Leo Beckers Leidenschaft ist das Malen. Mehr will er gar nicht. Doch als er dadurch berühmt wird, hat plötzlich jeder einen Anspruch auf seine Kunst: Max, der die Bilder hoch verkaufen möchte, Rahel, seine Ehefrau, die sich schon längst damit abgefunden hat, nur seine Managerin und Organisatorin zu sein und die Gesellschaft, die immer und immer mehr erwartet und da ist da auch noch Ebba, seine große Liebe von früher. Als er dann auch noch einen Auftrag für das Met in New York annimmt, laufen seine Gefühle Amok...
Meine Meinung:
Zunächst überraschte mich das Buch, dass es ganz anders anfing, als die Leseprobe versprach. Zwischendurch konnte ich es nicht weglegen, musste mich aber an manchen Stellen auch durchkämpfen. Warum ich trotzdem 4 Sterne vergebe: Man kann wunderbar in Leos Psyche hineinblicken. Er wollte eben nur malen und sich keinen Stempel aufdrücken lassen. Sein Umgang mit Frauen tut ihm sogar leid. Er weiß einfach nicht mehr, wem er vertrauen kann. Auch in die Psyche Ebbas und Rahels hat man einen Einblick. Es wird geschildert, wie Rahel sich mit Finn von ihrer kaputten Ehe versucht, abzulenken, es aber nicht schafft. Ebba liebt Leo noch immer, muss aber loslassen. Ich denke, Leo wollte einfach nur sein Leben leben. Künstler sein. Hier und da ein für sein Auge perfektes Werk erschaffen und nicht immer fortwährend Akte malen, weil man das erwartet. Malen unter Druck ist eine Sache. Entweder man hat eine kreative Phase oder man zeichnet nur vor sich hin. Da ich selber in meiner Freizeit öfter mal zu Stift und Papier greife, weiß ich das. Man kann das Blatt so lange anstarren, wie es nur geht oder man hat schon eine Idee, die man zeichnerisch umsetzen möchte. Ich konnte mich sehr sehr gut in Leos Situation eindenken und mitfühlen. Sein Empfinden spiegelt sich auch in seinen Bildern wieder: Zerstörung. Oder besser gesagt: Zerstört. Seine Ehe, seine zwischenmenschlichen Fähigkeiten, sein Gefühl für Harmonie. Harmonie ist Stillstand. Ich denke vielmehr, dass, wenn Harmonie herrschen würde, man alles hinterfragt und seinem Glück nicht traut. Leo braucht Ecken im Leben, an denen er sich festbeißt und diese niederzeichnet, um persönlich damit fertig zu werden.
Also: Ich finde das Buch sehr gelungen. Es muss meiner Meinung nach erst im Kopf wirken, bevor man ein endgültiges Resultat verfasst. Man sollte es nicht aburteilen, wenn man eine Seite über Farbenlehre oder Materialien liest, sondern an seinem Vorstellungsvermögen arbeiten. Das Atelier konnte ich mehr als einmal riechen.
In dem Buch "Gesellschaftsspiele" von Louise Jacobs geht es um einen Künstler namens Leo Becker, der unzufrieden mit sich, seiner Kunst und überhaupt mit allem scheint. Im Laufe der Geschichte erfährt man immer mehr über seine Beziehungen zu Frauen, Fehlentscheidungen und seltene Glücksmomente. Dabei spielt besonders sein Leben als Maler und Musiker, außerdem die Ehe mit seiner Frau eine große Rolle. Leo Becker wird immer wieder als Ekel, Scheusal, Egoist und als widersprüchlich hervorgehoben. Doch was will das Buch, oder vielmehr die Autorin uns sagen?
Der Text ist in gut verständlicher, alltäglicher Sprache formuliert und übermittelt Spannung. "Der Wind spielte in der Landschaft, und Leo schmeckte den alten Winter in der Luft." Die Autorin bedient sich vieler Metaphern, die mich teilweise an Zeilen aus Gedichten erinnern und den Text aufwerten. Die handelnden Personen sind wenig detailreich beschrieben, umso mehr die Handlungen. Dadurch, dass die Situationen aus mehreren Blickwinkeln beschrieben werden, wirken sie real und ergeben ein rundes Bild. Teilweise sind die Schilderungen seiner Lebensphasen langatmig. Das Buch baut auf Kapiteln auf und besteht aus sinnvoll angeordneten Teilen.
Die Geschichte verläuft ganz anders, als ich es erwartet hatte und endet unerwartet. Ich weiß nicht, was ich von dem Ende halten soll und frage mich, was die Autorin uns damit sagen will. Insgesamt hat mir das Buch gut gefallen und es erinnert daran, wie kurz das Leben sein kann und wie schwer es ist, den Platz in der Gesellschaft zu finden.
Erzählt werden die letzten Monate im Leben des Malers Leo Becker. In neun Monaten soll er zwölf Bilder für eine Ausstellung im Metropolitan Museum von New York anfertigen. Doch, obwohl er sich in ein Atelier im ländlichen Garz zurückgezogen hat, gerät er mehr und mehr unter Zeitdruck.
So wie es Leo nicht gelingt, das Gesicht seiner Frau Rahel in einem Bild zu malen, so erscheint auch die Ehe der beiden: gesichtslos. Auf Leos Geburtstagsfeier in Berlin kommt es zu einem kleinen Eklat, da er eine allzu offensichtliche Affäre seiner Frau nicht mehr hinnehmen kann. Leo sucht wieder die Nähe zu Ebba, seiner Geliebten aus vergangener Musikerzeit.
Louise Jacobs macht es mit ihrem Roman aus der Berliner Künstlerszene den Lesern nicht leicht.
Leo Becker bleibt unsympathisch, egoistisch und unfähig zu menschlichen Bindungen. Er ist zerrissen zwischen seiner Kunst, Geld und Ruhm. Auch Rahel, seine Frau,beschränkt sich auf die Vermarktung ihres Mannes, kühl spielt sie ihre Rolle in der Maschinerie "Kunstszene".
Die Figuren mögen flach, kalt und oberflächlich erscheinen, spiegeln damit aber nur das Geschäft um die Kunst wider. "Marken" sind gefragt, Inhalte sekundär. Alle Beteiligten, Künstler, Agenten, Galeristen, Sammler sind ständig auf der Suche, versuchen Einsamkeit und innere Leere durch "ihre Kunst" zu füllen.
Einzig Ebba, die ehemalige Geliebte, die sich ganz aus der Szene zurückgezogen hat, macht einen nachdenklichen und reflektierten Eindruck. So wundert es auch nicht, dass erst beim Wiedersehen Leo Emotionen, Wut, Angst artikulieren kann. Er vergleicht sich mit einer Spinne, die selbst die Fäden zieht und zugleich in ihrem Netz gefangen ist. Aber manchmal reicht auch das nicht aus....
Auch wenn Louise Jacobs die gängigen Klischees bemüht, Alkohol, Drogen, Sex, Krisen, empfand ich ihre Darstellung der Kunstszene nicht als überhöht.Die Autorin vermittelt ihre Intention klar und glaubhaft.
Leo Becker, der erfolgreiche Maler, sucht seinen Platz in der Welt der Kunst. Obwohl er alles hat - Erfolg, Anerkennung, Geld, fragt er sich, welchen Sinn die Malerei für ihn hat. Ihm geht es nur darum, sich über die Kunst auszudrücken. Er fühlt sich unverstanden und merkt, daß es inzwischen gar nicht mehr um seine Bilder, sondern um seinen Namen, seine „Marke“ geht. Immer mehr gerät er unter Druck, sei es, daß ihm nur noch wenig Zeit zur Verfügung steht, um seine Bilder für die so wichtige Ausstellung im Met-Museum in New York fertigzustellen, oder die Beziehung zu seiner Frau Rahel, die ihn betrügt. Wie soll es weitergehen – will er weiterhin mit seiner Frau zusammenbleiben, deren Portrait er nicht fertigstellen kann, da ihm der Bezug zu ihr bzw. zu ihrem Seelenleben fehlt, oder will er die Beziehung zu seiner ehemaligen Lebensgefährtin Ebba wieder aufleben lassen? Fragen über Fragen, die Leo schier überwältigen, überfordern. Sie machen ihn fast handlungsunfähig, seine Kunst stockt, seine Selbstzweifel werden immer größer. Er fühlt sich wie die eine goldene Spinne, Teil des Netzes und doch darin gefangen. Gleichzeitig muss er feststellen, daß nicht er alleine die Fäden seiner Zukunft in der Hand hält, denn schließlich muss er sich den Gesellschaftszwängen unterwerfen, sich Interviews stellen, Ausstellungen besuchen, allzeit gute Mine (zum bösen Spiel?) machen. Extra für diesen wichtigen Auftrag hat er sich aus der Großstadt Berlin aufs Land zurückgezogen und versucht dort, Abstand und die nötige Ruhe zu gewinnen, um die geforderten Bilder zu malen, die ihm inzwischen mehr Frust als Freude bereiten. Er merkt, daß die Zeiten vorbei sind, da seine Kunst unschuldige Spielerei, Hobby war, nun ist selbst er abhängig von der Rückmeldung, Anerkennung und Bestätigung durch Dritte, er sieht seine Malereien und Kunstwerke nicht mehr nur mit seinen Augen, sondern mit den Augen der Anderen und genau dies erfüllt ihn mit großer Angst.
Mir hat das Buch sehr gut gefallen, auch wenn ich es schade fand, den Ausgang des Buches bereits am Anfang im Prolog zu erfahren – das hätte ich mir doch gerne als Überraschungseffekt bis zum Schluss aufgehoben...! Auch der „Übertitel“ auf dem Cover mit dem Hinweis: „Wer hat Leo Becker getötet?“ passte nicht in mein Bild von diesem Buch, das zwar keine großen Höhen und Tiefen vorweisen kann, aber sich dennoch flüssig lesen lässt und einen kleinen Eindruck vermittelt, wie es in der Welt der Kunst zugeht... Ich habe dieses Buch mit großem Interesse gelesen, Einiges über die Welt und Nöte eines Künstlers erfahren und bin für die Lesedauer ein wenig in die Welt der Malerei eingetaucht...
Leo Becker steht unmittelbar vor dem Höhepunkt seiner Karriere. Für eine Ausstellung im New Yorker Metropolitan Museum soll er 12 neue Bilder malen. Dafür stehen im 9 Monate zur Verfügung und er zieht sich in sein Atelier im Ruppiner Land zurück um fristgerecht liefern zu können. Dem Druck und den Anforderungen kann er kaum Stand halten und Leo fühlt sich mehr denn je in seinem künstlerischen Schaffen eingeschränkt. Von seiner Frau Rahel entfernt er sich immer mehr und sie ist schließlich nur noch dafür da ihm den Rücken frei zu halten, seine Termine zu koordinieren und das Geschäftliche abzuwickeln. Ist Leo stark genug sich von den Ketten zu befreien und sein Leben nach seinen Wünschen zu leben?
Es ist der erste Roman, den ich von Louise Jacobs gelesen habe und ich tue mich schwer damit ein eindeutiges Urteil zu fällen. Im Großen und Ganzen hat er mir gut gefallen, nur lässt er ein Gefühl davon zurück, dass etwas fehlt um von ihm richtig angetan sein zu können. Nach dem Prolog hatte ich richtiggehend Lust darauf das Buch zu lesen und auch der Satz „Wer hat Leo Becker getötet?“ auf dem Umschlag machte mich neugierig auf die Geschichte. Man denkt sich ja wer weiß was, aber leider wird das Ende dem nicht gerecht und der Umstand des Todes ist deshalb umso enttäuschender. Auch bei dem Titel „Gesellschaftsspiele“ weiß man nicht so recht auf was man sich eigentlich einlässt.
Der Schreibstil hat mich überrascht und ich hatte nicht erwartet immer mal wieder wunderschöne Sätze zu lesen zu bekommen. Auch so war die Geschichte richtig gut geschrieben – dicht, intensiv und detailreich. Nichtsdestotrotz reichte meine Vorstellungskraft nicht für die Gemälde aus und ich hätte sie mir zu gerne einmal angesehen. Immer mal wieder versank ich in der Geschichte und folgte ihr gebannt. Nur die kursiv gesetzten Absätze konnte ich nicht richtig zuordnen – wurden sie gesagt oder von jemandem gedacht, sollten sie als Zitate herhalten oder zum Nachdenken anregen? Zwei oder dreimal fielen mir seltsame Sätze wie „Hast du den Obrocki gesehen? Erinnerst du dieses Bild?“ (S. 75) und „… führte nach dem Frühstück ihren Kopf an die Luft“ (S. 207). Vorallem letzterer wirkt unpassend und wenn er einen zum Schmunzeln hätte veranlassen sollen fehlt dem ganzen noch etwas. Die Details des medizinischen Befundes nach dem Unfall machten einen unpassenden Eindruck auf mich. Überhaupt ist das Ende wenig befriedigend und ein anderer Abgang aus dem Leben hätte besser zu Leo gepasst.
Als ich das Buch für eine Weile aus den Händen legte um etwas zu erledigen, ließ mich die Geschichte zunächst nicht los und hinterließ einen bleibenden Eindruck bei mir. Ich dachte über das Gelesene – über die zwischenmenschlichen Beziehungen in der Partnerschaft/Ehe, welche Ziele im Leben man sich setzt, an was man festhalten sollte und was man besser loslässt. Außerdem wurden die Punkte aufgezählt, weshalb ich mir niemals als Künstlerin meinen Lebensunterhalt verdienen wollen würde.
Mir ist unklar was mit der Geschichte bezweckt werden soll – soll bloß Leos Leben erzählt und ein zeitgenössisches Abbild der Kunstwelt gezeichnet werden oder soll Kritik daran geübt werden. Deshalb fällt es mir auch schwer ein klares Für oder Wider für den Roman auszusprechen, um ihn weiterempfehlen zu können.
Klappentext: Sie haben ihn gehypt. Sie haben ihm seine Liebe genommen. Leo Becker, mit Mitte dreißig kurz vor dem Höhepunkt seiner künstlerischen Karriere, muss sich entscheiden: zwischen seiner Ehefrau, die ihn betrügt, und einer alten Liebe, die er nicht vergessen kann.
Das Buch beginnt mit dem Tod des Hauptprotagonisten Leo Beckers. Ein inzwischen durchaus nicht mehr unübliches Mittel in der Literatur, doch ich denke, bei den "Gesellschaftsspielen" wäre es besser gewesen, das Ende noch nicht vornweg zu nehmen. Denn dann hätte man sich noch eher mit Leo identifizieren bzw. mit ihm mitfühlen/leiden können. Denn Leo Becker ist nicht gerade das, was man einen sympathischen Charakter nennt.
Aber nun zum eigentlichen Inhalt: Worum geht es in diesem Buch eigentlich? Was zweifellos im Vordergrund steht ist wie so oft die Liebe. Aber hier finden wir keine fröhliche, erfüllte Liebe, sondern eine Liebe, die langsam aber sicher den Bach runtergeht. Die "Luft ist raus" aus Leos und Rahels Ehe. Seitensprünge, andere Eskapaden, alte und neue Bekanntschaften scheinen es unmöglich zu machen, der Liebe wieder eine Chance zu geben.
Dann ist da noch der berufliche Druck, dem Leo ausgesetzt ist. Binnen einiger Monate hat er Bilder für eine Ausstellung in New York abzugeben. Doch wenn das Privatleben scheitert, ist es nicht einfach, seine Arbeit zur Zufriedenheit aller - einschließlich sich selbst zu erfüllen.
Der Leser darf miterleben, wie Leos Leben endet, was er in seinen letzten Lebensmonaten noch getan hat. Dank des flüssigen Schreibstils der Autorin lässt sich das Buch gut lesen. Dennoch scheint Leos Welt irgendwie unrealistisch und zu voll von Klischees. Ein Problem, das mir in vielen Büchern auffällt.
Gesellschaftsspiele ist ein recht netter Zeitvertreib, aber leider nicht wirklich mehr. Es ist vielleicht einfach etwas zu "künstlich".
Leo Becker ist ein angesehner und erfolgreicher Künstler. Er will anders sein, verachtet die Gesellschaft und die Normalität. Irgendwie scheint er sich für etwas besseres zu halten. Die Welt dreht sich nur um ihn. Jedenfalls verlangt er dies. Er wirkt sehr unsympathisch und das hält sich das ganze Buch über. Seiner Frau gegenüber tritt er sehr unnahbar, verschlossen und egoistisch auf. Er lässt sich allerdings auch zu sehr in das Klischee eines Künstlers drängen. Auf der einen Seite will er den Erfolg, auf der anderen Seite ist er nicht wirklich bereit dafür Kompromisse einzugehen und wenn, dann ist er mit diesen nicht glücklich. Leos Frau Rahel ist nicht weniger unsympathisch als Leo selbst. Sie wünscht sich mehr zu sein als sie ist. Sie will nicht nur die Frau des Künstlers sein, sondern eine eigenständige Persönlichkeit. Aber dafür hat sie einfach nicht das nötige Selbstbewusstsein. Auch Finn, ihre Affäre, ist keine wirklich sympathische Figur. Er handelt einfach so, wie es die Gesellschaft verlangt. Und dann ist da auch noch Ebba. Die ehemalige Freundin von Leo. Sie ist die einzige, die in diesem Buch zumindest ein wenig Sympathie mit sich bringt. Allerdings sind auch ihre wenigen beschriebenen Gefühle und Gedanken zu wirr.
Insgesamt ist die Geschichte recht nichtssagend und undurchsichtig. Ja, die Gesellschaft spielt. Mit sich selbst. Und die Gesellschaft erwartet, sie manipuliert. Ob das gut oder schlecht ist, das liegt wohl immer im Auge des Betrachters.
Jacobs Schreibstil hat mich an einigen Stellen ein wenig angeödet. Viele Wiederholungen und lange Ausführungen ermüden einen. Auch, dass das Ende bereits zu Beginn im Prolog mitgeteilt wird und dass darauf aber keine wirklich tolle Erkenntnis kommt, kein Aha-Effekt, nichts. Das hat mich ziemlich enttäuscht. Auf dem Cover steht die Frage "Wer hat Leo Becker getötet?". Tja. Meiner Ansicht nach bleibt diese Frage ungeklärt. Alles auf die Gesellschaft an sich zu schieben ist wohl ein wenig zu einfach und unreflektiert.
Insgesamt hat mir das Buch nicht gefallen und ich hatte mehrmals mit dem Gedanken gespielt es abzubrechen. Da es aber eh nur so kurz war mit seinen knappen 250 Seiten und ich immer noch auf eine Erkenntnis gehofft hatte, habe ich mich doch durchgequält.
Gesellschaftsspiele handelt von Leo Becker, einem Maler, der kurz vor einer großen Kunstausstellung in New York steht und dem Selbstzweifel quälen. Er kommt mit seinen Bildern nicht voran und ist unzufrieden mit sich und seinem Leben. Er schottet sich auf dem Land ab und hat wenig Kontakt zu seiner Frau Rahel, die ihn auch noch betrügt. Immer häufiger kreisen seine Gedanken um Ebba, einer alten Liebe, bei der er sich mehr Verständnis für seine Bedürfnisse und Ängste erhofft, als von Rahel, die mehr an seinem Erfolg und Ruhm intressiert zu sein scheint. Nebenbei werden die typischen Klischees, die um Künstler kreisen, aufgezeigt, wie z.B. Drogenkonsum, Sex und die schon erwähnten Selbstzweifel, die in einer Lebenskrise enden können.
Dieser Gesellschaftsroman von Louise Jacobs konnte mich so gar nicht überzeugen. Auch als nicht stark interessierter Kunstmensch, habe ich mir doch etwas mehr von diesem Buch versprochen. Die Protagonisten konnten bei mir keinerlei Sympathien wecken und blieben zum großen Teil arg an der Oberfläche. Was ich von Leo Becker halten soll, weiß ich überhaupt nicht. Dargestellt wird er als eine egoistische Person, die nur mit sich selbst beschäftigt ist, im Selbstmitleid ertrinkt und den Gefühlen der anderen Menschen um ihn herum keinerlei Beachtung schenkt. Rahel und Ebba in seiner Gesellschaft können einem eigentlich nur leid tun.
Für mich ein dünner und stark oberflächlicher Roman, der durch seine stellenweise poetischen Anmerkungen, die (Künstler) Geschichte um das Künstlerleben auch nicht lesenswerter macht.
Louise Jakobs Buch "Gesellschaftsspiele" ist ein Roman über die aktuelle Kunstszene. Leo Becker, 37 Jahre alt, ist der Protagonist. Nach zehn Jahren freiem künstlerischen Schaffens wird er entdeckt. Eine Ausstellung seiner Werke in einer Galerie bringt den Durchbruch und Erfolg. Leo erhält die einmalige, sensationelle Chance, einige seiner Bilder in New York in der MET auszustellen. Vier Bilder müssen noch fetiggestellt werden, aber Leo ist wie gelähmt; er hält den Druck nicht aus und kann seine Arbeit nicht vollenden.. Das Gesellschaftsspiel hat längst begonnen, und alles ist auf Leo fokussiert. Er hat sich korrumpieren lassen; nur das Geld zählt. Er wird am Marktwert seiner Bilder gemessen. Alle Strategien sind darauf ausgerichtet, den Preis nach oben zu treiben.. Umgeben ist er von vielen Menschen - falschen Freunden -, die wie Statisten zu diesem Spiel gehören. Man trifft sie überall, sie wollen dabeisein, sehen und gesehen werden und nichts verpassen. Man begegnet ihnen in Bars, auf Partys und in anderen Ausstellungen. Wenn man ihnen die Maske vom Gesicht zöge, so bliebe nur Oberflächlichkeit und Belanglosigkeit.. Louise Jakobs zeigt in einem - im gesamten Romantext verteilten - Psychogramm, wie sehr Leo in diesem Spiel leidet: Er ist erfüllt von Selbsthass, Leere, Selbstzweifeln, Schuldgefühlen und vor allem Einsamkeit. Es gibt nur drei Menschen, die ihm zeitweise etwas bedeuten: Da ist sein Freund Tobias, der ihm ehrlich seine Meinung sagt ( "Du willst ein Held sein und spuckst denen, die dich feiern, ins Gesicht."). Glückliche Jahre hat Leo mit seiner Frau Rachel verbracht. Sie ist eine Frau mit Minderwertigkeitskomplexen, und erst mit dem Erfolg ihres Mannes wird sie zu seiner ehrgeizigen Managerin. Allerdings steht sie in seiner schlimmsten Lebensphase, als zehn Tage vor dem Beginn der Ausstellung in New York seine Bilder noch nicht fertig sind, nicht zu ihm. Deswegen hängt Leo völlig ab, und Alkohol und Drogen führen ihn auf direktem Weg ins Krankenhaus. Leos dritter und letzter Anlaufpunkt ist seine ehemalige Freundin Ebba. Während eines gemeinsamen Abends sprechen beide über Leos Arbeit. Er öffnet sich ihr und spricht über seine Ängste und Selbstzweifel. Er hofft diese Beziehung nach seiner Ausstellung in New York wieder aufnehmen zu können. Beide Frauen lieben ihn, aber Rachel weiß, dass Leo sich schon längst von ihr getrennt hat. Ebba hingegen hat für sich entschieden, dass sie ihr frühere Beziehung zu Leo nicht wieder aufnehmen will. Das Buch beginnt mit einem Prolog: Leos Beerdigung. Ich finde dieses Stilmittel sehr gut, weil man beim Lesen des Romans viel intensiver auf mögliche Anzeichen achtet, die auf den Tod hinweisen könnten. Das Cover gefällt mir teilweise: Zwei Diagonale schneiden etwas von der Schrift "Gesellschaftsspiele" weg. Ist dies ein Hinweis auf die Zerrissenheit des Protagonisten? Mein Fazit: Da das Thema Künstlerszene überhaupt keinen Reiz auf mich ausübt, fand ich das Buch langweilig. Interessiert habe ich mich allerdings sehr für die Psyche des Protagonisten. Er kann ohne das leicht verdiente Geld nicht leben und willigt kurz nach seiner Ausstellung in die Vorbereitung einer Retrospektive seiner Schaffenszeit ein ... Er ist die goldene Spinne in seinem eigenen Netz.
Hier wird das Klischee des genialen, aber unverstandenen Malers, der von falschen Freunden sogar in den Drogensumpf gezogen wird, bis zum Gähnen ausgereizt. Genauso stellt man sich als Normalbürger das Künstlerleben vor...
Die Handlung ist minimalistisch aufgebaut und verliert sich sehr in unwichtigen Details, was teilweise zu Längen führt. Sehr aufschlußreich ist dagegen die philosophische Betrachtung von Malerei bzw. Kunst, die interessante Einblicke in das Thema gibt. Ebenso die Charakterisierung der empfindsamen, komplizierten und widersprüchlichen Künstlerseele ist gelungen. Daraus ergibt sich eine schwierige Beziehung zu den zwei wichtigen Frauen in seinem Leben, von denen nur seine ehemalige Freundin keine Ansprüche an ihn stellt. Die Ehefrau definiert sich nur über seinen Erfolg und setzt ihn deshalb, wie sein übriges Umfeld, unter Druck, dem er kaum mehr gewachsen ist.
Die auf dem Coverumschlag abgedruckte Frage: "Wer hat Leo Becker getötet ?" hat mich nachträglich sehr gestört, denn ohne den Schluß verraten zu wollen, weckt sie eine falsche Vorstellung bzw. Erwartung.
Insgesamt gesehen ist dieses Buch kein "Muß", besticht aber mit einer feinfühligen Atmosphäre.
Endlich ist der lang ersehnte Erfolg für Leo Becker da. Aber will er dafür auch den Preis bezahlen? Will er nun Bilder malen oder produzieren? Ist er Mensch oder Maschine? Leo zweifelt eigentlich an allem: seiner Ehe, seiner alten Liebe, seiner Berufung, sich selbst und seinem ganzen Leben. Ist es wirklich das, was er will? Und wenn nicht, gibt es einen Ausweg? Die Beschreibung des Kunstszene und der darin verwickelten Personen war mit zur flach und oberflächlich. Oder sollte genau dieser Eindruck entstehen? Ist diese Szene eventuell genau so und diese Geschichte nur ihr Spiegelbild? Mein Fazit: Ein Buch, durch das ich mit ziemlich "durchbeißen" mußte, da es nicht sehr fesselnd geschrieben ist und somit schnell langwierig werden kann. Leos Tod als Prolog hat dem Buch den Rest der eventuell vorhandenen Spannung komplett genommen.
Geschrieben von hrafnaklukka, am 12-05-2009 20:11,
12. Wie starb Leo Becker?
Die Geschichte handelt von dem Menschen und der „Marke“ Leo Becker. Direkt im Prolog werden wir mit seiner Beerdigung konfrontiert, an der die zwei Frauen in seinem Leben teilnehmen - seine Ehefrau Rahel und seine Jugendliebe Ebba. Das Buch handelt von den letzten Monaten des Malers, der früher auch mal Musiker war, die Musik aber zugunsten der Malerei aufgegeben hat. Leo und Rahel führen eine – mehr oder weniger- offene Beziehung, in der beide ihre Freiheiten haben, doch langsam verwischt der schmale Grat zwischen Freiheit und Gleichgültigkeit, um die Ehe der beiden steht es nicht gut. Zudem steht der Maler noch unter großem Leistungsdruck – für eine große Ausstellung in New York muß er 12 Bilder in 9 Monaten malen. Je mehr er erreicht, um so unzufriedener ist er und um so komplizierter wird sein Leben. Nach einem Drogenexzess, der im Krankenhaus endet, nimmt er Kontakt zu seiner Jugendliebe Ebba auf und versucht, in die Realität zurück zu finden. Das Buch ist nicht schlecht geschrieben und leicht zu lesen – packen konnte es mich aber dennoch nicht. Die Autorin hat zwar ein Faible für Details, dafür fehlt dem Buch aber leider die Tiefe. Die Personen sind sehr oberflächlich gezeichnet, die Hauptfigur Leo Becker ist egoistisch, egozentrisch und durchweg unsympathisch. Zu reich und zu profan sind die Menschen, als das ich mich hätte mit ihnen identifizieren können. Zu fremd ist dafür die Welt, um die es sich dabei dreht, zu künstlich und zu schön, als das ich mich hätte einfühlen können. Kein gängisches Klischee über die Kunstszene wird ausgelassen – Drogen, Sex und Schaffenskrisen. Gut gefallen hat mir die Analogie des Gesichtslosen Porträt, das zum Symbol für Leos Gefühle gegenüber Rahel wird und ein Auslöser für ihren Rückzug. Im Gegenzug dazu versucht er mit allen Mitteln, Ebba zu überreden für ihn Modell zu stehen. Das eigentliche Ende, das mit dem Prolog vorweg genommen wurde, ist für meinen Geschmack etwas zu einfach gehalten. Fazit: ein Buch, das man zwischendurch mal lesen kann, ein Muss ist es allerdings nicht.