmetterling im Frühling, zurück bleibt nur ein tiefes Wohlgefühl. Etwas gestört hat mich die hölzerne Sprechweise der Protagonisten, die wenig mit Alltagsgebräuchlicher Sprache gemein hat, dadurch hören sich die Dialoge etwas hölzern an. Außerdem sprechen sie alle auf die gleiche Art und Weise, - etwas kompliziert und ziemlich weitschweifig (ist mir besonders bei Rebeccas Monolog über Tee am Anfang und später bei Heiners Monolog über Kaffee aufgefallen. )Die Personen an sich sind jedoch durchaus sympathisch und liebenswert, ich habe jeden einzelnen ins Herz geschlossen. Auch ist dieses Buch in keine bestimmte Kategorie einzuordnen, ich würde sagen es gleicht schon einem Liebesroman, ist aber doch soviel mehr. Die Geschichten einzeln betrachtet sind sehr schön geschrieben und auch Aussagekräftig, und auch in gewissem Maße miteinander verwoben. Leider bleiben am Ende noch einige offene Fragen, so habe ich mich gefragt was aus Heiner und dem Maulwurf geworden ist. Was wirklich schade ist – das Lesevergnügen war mit 174 Seiten leider viel zu kurz, der Preis im Vergleich dazu relativ hoch.
 
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Geschrieben von D.Möhrke, am 28-02-2009 16:34,
5. Kurios - schön!
Gleich vier Geschichten verbergen sich in diesem recht schmalen Buch. Vier Geschichten, die sehr unterschiedlich sind und trotzdem einen ähnlichen Grundklang haben. Es wird über das Leben philosphiert, Vorurteile werden ausgeräumt, nie Erwartetes funktioniert plötzlich und der Leser wird mit ganz neuartigen, interessanten Betrachtungsweisen überrascht. 
 
Alles beginnt mit Boris. Er hat eine Agentur für verworfene Ideen gegründet und versucht diese Ideen zu sammeln und wieder zu einem Ganzen zu verknüpfen. Damit erhofft er sich neue, grundlegende Aussagen zu gewinnen, die für alle eine Bedeutung haben. Die meisten Ideen kommen jedoch von Boris selbst und das Einzige, was er wirklich gar nicht annimmt, sind Romananfänge, denn davon hat er ebenfalls selbst genügend geschrieben. Durch einen Zufall betritt nun Rebecca seine Agentur, die sonst nur er selbst betritt, und es entfacht ein Gespräch, dass von bildhafter Sprache, Humor und genialen Gedanken nur so sprüht. 
 
Boris, der in seinem ganzen Verhalten recht sonderbar, gar schräg, erscheint, ist eine liebenswerte Hauptfigur. Er ergänzt sich perfekt mit der direkten Rebecca, die sich durchsetzen kann und von ihrer Meinung vollkommen überzeugt ist. Dadurch gewinnt die Geschichte ziemlich an Schwung. Die skurrilen Gedanken Boris' und die Fäden, die die beiden daraus spinnen, gehen ein ganzes Stück über die gewöhnliche Blickweite der meisten Menschen hinaus. Dies wiederum ist ein Spiegelbild für die Beobachtungsgabe und Gedankentiefe des Autors. Sein Wortwitz und ein Fünkchen Ironie machen das Buch zu einem sprachlichen Genuss. 
 
Wie schon erwähnt, schreibt Boris selbst Romananfänge und wirklich nur die Anfänge. Einen davon stellt er Rebecca vor. So entsteht die erste Geschichte in der Geschichte. Das Ganze soll sich noch zwei mal wiederholen und letztendlich ist in jeder der ersten drei Geschichten eine neue verborgen. 
 
In der dritten Geschichte verliert das Buch für mich jedoch einiges an Spannung und die vierte war für mich dann endgültig eine zu viel. Die gelungene Überleitung zur zweiten Geschichte gelingt bei den anderen beiden nicht mehr so ganz, was sehr schade ist. Gerade sprachlich empfand ich das Buch doch bisher als sehr gelungen und auch die Geschichte war interessant und neuartig. 
 
Letztendlich lösen sich alle Geschichten wieder von innen nach außen auf und man gelangt zu Rebecca und Boris zurück. Zu diesem Zeitpunkt stellte sich dann auch wieder das besondere Lesevergüngen bei mir ein. 
 
Im Endeffekt kann man sagen, dass die Grundidee des Romanes ziemlich gut ist, aber Jakob Hein sie leider mit den vier Geschichten etwas zu weit ausreizt. Viel lieber hätte ich noch 100 Seiten mehr über Rebecca und Boris gelesen.
 
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Geschrieben von schliesi, am 28-02-2009 14:04,
6. Die Geschichte, die auf einer Geschichte
Inhalt: Rebecca kommt eines Tages in die Agentur für verworfene Ideen von Boris Moser. Boris fühlt sich von Rebecca so sehr angezogen, dass er gerne möchte, dass sie nie wieder seinen Laden verlässt. Sie ist auch sehr angetan von Boris und lässt sich auf ein langes Gespräch mit ihm ein. Boris erzählt ihr schließlich von einem verworfenen Romananfang, das wiederum ist die Geschichte von Sophia, die Gedankenlesen kann und aus dem Leben scheiden möchte, die ihre Geschichte dem Notarzt Sebastian erzählt. Diese Geschichte wiederum handelt von Sophia und dem ¿blinden Maulwurf¿, in dessen Auftrag sie eine Geschichte, die er ihr diktiert aufschreibt. Die Geschichte, welche der ¿blinde Maulwurf¿ Sophia diktiert handelt wiederum von Heiner, einem Wissenschafter, der dabei ist den Sinn des Lebens zu ergründen und es mithilfe von Wolf, mit dem er ins Gespräch kommt auch fast schafft. Danach geht es durch alle Geschichten wieder zurück zum Anfang des Buches zu Boris und Rebecca. Meine Meinung: Das Buch hat diese ganzen Handlungen wunderbar miteinander verknüpft, für mich wurde die Geschichte zu keiner Sekunde langweilig. Ich habe mich köstlich über die Ausschweifungen über die Zubereitung von Tee und Kaffee amüsiert, weil ich mich in diesen Punkten selbst wiedergefunden habe, auch bei mir muss Kaffee und Tee perfekt zubereitet sein. Ich habe das Buch 2 mal gelesen. Ein Mal von Anfang bis zum Ende und beim zweiten Mal jede Geschichte einzeln für sich. Mir hat Jakob Heins heitere und muntere Erzählweise, die zu keiner Zeit langweilig wird, sehr gut gefallen. Jakob Hein philosophiert in wunderbarer Weise über die alltäglichen Dinge des Lebens, die mich immer wieder zum Nachdenken und Innehalten angeregt haben. Der Wortwitz und die Kunst, mit der Hein die ganzen Geschichten miteinander verschachtelt hat, um schließlich wieder zum Anfang zurückzukehren, hat mich das Buch nicht wieder aus der Hand legen lassen. Leider bleibt das Ende ziemlich offen, ich hätte gern noch ein zwei Kapital weitergelesen, wie sich Geschichte mit Boris und Rebecca weiterentwickelt. Auch ist man am Ende des Buches keinen Schritt weiter, denn Heiner hat ja den Sinn des Lebens nur fast gefunden. Ich hatte allerdings auch nicht damit gerechnet, den Sinn des Lebens in diesem Buch zu finden. Dennoch habe ich das Buch sehr gerne gelesen und empfehle es als Lektüre weiter für Leute, die auch noch auf der Suche nach dem Sinn des Lebens sind.
 
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Geschrieben von Rednaxela, am 27-02-2009 17:43,
7. Ein philosophischer Kurzurlaub
Kurze Ausschnitte aus dem Leben verschiedener Menschen – so erscheint das Buch auf den ersten Blick. Jedoch wird viel mehr geboten. Denn das Leben der beschriebenen Personen ist immer auf eine bestimmte Art und Weise einzigartig, auch der Rahmen in dem dies präsentiert wird ist definitiv ungewöhnlich. 
Den Leser erwartet weniger eine stringente Geschichte, als vielmehr eine ausgedehnte Kurzgeschichte. Wie der Klappentext verrät geht es im Kern um einen Romananfang. Aber auch nach der Lektüre ist für mich weiterhin unklar geblieben, welcher Teil des Buches nun den Romananfang darstellt und welche Bereiche die „eigentliche Geschichte“ des Autors sein sollen. Vielleicht ist ja auch das ganze Buch oder jedes Kapitel für sich genommen der Romananfang? Diese Unklarheit ist allerdings eher inspirierend als enttäuschend, denn je nach Variante ergeben sich ganz neue Interpretationen des Gelesenen. 
 
Jakob Hein erzählt sehr mitreißend, immer leicht humorvoll, ohne ins Lächerliche abzugleiten. Auch wenn die Handlung teilweise übernatürliche oder übersinnliche Formen annimmt, wirkt alles in sich stimmig, die Figuren bleiben greifbar und man versteht ihre (oftmals verzweifelte) Situation.  
 
Fazit: Das Buch bietet auf ca. 170 Seiten enorm viel. Ich habe es in nicht einmal zwei Stunden verschlungen, nur um es danach gleich noch ein zweites Mal zu lesen. Es regt zum Nachdenken an und hat in mir die Frage aufgeworfen warum ich vorher noch nichts von dem Autor mitbekommen habe.
 
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Geschrieben von Karin1970, am 26-02-2009 18:58,
8. Erster Teil Hui, zweiter Teil...
Boris in seinem Verhalten sehr schräg und sonderbar (anders als die Masse halt) ist die Hauptfigur des Buches. Sein Gegenstück ist Rebecca; Selbstsicher, Bestimmt und Humorvoll. Die Geschichte des Buches gewinnt immer dann, wenn Rebecca ihre durchaus legitimen Fragen an Boris stellt und er diese in gewohnt schräger Art begründet. 
 
Alles beginnt damit das Rebecca zufällig auf das Geschäft von Boris stößt. Die Geschäftsidee so schräg wie Boris: Ein Geschäft für verworfene Ideen. 
Vormals war in diesem Laden eine Computerfirma. Rebecca ist von seiner Geschäftsidee, genauso wie von Boris selbst, fasziniert und so beschließt sie ihn öfter zu besuchen. Schon bald merkt sie das die meisten Ideen von Boris selbst stammen. 
Besonders die Romananfänge (von denen Boris redet), diese will Boris auf keinen Fall in seinem Laden für verworfene Ideen aufnehmen. 
Davon hat er nämlich ganze Schubladen voll. 
Wie sich beim lesen des Buches herausstellt ist es wieder einer von Boris schrägen Ideen. 
Eigentlich will er sie Rebecca auch gar nicht zeigen, aber da sie droht den Laden zu verlassen (und nie wieder kommen wird), lässt er sich erweichen. 
Ab hier übernimmt die zweite Geschichte, weniger so wie ich es persönlich von Jacob Hein gewohnt bin. 
 
Für mich ist das Buch in 2 Teile zu gliedern. 
Der eigentliche Roman, der von mir auch 4 Punkte bekommt (von 5 möglichen) 
Und der Roman im Roman, der von mir 3 Punkte bekommt. 
 
Schade finde ich nur das beide nicht miteinander konkurrieren können, ich hätte viel lieber noch mehr von Boris und Rebecca gelesen, aber die Geschichte hört einfach mittendrin auf. 
Und eine weitere unbeendete Geschichte beginnt. 
Ich fühle mich verhungert und kann mich kaum an die Geschichte um Wolf, Heiner, Sophia und anderen erinnern. Nur soviel, dass wohl Sophia gleich Rebecca ist. 
 
Den unmissverständlichen Wortwitz, den Jacob Hein immer bei existenziellen Romanen findet bleibt bei der Geschichte im Roman völlig außen vor.
 
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Geschrieben von Amber, am 26-02-2009 09:08,
9. Vor mir den Tag und hinter mir die Nacht
Wahrscheinlich hat Jakob Hein nicht eine Geschichte in seinem Kopf gehabt, sondern gleich drei. Und mit diesem Buch hat er es geschafft alle drei Geschichten in einer einzigen zu vereinen. 
In der ersten Geschichte will Boris Moser seine Traumfrau Rebecca, die plötzlich in seinem Laden steht nicht mehr gehen lassen. Mit wunderbar witzigen Dialogen über Dinge wie Toilettenschüsseln und Teebeuteln schafft Jakob Hein eine nette Rahmenbedingung für die anderen beiden Geschichten. Geht es in der ersten Geschichte noch witzig zu, wendet er sich in der zweiten einem etwas ernsteren Thema zu. Hier geht es um Hoffnungen. Eine Frau wird zur Symbolfigur der Hoffnung. Wenn Menschen sie auf der Straße erblicken,dann hoffen sie der Freund dieser Frau zu werden und dass diese Begegnung ihr Leben verbessern wird. 
In der dritten Geschichte geht es dann um die philosophische Frage nach dem Sinn des Lebens. Wer hier noch den Witz der ersten Geschichte erwartet der wird leider enttäuscht. Jakob Hein schreibt nun deutlich ernster aber immer noch in einer sehr schönen lockeren Schreibweise, damit diese Kost nicht zu schwer wird. 
Einen eindeutigen roten Faden gibt es bei diesem Buch leider nicht, da jede Geschichte ein anderes Sinnthema hat. 
Die Charaktere in diesem Buch sind liebevoll beschrieben und die eine oder andere wunderliche Person ist dazwischen, allerdings haben sie durch die Kürze des Buches (nur 174 Seiten und leider in sehr großer Schrift!) keinen Tiefgang. Man möchte gerne noch mehr über sie erfahren als das Buch preisgibt. 
Durch den lockeren Schreibstil Heins fliegt man nur so über die Seiten hinweg. Hat man sich einmal hingesetzt und mit dem Buch angefange kann es sein, dass man plötzlich schon am Ende ist ohne einmal innegehalten zu haben.
 
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Geschrieben von Everett, am 14-02-2009 18:13,
10. Mal etwas anderes
Durch Zufall, oder auch nicht, betritt Rebecca den Laden von Boris, die Agentur für verworfene Ideen. Rebecca findet ihn und seine Agentur schräg, ist aber so interessiert, dass sie wieder kommt, was Boris nicht erwarten kann. Sie haben eine tolle Unterhaltung und Boris erzählt ihr von seinen verworfenen Romananfängen und der einen Geschichte, die nicht nach dem Anfang endet. 
Der Geschichte von Sophia und Heiner und dem Sinn des Lebens. 
 
Ein schönes kleines Buch, das meiner Meinung nach auch nicht umfangreicher sein müsste. Mir blieb als besonders gelungen die Erzählung von Rebecca über die Zubereitung von Tee und dem Unsinn von Teebeuteln im Gedächtnis. Sehr gelungen, wie sich die Geschichte von Boris entwickelt, wohin sie führt. Die Sprache, die eigentlich kurz gehaltenen Erzählstränge haben mir gefallen. Eigentlich, weil ich es dann während der Geschichte um Heiner dann streckenweise etwas zu viel fand. Beeindruckt haben mich die verschiedenen Geschichten, die sich durch den Sturz von Sophia entwickelt haben und wohin sie führen. Ich dachte da spontan an einen verzweigten Baum. Man kommt schon ins Grübeln, über den Wahnwitz unseres Daseins. Würde ich jetzt mehr schreiben, würde ich zu viel über das Buch verraten. 
Am Ende hätte ich mir mehr von der Unterhaltung zwischen Boris und Rebecca gewünscht.
 
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Geschrieben von Tuppi, am 13-02-2009 11:27,
11. interessant
Boris Moser hat sein Büro im ehemaligen Computerladen Pixelbrain. Er sammelt verworfene Ideen, mit denen die Leute nichts anfangen können. Eines Tages meldet sich Rebecca Kron bei ihm, da er auch die Telefonnummer des Computerladens übernommen hat. Eigentlich wollte sie nur ihren Computer reparieren lassen, aber nach dem Gespräch war sie neugierig und besuchte den komischen Kauz. Beim nächsten Besuch erzählte ihr Boris von seiner angefangenen Geschichte. Es geht um Sophia, die plötzlich bewußtlos auf der Straße zusammengebrochen ist und um drei Menschen, die auf ihre große Liebe warten. 
 
Das Buch ist locker geschrieben. Man findet sich schnell zurecht und die Charaktere werden sehr gut dargestellt. Das Buch fängt ohne große Einführung an, sodaß man von Anfang an mittendrin steckt. Anfangs eine leichte Lektüre für Zwischendurch, die amüsant geschrieben ist. Nach ungefähr einem Viertel des Buches beginnt die Geschichte in der Geschichte. Und diese Geschichte beinhaltet wieder eine Geschichte. Während Boris über Sophia schreibt, erzählt diese in der Geschichte von Heiner, einem jungen Mann, der den Sinn des Lebens sucht. 
 
Die einzelnen Seiten des Buches bestehen aus dickerem Papier. Ungewöhnlich ist, daß sich die Übersicht der einzelnen Kapitel nicht am Anfang sondern am Ende des Buches befinden. Auch unterscheidet sich der Stil des Buches deutlich von anderen Büchern, denn es geht nicht um eine einzige Geschichte, sondern in diesem Buch werden mehrere Kurzgeschichten zusammengefasst. Anfangs war es etwas verwirrend, die Sprünge zu verstehen. Aber am Ende versteht man die Zusammenhänge: Boris hat ein Buch begonnen in dem der Maulwurf (Sophias Arbeitgeber) seinerseits ein Buch begonnen hatte. Aber man muß das Buch zu Ende lesen, um den Zusammenhang wirklich verstehen zu können. Das Buch regt zum Nachdenken über das Leben an, welcher Sinn steckt darin und warum muß alles so kompliziert sein. Ein interessantes Buch mit einem offenen Ende...
 
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Geschrieben von silkedb, am 27-01-2009 09:16,
12. Tag oder Nacht ist hier egal
Inhalt: 
Boris Moser ist Gründer, Inhaber und bester Kunde der Agentur für verworfene Ideen. 
Durch einen Zufall macht er die Bekanntschaft von Rebecca Kron. Sie kommen ins Gespräch und Boris erläutert ihr, was das Fatale an Romananfängen für seine Branche ist. 
Boris selber hat einen Romananfang geschrieben und auf Drängen von Rebecca beginnt er daraus zu erzählen … 
 
Meine Meinung: 
Eine Geschichte in einer Geschichte in einer Geschichte in einer Geschichte. 
"Vor mir den Tag und hinter mir die Nacht" ist kein flacher Roman, sondern eine in sich verschachtelte Geschichte. 
Für mich stellt die Rahmenhandlung von Boris und seiner Agentur für verworfene Ideen hierbei die Perlmuttschale einer Muschel dar. Die Geschichte von Sophia, die von Boris erdacht wurde ist für mich die wertvolle Perle in der Muschel. Alles was ab dieser Stelle folgt, wie die Geschichte um Wolf und Heiner, die Sophia diktiert wird, ist jedoch das störende Sandkorn. Es ist noch keine Perle, wird vielleicht auch nie eine werden und ist für mich im Moment nur störender Schmutz, der bei der Betrachtung der Perle stört. 
Die Grundidee des Romans ist sehr ungewöhnlich, schön und fesselnd. 
Aber die Längen im Mittelteil, haben mir das Lesevergnügen doch sehr genommen und es viel mir schwer, mich auf den Text zu konzentrieren. 
Jakob Hein gelingt es stellenweise sehr gut, einfühlsame Passagen zu schaffen, doch kommt der äußere Geschichtenrahmen einfach viel zu kurz. Ich hätte lieber auf die innen gelagerten Geschichten verzichtet und dafür mehr von Sophia, Rebecca und Boris erfahren. 
 
Fazit: 
Weniger Geschichten in einem Roman wäre hier eindeutig mehr gewesen.
 
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Geschrieben von LilStar, am 12-01-2009 16:18,
13. Vor mir tolle Bücher hinter mir nichts?
Boris Moser hat eine Agentur für verworfene Ideen. Ein Lebenstraum, den er sich erfüllt hat. Als eines Tages die schöne Rebecca in den Laden kommt, versucht er sie zu beeindrucken indem er ihr einen verworfenen Romananfang erzählt.  
Mit dieser Erzählung beginnt dann die zweite Geschichte. Eine Geschichte über eine Frau namens Sophia, in der die Leute immer das sehen, was ihnen gerade fehlt oder was ihnen helfen würde. Allerdings ist Sophia nun selbst in Not, denn sie ist umgefallen und der Arzt Sebastian sitzt nun an ihrem Bett, als die Bewusstlose anfängt mit ihm zu sprechen und ihm eine Geschichte erzählt.  
Diese Geschichte handelt von Sophia selbst und wie sie einmal für einen alten Mann gearbeitet hat, für den den sie seinen Roman tippen sollte.  
In diesem Roman ging es um Heiner, der beinahe den Sinn des Lebens entdeckt hätte und um Wolf, der verhinderte, dass Heiner je den Sinn des Lebens entdecken und sein Ergebnis auch veröffentlichen konnte.  
Am Ende lösen sich die einzelnen Geschichten schön wieder ineinander auf und es ist gut nachvollziehbar, was nun wo gerade passiert ist. 
 
Die Idee an sich, mehrere Geschichten in einer unterzubringen fand ich nicht schlecht. Eigentlich sogar recht gut. Allerdings waren mir diese Geschichten einfach ein bisschen zu wenig, zu sinnlos um das Gesamtwerk wirklich als gut zu bezeichnen. 
Natürlich, ein wenig philosophisch ging es zu, man konnte sich Gedanken über kleine Dinge machen. Aber die habe ich mir einfach nicht gemacht, denn das Buch hatte einfach keinen so großen Eindruck auf mich hinterlassen, dass ich mich dazu veranlasst gefühlt hätte. Leider. 
 
Für mich bleibt dieses Buch so einfach völlig flach und farblos. Etwas, woran ich mich wohl nach einigen Tagen nicht mehr wirklich erinnern werden. Die wenigen Seiten waren wirklich einfach zu wenig für so viel Inhalt.
 
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Geschrieben von urlaubsbille, am 27-10-2008 14:12,
14. Vor mir den Tag und hinter mir die Nacht
Es ist ein kurzweiliger Liebesroman, der etwas verworren anmutet, aber dann doch klar zum Ende führt. 
Mit einer Portion Humor und Ironie ist die Sprache leicht verständlich und gut nachvollziehbar. 
Mir hat das Buch Spaß gemacht, und einen kurzweiligen Tag beschert.
 
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Geschrieben von sillesoeren, am 26-10-2008 08:48,
15. Was Tee und Milchkaffee verbindet
Allein für die detailverliebten Monologe der jeweiligen Protagonisten zur vollendeten Herstellung von Tee und Milchkaffee an vollkommen unterschiedlichen Stellen im Buch hat sich die Lektüre gelohnt. Das liest sich jetzt vielleicht profan, aber jemand, der einen philosophischen Roman schreibt, bei dem es um den Sinn des Lebens geht, und dabei so viel Zeit und Schreibenergie auf die Zubereitung von Heißgetränken verwendet, hat den Sinn des Lebens vielleicht sogar schon gefunden. 
 
Jakob Hein hat es fertig gebracht, auf nur 174 Seiten vier Geschichten ineinander zu verschachteln, sympathische Charaktere einzuführen, mitreißend zu erzählen und am Ende alle Schachteln mit einem passenden Deckel zu versehen. Allein die äußere Schachtel mit der Agentur für verworfene Idee hat mir so gut gefallen, dass ich mir davon ein ganzes Buch erhofft hätte. Doch hier will der Autor dem Leser wohl sagen: bring deine verworfenen Ideen nicht in eine Agentur, sammele sie selbst und mach das Beste draus. Viele zufriedene Menschen führen ein Notizbuch, in dem kunterbunt zusammengewürfelt noch nicht ausprobierte Rezepte, Ideen für einen Romananfang, to-do-Listen und Sammlungen möglicher Weihnachtsgeschenke enthalten sind. Daran fühlte ich mich beim Lesen der "äußeren Schachtel" erinnert. 
 
Die nächste Schachtel spricht aus dem Leben: Wer will nicht lieber einer jungen, hübschen Frau helfen, wenn sie bewusstlos auf der Straße zusammenbricht, als einem alten, hässlichen Menschen, obwohl dieser viel nötiger auf Hilfe angewiesen ist? Leider sind wir Menschen so, das ist auch eine meiner Erfahrungen aus DRK-Einsätzen. 
 
Der alte Maulwurf aus der nächsten Schachtel ist vielleicht ein typischer Vertreter seiner Generation: altersstarrsinnig, uneinsichtig und doch voller Träume und Ideen. Ich könnte diesen Kerl knuddeln, wenn er wieder gegen ein Möbelstück gelaufen ist. 
 
Bei der innersten Schachtel kann der Leser nicht einmal sicher sein, ob sich darin nicht noch eine oder mehrere weitere Schachteln verbergen, von denen ihm der Autor nur nichts verraten will. Hut ab, Jakob Hein traut sich an jedes Thema heran und geht sogar mit dem Sinn des Lebens so scheinbar mühelos - fast schwerelos - um, dass ich beim Lesen immer wieder lächeln musste. Die Moral dieser Geschichte ist schnell erkannt: Hüte dich vor deinen Wünschen, sie könnten in Erfüllung gehen! 
 
Das Buch in sich ist absurd: Boris spricht von Romananfängen, am Ende sind aber alles jeweils abgeschlossene Geschichten, selbst die Rahmenhandlung findet ein Happy End. Auch nach dem Zuklappend er Buchdeckel hänge ich noch vielen Gedanken nach, besonders zu Heiner, der beinahe den Sinn der Lebens entdeckte. Nun hat er die Möglichkeit und nutzt sie nicht. Oder wurde er schon fündig und merkt es (noch) nicht? Alles in allem ist dieser Roman ein Lesevergnügen für ein paar gemütliche und nachdenkliche Stunden mit Tiefgang, ohne so schwerfällig oder kitschig zu werden, wie viele andere philosophische Romane.
 
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Geschrieben von Stephi, am 15-10-2008 19:19,
16. Einfach nur klasse!
Boris ist Inhaber einer Agentur für verworfene Ideen. Er trifft auf Rebecca. Beide kennen sich nicht, aber es entsteht ein interessanten Gespräch zwischen beiden, was die Grundlage für den weiteren Verlauf des Buches bildet. Ihre Gesprächsthemen sind unterschiedlichster Art, die Themenwechsel kann man vielleicht nicht immer nachvollziehen, aber dennoch lässt sich dem Gespräch ohne große Mühe folgen. Der Leser bekommt einen tiefen Einblick in Boris’ Gedankenwelt und hat somit die Möglichkeit, ihn einerseits ziemlich gut kennen zu lernen und andererseits seine Denkweise zu verstehen. 
 
Das Besondere am Buch Jakob Heins ist der Aufbau. Innerhalb der eigentlichen Handlung werden zwei weitere Geschichten erzählt – es gibt eine Handlung in der Handlung in der Handlung. Das hört sich im ersten Moment vielleicht ungewöhnlich an und es stellt sich sicher die Frage, ob das funktionieren kann – die Antwort ist ganz einfach: Ja! 
 
Boris liest Rebecca einen von ihm verfassten Romananfang vor, welcher wiederum den Anfang eines Buches beinhaltet. Durch dieses Aufmachen von neuen Geschichten erzeugt Hein immer wieder Spannung. Glücklicherweise sind wirklich alle Teilgeschichten sehr gelungen und haben mich wirklich in ihren Bann gezogen. Alle sind sehr tiefgründig, zum Teil bewegend und ziemlich philosophisch angehaucht (die Frage nach dem Sinn des Lebens wird gestellt). 
 
Man bekommt als Leser nicht das Gefühl, dass die Verknüpfung der einzelnen Geschichten aufgesetzt ist. Im Gegenteil – der Lesefluss wird positiv beeinflusst und der Überraschungsmoment erhöht den Spaß an dem Buch. 
 
Auch die Rückkehr zur Ausgangsgeschichte und damit zu Boris und Rebecca ist sehr gelungen. Nach und nach schließen sich die anderen Handlungsstränge und man erfährt endlich, wie es mit Boris und Rebecca weiter geht. Natürlich war dies von Anfang an die Hauptfrage, aber der Einschub der anderen Geschichten war trotzdem in keiner Weise störend. 
 
„Vor mir den Tag und hinter mir die Nacht“ ist ein sehr tiefgründiges, ruhiges Buch, was trotzdem sehr unterhaltsam ist und mit Sicherheit zum Nachdenken anregt.
 
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Geschrieben von sassenach, am 29-09-2008 13:50,
17. Gebrauchsanleitung für´s Leben
Bisher kannte ich von Jakob Hein nur die „Gebrauchsanweisung für Berlin“. Obwohl „Vor mir den Tag und hinter mir die Nacht“ ein Roman und kein Reiseführer ist, erinnert mich der Stil ein wenig an die „Gebrauchsanweisung“. Dort erzählt Jakob Hein kurze Geschichten über Berlin, in seinem neusten Werk lässt er seine beiden Hauptfiguren viele lesenswerte Episoden über die Suche nach dem Sinn des Lebens erzählen und erleben. Diese werden geschickt zu einem Ganzen verflochten. 
 
Boris besitzt eine „Agentur für verworfene Ideen“, in der er Tag für Tag auf Kunden wartet. Seine erste Kundin ist dann ausgerechnet seine ihm bis dahin unbekannte Traumfrau, Rebecca. Das erste Gespräch der beiden ist ein bunter Reigen von mehr oder minder absurden Überlegungen, die mich immer wieder schmunzeln ließen. Damit Rebecca die Agentur nicht verlässt und aus seinem Leben verschwindet, erzählt Boris ihr einen seiner gesammelten Romananfänge. 
 
Wie auch in „Vor mir den Tag und hinter mir die Nacht“ geht es in Boris’ Roman um zwischenmenschliche Beziehungen. Die Hauptfigur Heiner sucht nach dem Sinn des Lebens und seinem eigenen Glück. Diese Suche gestaltet sich natürlich nicht einfach und das gewünschte Ergebnis bleibt auch aus. Jakob versucht, mit Rebecca einen gemeinsamen Weg zu finden, gemeinsam ins Licht, den Tag zu gehen und sein Leben als Einzelgänger, die Nacht, hinter sich zu lassen. So positiv wie der Titel wirkt auch die Handlung des Buches auf mich. 
 
Das Buch liest sich sehr locker, mit vielen originellen Sprachspielerien und treffenden Metaphern. Sogar die hinlängliche bekannte korrekte Zubereitung von Tee und Milchkaffee werden bei Jakob Hein zum sprachlichen Genuß. 
 
Alles in allem ein sehr empfehlenswertes, kurzweiliges Buch, das ich gerne weiterempfehle.
 
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Geschrieben von Jogl Bauer, am 25-09-2008 21:43,
18. "Quo vadis?"
„Wohin gehst du?“ 
„In’s Kino.“ 
„Was spielen sie?“ 
„Quo vadis?“ 
„Was heißt das?“ 
„Wohin gehst du?“ 
„In’s Kino.“ 
„Was ...?“ 
................ 
Dieser alte Endloswitz viel mir am Ende von Jakob Heins „Vor mir den Tag und hinter mir die Nacht“ ein. Irgendwie hatte ich das Gefühl, immer wieder an den oder die selben Punkte zu kommen und nichts wirklich neues zu erleben. 
Was nicht unbedingt etwas machen würde. Wenn es sich um einen Band mit verschiedenen kleinen Kurzgeschichten zum gleichen Thema handelte. Die Ganzheit des immerhin doch als Roman bezeichneten Buches erschließt sich mir allerdings leider nicht. Am Beginn war ich noch der hoffenden Meinung, es würde aus der Begegnung zwischen Boris und Rebbeca eine intensive Geschichte entstehen, oder das Buch würde sich zu einem skurilen Wirtschaftsroman um eine sehr ungewöhnliche Geschäftsidee entwickeln. Keinen der beiden Gedanken konnte ich später wieder finden. 
Verschieden Dialoge habe ich durchaus gemocht, sie auch witzig gefunden, aber eben für sich und nicht als Teil eines angeblichen Ganzen. 
Vielleicht kommt das Buch bei den Youngsters besser an als bei mir. Jedenfalls haben meine beiden etwa zwanzigjährigen Töchter lange Zähne bekommen, als sie es bei mir liegen sahen und darin blätterten.
 
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Geschrieben von annaw, am 25-09-2008 21:14,
19. Übersättigungsproblem
Boris Moser zählt sicher nicht zu den begehrten und erfolgsreichsten Männern überhaupt. Seine Agentur für verworfene Ideen scheint auf ersten Blick eine typische Insolvenzfalle zu sein. Umso mehr will er sich um die Gunsten der schönen Rebecca zu kümmern, die als erste „Kundin“ seinen Laden beträt. Sein Charme reicht da aber leider nicht aus. Um die Frau an sich länger zu binden, ist er gezwungen ihr von seinem bisher geheim gehaltenen Romananfang zu erzählen. 
 
Es geht um eine wunderschöne und perfekte Sophia, die von der Menschheit fluchtet, in dem sie eine Arbeit einer Sekretärin bei einem alten und blinden Schriftsteller annimmt, um seinen wahrscheinlich letzten Roman zu Papier zu bringen. Der Protagonist heißt Heiner, eine Art des modernen Faust, wenn man so will, und er ist nur einen Schritt davon entfernt den Sinn des Lebens zu erraten. Dabei trifft er auf den Wolf, der mit aller Kraft versucht ihm seine Pläne zu durchkreuzen. 
 
Auf seiner Suche nach dem Zweck des Seins, erstellt Heiner eine für mich sehr interessante These, nämlich dass die Menschen gar nicht nach der Glückseligkeit streben sondern nach dem Gegenteil. Der Mensch wird der Sachen, die er besitzt sehr schnell übersättigt, und es ist egal ob es sich dabei um Geld, Wissen oder Gefühle handelt. Das bekannteste Beispiel ist der mit dem Wasser. Für einen durstigen Mensch, der durch die Wüste marschiert, wäre ein Schluck Wasser unbezahlbar, wobei für einen der gemütlich zu Hause sitzt und mit verschiedenen Getränken besorgt ist, sei Glass Wasser nicht so wichtig. Vermutlich ist auch der Überdruss der Grund warum sich die Rebecca von jemand wie Boris angezogen fühlt. 
 
Allgemein gefällt mir das Buch sehr gut. Man kommt aus einer Geschichte gleich in die nächste, und jede scheint interessanter als die andere zu sein. Neben Sachen, über die der Leser zum Nachdenken gezwungen wird, gibt es viele Stellen, an denen man einfach lachen muss. Also nichts wie lesen!
 
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Geschrieben von hasewue, am 25-09-2008 17:27,
20. Vor mir der Tag und hinter mir die Nacht
Die Geschichte zwischen Boris und Rebecca bildet die Rahmenhandlung. Im 4. Kapitel beginnt Boris mit den Romananfängen, die sich fließend in den Verlauf der Geschichte einbinden. Dieses Mittelstück des Buches beinhaltet verschiedene Geschichten, die dann auch ineinander verschachtelt sind und es wirkt etwas verwirrend, aber irgendwo haben die Figuren dieser Romananfänge doch ihre Gemeinsamkeiten. Das Buch ist insgesamt doch sehr philosophisch gehalten und ich musste manches Mal etwas schmunzeln oder eben auch zustimmend nicken. Die unterschiedlichen Protagonisten streben alle nach dem Glück oder etwas, das für sie scheinbar kaum erreichbar ist. Kaum, dass sie sich in dieser gewünschten Situation befinden, sind sie auch wieder nicht glücklich damit. Ich denke, dass jeder solche Situationen aus seinem eigenen Leben kennt. Das ist auch der Grund weshalb ich geschmunzelt oder zustimmend genickt habe. Das Buch liest sich flüssig. 
Den Anfang fand ich auch ein bisschen langweilig,was sich aber zunehmend bessert,nachdem die „Geschichten in den Geschichten“ passieren. 
Ich werde auf alle Fälle auch noch „Herr Jensen steigt aus“ lesen und kann dieses Buch von Jakob Hein nur jeden wärmstens empfehlen.
 
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Geschrieben von Tista, am 20-09-2008 12:40,
21. Das Buch ist schräg - und ich liebe es!
Sie sind schräg", sagt Rebecca am Telefon. "Das gefällt mir." - Boris, der Tagträumer, weiß nicht, ob er das als Kompliment oder Beleidigung auffassen sollte! Rebecca ist nur durch Zufall an ihn geraten, als sie eigentlich einen Computerladen anrufen wollte, und nun erzählt Boris ihr von seinem Laden - seiner Agentur für verworfene Ideen. Und dann kommt Rebecca ihn im Laden besuchen und die zwei führen Gespräche über das richtige Teetrinken, darüber, welche Becken in öffentlichen Toiletten die richtigen und welche Becken in welchen Ländern so standard sind. Boris erklärt ihr seine verworfene Idee, dass z.B. so ein richtig alter Plattenladen noch Erfolg verspricht und als Rebecca sich dann verabschiedet möchte er sie am liebsten nie mehr gehen lassen. 
Ein paar Tage später aber - er wartet schon sehnsüchtig und traut sich nicht aus seinem Laden raus - kommt sie wieder und Boris erzählt ihr von seinen verworfenen Romananfängen - nur, damit sie aufmerksam zuhört und bei ihm bleibt und erzählt ihr die Geschichte von Sophia Roganski, einer jungen bildhübschen Frau, die Gedanken lesen kann und nicht mehr mit der Situation klar kommt und zusammenbricht, weil sie einfach nur schlafen möchte. Und daraus entsteht dann wiederum ein Dialog zwischen dem Arzt und Sophia, die ihm die Geschichte ihres Chefs, dem Maulwurf erzählt...... Viele Menschen kommen in diesem Buch vor - alle auf der Suche nach dem Sinn des Lebens (vielleicht perfekter Kaffee? Oder, dass der Berufsalltag eines Kellners im Wesentlichen nur durch die Gäste gestört wird!) und nach dem Glück, worunter natürlich jeder etwas anderes versteht. Ich will hier nicht zu viel verraten. Aber diese Geschichte ist in wunderbaren Worten geschrieben, voller Wortakrobatik und hintergründigem Humor. Auf jeder Seite wird dem Leser ein leichtes Lächeln entlockt und man fragt sich, welche grandiosen Ideen hat Jakob Hein auf der nächsten Seite wieder zu Papier gebracht. - Und wer wissen möchte, ob denn nun Rebecca und Boris ihr Glück finden, der sollte dieses Buch unbedingt lesen, sich Zeit nehmen und dieses Buch genießen.
 
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Geschrieben von Leonae, am 10-09-2008 20:40,
22. Vor mir den Tag und hinter mir die Nacht
Der neue Roman von Jakob Hein liest sich wirklich gut. Frisch und humorvoll wird die Geschichte von Boris und seiner Agentur für verworfene Ideen erzählt. Leider sind die einzigen Kunden nicht an seiner Agentur interessiert, sondern an dem Computerladen, der vorher in den Geschäftsräumen war. 
Doch dann kommt Rebecca in seine Agentur. Und die ist nicht nur hübsch, sondern auch eine tolle Gesprächspartnerin. Als das Gespräch ins stocken gerät, gilt sein einziger Gedanke Rebecca nicht zu gehen zu lassen und so erzählt er ihr von seinem Romananfang. Nun geht es um Sophie, einer jungen Frau, die für einen alten blinden Mann seinen Roman tippt. 
Und schon ist man mitten drin und liest die Geschichte von Heiner, der beinahe den Sinn des Lebens gefunden hätte. 
Mich hat der Roman restlos begeistert. Ein nettes, intelligentes Buch mit einem philosophischen Hauch, über das man nach dem Lesen gerne noch einige Zeit nachdenkt.  
Ein absolut lesenswertes Buch für ein paar schöne Momente.
 
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Geschrieben von Zabou1964, am 10-09-2008 00:12,
23. Skurril und doch philosophisch
Dieser Roman von Jakob Hein besteht eigentlich aus drei Geschichten, die ineinander verschachtelt sind. Den äußeren Rahmen bildet die Erzählung über Boris, der eine Agentur für verworfene Ideen gegründet hat. Er sitzt in seinem Laden Tag für Tag alleine und philosophiert vor sich hin, bis eines Tages die bildschöne Rebecca vor seinem Schreibtisch auftaucht und sich in sein Leben mischt. 
 
Ihr erzählt er von einem Romananfang, in dem die junge Sophia auf der Straße zusammenbricht und vom Notarzt Sebastian gerettet wird. Als der nachts an ihrem Bett sitzt, erzählt sie ihm im Koma liegend per Gedankenübertragung von ihrem Leben und ihrer Gabe, die Wünsche aller Menschen erkennen zu können und dem Zwang, diese auch erfüllen zu müssen. 
 
Den inneren Kern des Romans bildet dann die Geschichte von Heiner, der nach dem Sinn des Lebens sucht und von Wolf zu einer ungewöhnlichen Handlung verführt wird.  
 
Jakob Hein versteht es auf grandiose Weise, die deutsche Sprache für seine skurrilen und doch philosophischen Geschichten zu gebrauchen. Es gibt in dem Buch Abhandlungen über das Zubereiten von Tee und Milchschaum oder über den Sinn des Reisens. Als ich das las, habe ich mich gefragt, ob das jemanden interessiert. Aber es ist mir jetzt noch gut im Gedächtnis, also hat es mich wohl bewegt und ich denke immer wieder daran.  
 
Der Autor bringt immer wieder Nebenfiguren ins Geschehen, die eigentlich keine Bedeutung für die Geschichten, mich aber dennoch berührt haben. Da gibt es z.B. Iris, die gerne eine Freundin hätte, der sie all ihre Sorgen anvertrauen könnte. Oder der blinde Autor, der Sophia seinen Roman diktiert und dabei über seine Situation erzählt. 
 
Die zentrale Geschichte, in der Heiner sich mit dem Sinn des Lebens beschäftigt, hat mich am meisten zum Nachdenken gebracht. Irgendwie sind wir immer unzufrieden und wenn wir bekommen, was wir uns so sehnlich gewünscht haben, dann ist es uns auch wieder nicht recht.  
 
Dies war mein erstes Buch von Jakob Hein, aber ich habe mir heute schon „Herr Jensen steigt aus“ besorgt. Die restlichen Bücher des Autors stehen schon auf meiner Wunschliste. 
 
Fazit: Obwohl dies kein Aufsehen erregender Roman mit enorm viel Handlung ist, hat er mich tief bewegt mit seiner außergewöhnlichen Sprache und zum Nachdenken gebracht.
 
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