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Michael Buttler ist ein erfolgreicher Kurzgeschichtenautor. Zu seinen Genres
gehören vor allem Mystik und Fantastisches. Seine Stories sind inzwischen in
solchen Anthologien wie „Das Mädchen aus dem Wald“, „Die Frau hinter der Tür“
und vielen anderen erschienen. Mehr über den Autor kann man auf seiner Homepage
www.michael-buttler.de
erfahren.

Kurzvita
Michael, im Januar 1968 geboren, wohnt mit seiner Familie und Haustieren im
Rhein-Main-Gebiet. Dort arbeitet er als Bankkaufmann. Seine ersten Geschichten
wurden Anfang der Neunziger veröffentlicht. Sie spielten zunächst ausschließlich
im fantastischen Genre. Mittlerweile hat er auch den ganz „normalen“ Weltschmerz
für sich entdeckt, greift bei seinen Geschichten jedoch immer wieder gerne auf
die Fantastik zurück.
Interview
Michael, du bist inzwischen ein erfolgreicher Kurzgeschichtenautor. Wie
reagieren (haben reagiert) deine Familie und Freunde darauf, dass du ein
Schriftsteller bist?
Ich brauchte lange, um jemandem von meiner Schreiberei zu erzählen. Es ist
wichtig, wem man davon erzählt und wann. Neuigkeiten dieser Art gehen bei
bestimmten Leuten herum wie ein Lauffeuer und nicht jeder Verwandte und Bekannte
reagiert so, wie man es erwartet und erhofft. Bei Freunden sollte man sich
„sicher“ fühlen, das liegt in der Natur der Freundschaft. Für die Akzeptanz ist
ein noch so kleiner aber nachweisbarer Erfolg sehr hilfreich.
Meine Frau ist sehr verständnisvoll, wenn man bedenkt, dass ich viel Zeit mit
dem Computer verbringe und ich sie immer wieder nötige, meine Texte zu lesen und
auch noch etwas dazu zu sagen. Auch freut sie sich mit mir, wenn ich mal wieder
einen Text unterbringen kann.
Bei meiner mittlerweile 11-jährigen Tochter stößt meine Schreiberei auf
Interesse. Sie hat nun ebenfalls angefangen eine Geschichte zu schreiben.
Meine Eltern halten sich mit Äußerungen eher zurück. Das liegt wohl an unseren
unterschiedlichen Geschmäckern.
Mein Freund steht der Sache sehr aufgeschlossen gegenüber. Ein Teil meiner
Geschichten gefallen ihm sogar, zumindest sagt er das. „Irgendwann einmal kann
ich stolz sagen: Mit dem Kerl bin ich zusammen zur Schule gegangen.“ Das ist
seine mittlerweile standardisierte Antwort, wenn ich ihm wieder von einem
Erfolgserlebnis erzähle.
Nach meinen Erfahrungen sind Bekannte, die ebenfalls einer kreativen Tätigkeit
nachgehen, sehr gute Gesprächspartner über die böse Welt, die den Künstler nicht
ernst nimmt und verlacht. Zeichner, Maler (nicht Anstreicher) oder die Tante,
die einen Töpferkurs besucht bieten sich hierzu hervorragend an.
Deine aller-aller-erste Geschichte. Erzähle uns ein wenig darüber.
Es war irgendwann zwischen meinem 8. und 10. Geburtstag, als ich meine erste
Geschichte schrieb. Wenn ich angeben wollte, könnte ich sogar sagen, es handelte
sich um ein Bilderbuch, dessen äußere Form allerdings eine verblüffende
Ähnlichkeit mit einem ausrangiertem Schulheft hatte. Die Handlung war sehr
einfach: Da war ein Mann, der einfach seinen Tag verbrachte, der dies und jenes
tat. Zum Beispiel ging er in den Park und fütterte Enten; ein richtig spannender
Plot also. Ich weiß nicht einmal, ob die Geschichte ein Ende hatte. Dazu schnitt
ich aus einem alten Versandhauskatalog und aus Zeitschriften meiner Mutter
passende Bilder aus und klebte sie ein. Vielleicht malte ich auch zwei oder drei
Bilder selbst.
Wenn dir eine Idee kommt, wie arbeitest du dich vor, bis daraus eine gute
Story wird?
Das ist unterschiedlich und nicht immer kommt dabei eine gute Geschichte heraus.
Zumeist habe ich eine Anfangsidee oder ein bestimmtes Bild vor Augen. Ab dann
gibt es zwei Vorgehensweisen.
Manchmal versuche ich, den Verlauf der Geschichte im Voraus zu planen. Dabei
stellte sich heraus, dass 1. mir häufig kein guter Schluss einfällt, weil die
Geschichte mir selbst zu konstruiert vorkommt und sich 2. bei der Umsetzung
sowieso alles anders entwickelt als im Konzept vorgesehen.
Meistens schreibe ich dieses Bild auf und gebe ihm die Freiheit, sich selbst zu
entwickeln. Auf diese Weise entsteht das nächste Bild und so weiter. Ein gutes
Ende kommt dabei häufig von ganz alleine. Diese Kurzgeschichten sind bislang die
erfolgreichsten. Deshalb bevorzuge ich diese Methode.
Warum ich ab und zu wieder auf eine (potenziell erfolglose) Planung
zurückgreife, kann ich selbst nicht sagen. Vielleicht ist es der Wunsch, auch
einmal in so genannten geordneten Verhältnissen etwas Gutes zu Stande zu
bringen.
Für längere Texte halte ich es allerdings für sehr wichtig, einen Plan zu haben,
sonst hat man sich sehr schnell in der Handlung verstrickt und verliert den
roten Faden der Geschichte. Wenn es sich ergibt und es sinnvoll ist, kann man
den weiteren Verlauf auch bei einer geplanten Geschichte immer noch
modifizieren.
Generell muss aber jeder für sich ausprobieren, wie er am Besten beim Schreiben
zurecht kommt. Da kann es keine Empfehlung geben, denn wie in allen anderen
Dingen sind wir auch hier verschieden.
Wie gehst du beim Überarbeiten vor? Wwas würdest du dabei jungen Autoren
empfehlen?
Überarbeiten ist mehr als nur die Suche nach Rechtschreibfehlern.
Zuerst stelle ich mir die Frage, ob die Geschichte in sich schlüssig ist, ob sie
funktioniert und das ausdrückt, was ich von ihr erwarte. Dieser Schritt
geschieht zum Teil auch schon in den einzelnen Phasen des Schreibprozesses, wenn
zum Beispiel die Weiterentwicklung der Geschichte Änderungen in den vorherigen
Textpassagen erfordern. Das gilt auch für die Charaktere, ihr Verhalten und ihre
Sprache sowie die Stimmigkeit der Perspektive und ob sie sinnvoll gewählt wurde.
Hierbei fallen mir häufig noch Passagen auf, die noch besser ausgearbeitet
werden sollten, beispielsweise ein stärkeres Herausheben von Gefühlen, genauere
Situationsbeschreibungen.
Danach widme ich mich der sprachlichen Ungereimtheiten, überflüssigem Text und
der Füllsel. Davon können einzelne Wörter oder ganze Absätze betroffen sein,
manchmal auch die Straffung von Dialogen auf das Wesentliche. Auch wenn ich an
einer Passage sehr hänge, weil sie mir an sich gefällt, gilt: Wenn sie den Text
nicht von sich aus voran bringt – weg damit. Überflüssige oder unnötig
ausgedehnte Stellen kann ich gut lokalisieren, wenn ich mir die Geschichte
selbst leise vorlese.
Nun bekommt jemand meinen Text zu lesen. Oft genug gibt es gute Hinweise, die
mir auf Grund von Betriebsblindheit bislang nicht aufgefallen sind.
Die erste Veröffentlichung ist immer etwas Besonderes. Wie und wo war deine?
Ich bin schüchtern – zumindest was das Schreiben angeht. Aus diesem Grund
brauchte ich sehr lange dafür, aus meiner Deckung zu gehen. Es interessierte
mich nicht so sehr, ob Geschichten von mir veröffentlicht werden oder nicht. Ich
wollte einfach nur schreiben. Ich war dann schon über 20, als ich auf das Fandom
aufmerksam wurde. Hier brachte ich dann auch meine ersten Geschichten unter. Den
Anfang machte „Die Spuren im Schnee“ in der Zeitschrift „Fantasia“ des EDFC e.V.
(Erster Deutsche Fantasy Club e.V.). Ich freute mich sehr darüber, dass jemandem
meine Geschichte gut genug war, sie zu veröffentlichen, zumal ich (noch) kein
Mitglied des Vereins war. Schließlich ging ich auf Cons, knüpfte Kontakt mit
zwei, drei Herausgebern von Fanzines und bat ihnen einfach meine Geschichten an.
Erst mit dem Internet und dem Abo der „Federwelt“ erfuhr ich von weiteren
Ausschreibungen. Das ist noch gar nicht so lange her. Ich war da eher ein
Spätzünder, aber was soll´s. Auch jetzt noch will ich immer nur schreiben. Über
eine Veröffentlichung freue ich mich wie ein Kind auf die Sommerferien.
Inzwischen kann man auch deine Lesungen besuchen. Erzähle uns über deine
Erste.
Auch meine erste Lesung ist noch nicht lange her (Über meine Schüchternheit
berichtete ich bereits?). Sie fand am 30. März 2005 beim Darmstädter Spät Lese
Abend statt, zu dem ich mittlerweile auch regelmäßig zum Zuhören gehe. Zunächst
schaute ich mir das Ganze als Gast erst einmal an: Eine gute Hand voll Leute
waren das damals, überschaubar also. Ich meldete mich beim Veranstalter zum
Lesen an. Und dann kamen immerhin knapp über 20 Leute, bestimmt nicht wegen mir,
vielleicht wegen meinem „Kollegen“, mit dem ich mir die Veranstaltung teilte,
aber sie waren da. Dass ich schüchtern bin ist bekannt? Ich habe also ein
Problem vor einer Meute etwas vorzutragen, Lampenfieber. Aber ich überstand
diesen Abend irgendwie. Bei der nächsten Lesung war es einfacher für mich,
vielleicht auch, weil ich wusste, gutes Material dabei zu haben.
Die Vorbereitung lief folgendermaßen ab: Da ich als Zuhörer um den Geräuschpegel
wusste (Kneipengäste, die nicht zum Publikum gehörten, das ausdauernde Röcheln
der Kaffeemaschine, wenn wieder Milch aufgeschäumt wurde etc.) übte ich zuhause
lesen und simulierte mit eingeschaltetem Radio Störgeräusche. Natürlich stoppte
ich für die Programmplanung die Zeit.
Was war das schwierigste Thema, das du bis jetzt angefasst hast?
Ich habe selten gleich zu Beginn des Schreibprozesses DIE Idee. Manchmal fällt
mir zu einem Thema nicht viel ein. Meistens liegt es daran, dass ich wieder
versuche, irgendetwas zu konstruieren. Aktuell versuche ich mich an einer
Geschichte, zu der ich bereits vier Versionen habe, die mir alle nicht richtig
gefallen und bei denen ich kaum weiterkomme. Ich versuchte es schon zwei oder
drei Mal mit Clustering, doch das verzögerte die Ideenfindung bislang, denn das
System, das dahinter steht, war längst in meinem Kopf abgelaufen. Ich brachte
meinen geistigen Müll nur noch zu Papier. Das sind meine persönlichen
Erfahrungen. Immerhin ist Clustering eine anerkannte Methode, bei mir hat sie
leider noch nicht funktioniert.
Besonders heikle Themen wie Vergewaltigung oder Kinderschändungen ließ ich
bislang aus. Ich möchte bei solch heiklen Themen nicht falsch verstanden werden,
doch so Mancher bekommt eine bestimmte Formulierung vielleicht in den falschen
Hals. Jeder liest einen Text anders. Da kann vieles falsch verstanden werden.
Das ist es, was ich befürchte, doch irgendwann werde ich mich auch dem stellen.
Hast du beim Schreiben ein besonderes Ritual?
Es gab eine Zeit, da versuchte ich, Gewohnheiten zu installieren. Es ging damit
los, dass ich ausschließlich mit Bleistift schreiben wollte, was ich auch eine
ganze Weile durchhielt. Das Übertragen in eine Datei war die erste
Überarbeitung, doch das hatte viel Zeit in Anspruch genommen.
Als ich dann so weit war, den Text in einer einigermaßen guten Qualität direkt
in Word zu klappern, entfiel diese Zeit raubende Vorarbeit. Somit steht auch
fest, wo ich schreibe, nämlich dort, wo der Rechner steht.
Zunächst schrieb ich nach Lust und Laune, doch relativ wenig, denn die
Motivation immer konstant zu halten, viel mir schwer. Anschließend bestimmte ich
Wochentage, an denen ich auf jeden Fall schreiben wollte, die Pflicht sozusagen.
Das hat mehr oder weniger funktioniert.
Mittlerweile gehe ich anders vor. Ich setze mir persönliche Ziele. Um diese zu
erreichen, schreibe ich jetzt praktisch wieder, wann ich will. Und das ist
ziemlich oft.
Manchmal höre ich Musik beim Schreiben, jedoch darf sie keine festen Pop-
Rhythmen haben und keine deutschen Texte, denn das lenkt mich ab. Pink Floyd
eignet sich besonders gut oder der Soundtrack zu „Dracula“ aus der Verfilmung
von Coppola.
Viele Schriftsteller haben sie. Schreibblockaden. Quälen sie dich auch?
Nein, nur manchmal habe ich Schwierigkeiten mit dem Fortgang einer Geschichte.
Ich bin mir nicht sicher, ob die Problematik von Schreibblockaden manchmal nicht
zu hoch gehängt wird. Ein Autor, der über eine schwierige Zeit in seinem
schriftstellerischen Leben erzählen kann, ist doch interessanter als einer, bei
dem alles glatt läuft, nicht wahr? Aber vielleicht denke ich darüber irgendwann
einmal anders, nämlich dann, wenn es mich „erwischt“ hat.
Wie stellst du dir deine weitere schriftstellerische Karriere vor?
In erster Linie will ich schreiben. Das mache ich unabhängig davon, wie
erfolgreich ich Geschichten unters Volk bringen kann. Schließlich geht es darum,
den inneren Trieb zu befriedigen, nicht um Pokale zu sammeln.
Natürlich möchte ich zur persönlichen Bestätigung auch Erfolg haben.
Einen Roman bei einem mittleren oder großen Verlag unterzubringen, das wäre
nicht schlecht. Doch ich freue mich auch über jede andere Veröffentlichung.
Ich bin schließlich (noch) kein so großes Schwergewicht unter den
Schreiberlingen, da gibt es ganz andere Kaliber, auch unter denen, die noch
nicht vom Schreiben leben können.
Vielen Dank für das Gespräch, Michael!
Das Gespräch führte Olga A. Krouk ( www.olgakrouk.de )
Das Interview unterliegt dem Copyright. Die weitere Verbreitung ist nur mit der
schriftlichen Zustimmung von Michael Buttler oder Olga A. Krouk erlaubt.
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