Pferdekuss PDF Drucken E-Mail
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Autor/in: Christine Lehmann
ISBN-10: 386754171X
ISBN-13: 978-3867541718
Verlag: Argument
Genre: Krimi/Thriller
Seitenanzahl: 256
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Veröffentlicht in : , Krimi/Thriller
Schlüsselworte : christinelehmann
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Benutzerkommentare (2) RSS feed Kommentar
Geschrieben von Inga, am 31-05-2008 18:17,
1. Wendy-Feeling
Lisa Nerz ist Journalistin, doch agiert sie in diesem Roman in rein persönlichem Interesse: Ihr Schwiegervater, Gestütsbesitzer, feiert seinen 70. Geburtstag. Auf dem Gestüt entdeckt Lisa eine Leiche, ein totgetretenes Mädchen, so entstellt, dass nichtmal der Vater es zu 100% identifizieren kann. Lisa macht sich unabhängig von der Polizei auf Spurensuche, und es ergibt sich sogar die Chance, den Tod ihres Mannes vor 5 Jahren aufzuklären. Doch es wird gefährlich für Lisa! 
 
Meinung: 
Es fängt ganz nett an: Lisa reist zu ihrer Mutter, die sie selbst eigentlich nicht so wirklich leiden kann. Von dort aus folgen Besuche bei ihrem Schwiegervater, der ihr immernoch vorwirft, an das Erbe kommen zu wollen. Alles spitzt sich nach dem Fund der Leiche zu, ein Verdächtiger nach dem anderen erscheint auf der Bildfläche. Nicht zuletzt bleibt aber sogar die Frage "Wer ist die Leiche?" spannend, denn selbst das ist nicht von Anfang an klar. 
Auch dieser Ariadne-Krimi kann natürlich nicht ohne irgendwo eine verquere Sexualität anzuspielen, aber ich halte diese Anspielungen und vorallem auch Ausführungen und bildliche Darstellung hier für etwas extrem. Mir blieb an manch einer Stelle wirklich der Mund offen stehen!!!! 
 
Pferde sind hier das Hauptthema. Und genauso wird das Thema auch bearbeitet. Hat man vor dem Lesen keine Ahnung von Pferden, nach dem Roman wird man Spezialist in Sachen "auf dem richtigen Fuss traben" und der arabischen Zuchtlinie sein. Denn alles ist bis ins Detail erklärt, was in meinen Augen vollkommen unnötig ist. Es mutet ein bischen nach jung-Mädchen-Ponyhof-Roman an.  
 
Lisa Nerz ist als ungeheuer sympathische Person dargestellt, wie ich finde. Ich kann richtig mitfühlen, kann jede Gefühlsregung in Bezug auf ihre Mutter nachvollziehen. Einzig ihre sexuellen Neigungen kann ich nicht teilen! 
 
Im Gesamten ein ganz nett gemachter Roman, schnell zu lesen und auf jeden Fall auch unterhaltend. Der Spannungswert bleibt den ganzen Roman aufrecht.  
Trotz dessen kann ich nicht mehr als 3 Punkte geben, da dies leider nicht zu den Büchern zählen wird, welche ich vollkommen freizügig weiterempfehle!
 
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Geschrieben von Christel Scheja, am 28-05-2008 17:25,
2. unterhaltsame Lektüre für Fans...
Die Romane um Lisa Nerz sind überwiegend in Stuttgart und der näheren Umgebung angesiedelt, wobei die toughe Journalistin mit der Vorliebe für Männerkleidung und dem resoluten Auftreten auch schon einmal tief in die Schwäbische Alb oder die Ausläufer des Schwarzwalds reist.  
 
Nachdem sie in „Allmachtsdackel” die düstere Jugend ihres Freunds Richard kennen lernte, folgt sie diesmal einer Bitte ihrer Mutter in die eigene Vergangenheit. Sie fährt nach Vingen, um dort ein Wochenende zu verbringen und an der Feier des siebzigsten Geburtstags ihres Schwiegervaters teilzunehmen, auch wenn sie überhaupt keine Lust dazu hat.  
Denn mit ihrem Zuhause verbinden sich viele unangenehme Erinnerungen - die strenge Erziehung durch ihre erzkatholische Mutter, die Heirat mit Todt Gallion und den Unfall auf der nahen Landstraße, der in ihrem Gesicht eine Narbe hinterlassen und ihr Leben so grundlegend verändern sollte.  
Zwar hat sich einiges in dem Ort verändert, aber viele Ecken sind noch so, wie sie sie kannte. Ähnlich ist es mit dem Gestüt, das ihr Schwiegervater Friedrich Gallion zusammen mit seiner Tochter Sieglinde und einigen Angestellten wie der Haushälterin Mimi und dem Bestaller Hajo bewohnt.  
Schon bei ihrem ersten Besuch in den Stallungen fühlt sie sich in die Vergangenheit zurück versetzt, als sie noch die kleine Sekretärin war, die in den Gallion-Saftwerken arbeitete und den Kronprinz der Familie für sich gewinnen konnte. Der alte Mann ist so unfreundlich und derb wie eh und je, seine Tochter behandelt sie wie früher in einer Mischung aus aufgesetzter Freundlichkeit und eifersüchtiger Ablehnung.  
Fasziniert sieht Lisa dem Treiben zu, bis ein grauenhafter Fund die Anwesenden erschüttert. In der Box eines besonderes aggressiven Pferds befindet sich die kam mehr wieder zu erkennende Leiche einer Frau oder eines Mädchens. Handelt es sich vielleicht um eine der munteren Reitschülerinnen, die regelmäßig auf das Gut kommen? Als Lisa wie immer nicht die Nase aus der Angelegenheit lassen kann, kommt sie einem Geheimnis auf die Spur, das sie selbst betrifft.  
 
Auch in „Pferdekuss” gelingt es Christine Lehmann, erst eine scheinbar ungetrübte und harmonische Idylle zu zeichnen, aber man merkt schon früh, dass wieder einmal etwas nicht stimmt und von vielen nur eine Fassade aufrecht erhalten wird, um den anderen keine Angriffsfläche zu bieten. Das fängt mit Lisas Mutter an, die in ihrem Stolz nicht unbedingt verrät, wie arm sie wirklich ist, und geht hin bis zu den Gallions, die einiges zu verbergen haben und auch noch stolz darauf sind.  
Auch wenn das Verbrechen zunächst wie ein Unfall aussieht, so kommt Lisa doch schon bald hinter den Kulissen auf die Spur der Tragödie, an der auch sie selbst, ohne es zu wollen, einen Anteil hat. Wieder einmal bröckelt die gutbürgerliche Kulisse in einem Haushalt, der besser sein will als andere.  
Umgeben ist das von einer sehr lebendigen Handlung, die vor allem durch klar gezeichnete Figuren dominiert wird. Mit wenigen Strichen entwirft die Autorin glaubwürdige Personen, die man sich so in den schwäbischen Dörfern oder auf einem Pferdehof gut vorstellen kann. Man bekommt nie den Eindruck, dass sie damit Klischees bemüht.  
Und auch wenn das Buch von Alltäglichkeiten dominiert wird, so gibt es doch ein paar spannende Szenen, die der Handlung immer wieder eine neue Wendung geben. Der sarkastische Unterton der Geschichte tut sein Übriges dazu.  
 
In dem Sinne bietet „Pferdekuss” von Christine Lehmann eine kurzweilige und unterhaltsame Lektüre für alle Fans ihrer kauzigen Figuren und schrägen Situationen, die doch aus dem unmittelbar Leben gegriffen zu sein scheinen und immer wieder aufs Neue klar machen, dass gerade das Verbrechen oft hinter scheinbar heilen Mauern lauert.
 
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