Der Autor Tilman Röhrig hat in seinem neuesten historischen Roman mit seiner Sprache ein farbiges Bild, des bekanntesten und spektakulärsten Malers des italienischen Barocks, Michelangelo Merisi, genannt Caravaggio, gezeichnet.
Zu Beginn werden wir Zeuge eines Kunstraubes von vor vierzig Jahren. Aus einer kleinen Kapelle in Palermo wird das Gemälde der "Nativita" des Malers Caravaggio gestohlen und zwei Mafiosi bringen das Ölgemälde zu ihren Auftraggebern. Bis heute ist das Bild verschollen geblieben.
Dann führt uns der Autor zurück in die Zeit von Michelangelo Merisi. Er wird 1571 geboren und wächst in Caravaggio auf. Als Kind verliert er sehr früh seinen geliebten Großvater und Vater. Er selbst ist von seinem Talent überzeugt und seine Mutter möchte seine Neigung fördern. Sie bezahlt die teure Ausbildung bei einem Maler in Mailand. Doch schon hier hat er es nicht einfach, ein älterer Geselle nötigt ihn, wo er nur kann und bedrängt ihn auch sexuell. Sein Talent wird in der Lehre nicht ausreichend gewürdigt, doch er ist sich seines Könnens sehr bewusst und versucht sein Glück in Rom. Da er aber oft sehr jähzornig wird, kommt es hier zu Auseinandersetzungen in den Malerwerkstätten und er will seinen Weg alleine gehen. Doch dies ist in Rom unmöglich und so unterwirft er sich für einige Zeit seinem Mäzen Kardinal del Monte. Schutzlos ist er oft den Übergriffen seiner Feinde ausgesetzt, er fühlt sich verfolgt, nur seine Jugendliebe Paola hält zu ihm.
Wir begleiten Michelangelo Merisi auf seinen Irrwegen durch Rom, Palermo, Malta und Neapel. Sein Lebensstil ist stark geprägt von hohem Alkoholkonsum und bisexuellen Neigungen. Er ist eine schillernde Persönlichkeit, ein Maler zwischen Genie und Wahnsinn.
Bei seinen religiösen Bildern verwendet er häufig als Modelle einfache Menschen, Prostituierte und Lustknaben, um seine Heiligen zu malen und versteckt oft ironische Andeutungen in seinen Bildern.
Eine gut recherchierte und glaubwürdige Geschichte über das bunte, bewegte, viel zu kurze Leben des Malers. Ich war fasziniert von der Darstellung des Caravaggios, teilweise hatte ich Mitleid mit ihm, da er oft unfair von seinen Konkurrenten behandelt wurde. Auf der anderen Seite war er auch ein sehr von sich selbst überzeugter Maler.
Ein facettenreicher Roman, der mich ab der ersten Seite fesselte.
Dieser historische Roman von Tilman Röhrig ist nicht sein erstes Werk. Er handelt von Michelangelo Merisi, einem italienischen Maler, der in der Zeit von 1571 - 1610 gelebt hat.
Aufgewachsen ohne Vater, von harter Hand seines Großvaters geführt, entdeckt er sein Talent als Maler. Michele hat sich viel vorgenommen... er will berühmt werden und es aller Welt zeigen. Doch sein unbändiger Jähzorn steht ihm dabei häufig im Weg und bringt ihn immer wieder in schmerzhafte Situationen. Oft weiß er nicht, wie er sich entscheiden soll, auch in der Liebe. Paola, seine große Liebe seit der frühen Kindheit, oder Mario, sein Modell, sein "Prinz". Mehr oder weniger gemeinsam gehen die 3 einen oft steinigen, mühsamen Weg, bis ihm endlich Ruhm und Ehre zu Teil werden. Doch auch dieses Glück hält nicht lange an... zuviel Wein, zuviel Haß, zuviel Neid und ein Mord läßt vieles zerbrechen.
Das Leben, Lieben und Werken des Michelangelo hat mich sehr fasziniert. Die Darstellung von Farben und Formen, das Zusammenspiel von Licht und Schatten in seinem Leben und in seinen Bildern wird so lebendig beschrieben, dass es ein Leichtes ist, in diese Welt einzutauchen und zu versinken im Treiben der großen Plätze und kleinen Gassen von Rom und anderen Schauplätzen, die mal farbenfroh, oft aber auch dunkel und beängstigend wirken... zu einer Zeit, in der Ketzer verbrannt wurden und es neben dem Glauben der Kirche nichts anderes zu akzeptieren gab.
Im Jahr 1969 wurde aus einer Kapelle in Palermo ein Gemälde gestohlen, welches bis heute nicht wieder aufgetaucht ist. Ob im Besitz der Mafia oder einer reichen Einzelperson, der Verbleib des Bildes ist unbekannt.
Die Rede ist vom Gemälde „Nativita“ von Michelangelo Merisi da Caravaggio. Dieser Diebstahl ist der Auftakt zu Tilman Röhrigs Buch über das Leben des italienischen Malers.
Im Jahr 1571 geboren, wächst Michele, wie er nur genannt wird, wohlbehütet im Städtchen Caravaggio auf. Schon früh erkennt sein Großvater die Liebe des Jungen zur Malerei und schickt ihn in die Lehre bei einem Maler. Doch die Lehrjahre sind hart. Michele muss sich nicht nur gegen die Bedrängungen des älteren Gesellen des Malers wehren, sondern auch, nach Ende seiner Lehre, gegen den Spott anderer, die seinen Malstil für zu schlicht halten. Denn Michele malt revolutionär: statt den Hintergrund auszuschmücken, hält er ihn dunkel, statt antike Statuen verwendet er einfache Leute aus dem Volk, um die Heiligen in seinen Bildern darzustellen.
Trotz der Kritik lässt sich der junge Mann nicht unterkriegen. Überzeugt von seinem Talent, ist er fest entschlossen, einen reichen Gönner zu finden, der seine Karriere fördert. Und das gelingt ihm auch. Bald schon wird er mit Aufträgen überhäuft. Doch auch seine Neider bleiben nicht untätig. Man lässt ihn ausspionieren und mehrmals werden Anschläge auf seine Leben verübt, um ihn vom Malen abzuhalten. Als Michele bei solch einem Anschlag jemanden tötet, muss er aus Rom fliehen…
Röhrig zeichnet ein komplexes Charakterbild des Malers: einerseits verabscheut er Ungerechtigkeit und will unbedingt durch seine eigenen Anstrengungen berühmt werden, statt nur durch die Hilfe anderer. Andererseits ist er doch auch jähzornig, sehr selbstbezogen und leicht reizbar. Eine Mischung, die ihn mir nicht sonderlich sympathisch gemacht hat. Meine Sympathie gehört eindeutig seiner Jugendliebe Paola, die durch Micheles diverse Liebschaften tief verletzt wurde und doch nicht von ihm loskommt. Trotzdem hat mich das plötzlich endende Schicksal des Malers am Ende mitgenommen. Die Handlung endet abrupt und man erfährt leider nichts mehr vom Schicksal der anderen Charaktere.
Desweiteren versteht es Röhrig gut, die Schauplätze und Nebencharaktere durch klangvolle Beschreibungen zum Leben zu erwecken. Zeitweise haben mich die Beschreibungen der verkommenen Obrigkeit oder brutaler Szenen sogar schockiert, doch das zeigt nur, wie gut es Röhrig gelingt, das Bild der damaligen Gesellschaft zu vermitteln.
Mein Fazit: ein schöner historischer Roman aus dem Italien des 16. Jahrhunderts, über einen charaktervollen Maler, der sich gegen jede Widerstände durchsetzt, um Ruhm zu erlangen. Mir hat’s gefallen!
Eingebettet in einen Prolog und Epilog, in dem es um den Raub des Gemäldes „Natività“ Caravaggios aus Palermo geht, widmet sich Tilman Röhrig in diesem Roman dem bewegten Leben Michelangelos Merisi da Caravaggio.
Im September 1571 geboren, verbringt Michele seine Kindheit in Caravaggio, einem kleinen Ort in der Lombardei. Schon früh zeigt sich sein Talent zum Malen und so schickt ihn seine Mutter nach dem Tod von Vater und Großvater in die Lehre nach Mailand, zu dem Maler Peterzano. Nach Abschluss der harten Lehrjahre hat Michele nur ein Ziel: er will nach Rom, für ihn das Zentrum der Malerei, er will sein Talent zeigen, berühmt werden. Protektion, auch durch die der Familie zugetanen Marchesa Constanza Sforza, lehnt Michele ab. Voller Tatendrang will und muss er es allein schaffen.
Doch in Rom erlebt Michele zunächst nur Tiefschläge und Demütigungen. Mit dem Malen von Heiligenbildchen und Porträts muss er sich durchschlagen, erhält dann jedoch eine Chance an der Akademie des berühmten Malers Guiseppe Cesari d'Arpino. Dieser erkennt wohl Micheles Talent, aber Neid auf Seiten d'Arpinos und das hitzige Temperament Micheles versperren auch diesen Weg. Das Blatt wendet sich, als der Kunstmäzen Kardinal del Monte Michele, inzwischen als Caravaggio bekannt, entdeckt und ihm die Türen zu einflussreichen Kreisen öffnet.
Obwohl Caravaggio Freunde findet, insbesondere den Maler Mario, gleichzeitig auch sein Modell und Geliebter, und seine Jungendliebe Paola, bringt der Erfolg auch immer mehr Neider mit sich. Caravaggios Werke polarisieren. Mit seinem Spiel mit den Farben, mit Licht und Schatten und seiner Vorliebe für Modelle aus dem einfachen Volk, da diese „mehr Leben im Gesicht haben“, erntet er oft nur Hohn und Spott. Durch seine jähzornige und cholerische Art ist Caravaggio wiederholt in gewalttätige Auseinandersetzungen verstrickt bis eines Tages eine Katastrophe passiert und er Rom fluchtartig verlassen muss.
Tilman Röhrig gelingt es in diesem Roman die schillernde Person Caravaggio tiefgründig auszuleuchten. Man spürt fast körperlich seine Leidenschaft für die Kunst, aber auch wie schnell Wut und Zorn bei ihm Überhand nehmen und sein Handeln bestimmen. Darunter erkennt man aber auch die verletzliche Seele Caravaggios, die Liebe, Zerrissenheit und Einsamkeit eines genialen Malers. Neben dem Lebensweg Caravaggios gibt der Autor aber auch tiefe Einblicke in die Verhältnisse und das Leben in Italien Ende des 16./Anfang des 17. Jahrhunderts.
Sprachlich kraftvoll, klar, ohne Schnörkel entsteht so ein lebendiges, pralles und facettenreiches Bild des tragischen Künstlerlebens Caravaggios, der als Mitbegründer der italienischen Barockmalerei gilt.
Michelangelo Merisi, heute besser bekannt aus Caravaggio, der Ort, aus dem er stammt, war ein berühmter Maler, der vom 29.09.1571 bis 18.07.1610 lebte und wirkte. Der Frühbarock zeichnete seinen Stil, dem er solch realistische Züge gab, dass man das Gefühl hat, die Menschen, die er portraitierte, treten jeden Augenblick aus dem Gemälde. 1986 wurde bereits eine Biografie Caravaggios verfilmt; auch verschiedene Bücher geben Aufschluss über Caravaggios Leben und die Werke.
Inhalt:
Michelangelo Merisi aus Caravaggio entdeckt die Malerei bereits als kleiner Junge. Von da an folgen harte Lehrjahre, lehrreiche Herrenjahre und Momente des absoluten Glücks sowie die Schattenseiten der Malerei und der Kunstszene.
Erzählung/Intonation:
Röhrig spricht wahrlich einzigartig und voller Inbrunst legt er die Betonung auf wichtige Worte. Man kann ihm über Stunden hinweg zuhören, doch auch durch seine Stimme macht er manch langweilige bzw. vorausschaubare Szene nicht wett. Man merkt, dass er Schauspieler ist und die Gewohnheit, eine Rolle anzulegen wie einen alten Pullover.
Meine Meinung:
Das Hörbuch ist wunderbar aufgeteilt in verschiedene Bücher, so dass man einen roten Faden in der Hand hält, während Röhrig die Geheimnisse Caravaggios aufdeckt und den Hörer in die Welt Italiens entführt.
Die verschiedenen Protagonisten haben allesamt klangvolle Namen, die einem durch Röhrig wunderschön erscheinen, doch manchmal muss man auch mal überlegen, wer mit wem nun wie verbandelt war. Röhrig hat Geduld mit dem Hörer und erklärt gerne die näheren Umstände, in denen Michele aufwächst. Das Mittelalter kommt genauso daher, wie man es immer liest: Die Kirche verstrickt sich in wilde Thesen und macht sich die Taschen voll, windige Menschen nehmen jeden Auftrag an, wenn er nur gut genug bezahlt wird und die Armen, denen nichts bleibt, halten ihre Lieben zusammen, damit die Familie von den Nachkommen ernährt werden kann. Man merkt, dass auch Künstler damals sehr merkwürdig beäugt wurden und allein von der Kunst, die sie gedenken zu machen, nicht leben können. Michele schlägt sich mit Heiligenbildern durch, die ein geiziger Wirt weiterverkauft. Als er merkt, dass er aufgrund seines Malstils Wiedererkennungswert hat, wird er immer erfolgreicher. Genau dieser Aufstieg ist ausführlich im Hörbuch beschrieben. Immer und immer mehr wird der Hörer von Micheles Erfolgen, aber auch Misserfolgen informiert. Ein Strudel, den Röhrig teilweise so rasant spricht, dass der Hörer meint, er stecke selber mittendrin.
Schonungslose Erzählungen von Hinrichtungen und Sabotagen schocken einen, wie es manches Buch durch Worte nicht vermag. Man fühlt mit Michele mit, auch, als er längst auf dem Abstieg ist – nicht künstlerisch, sondern persönlich. Dies ist für Micheles Entwicklung katastrophal, da er immer mehr zu einer Farce und Mythos wird und man mit dem Maler als solchen nicht mehr sympathisieren kann. Lediglich seine Jugendliebe Paola ist immer auf seiner Seite und liebt ihn bedingungslos. So sehr, dass es dem Hörer weh tut, Micheles Reaktionen zu erfahren. Der wahren Liebe nicht fähig, flüchtet er sich in Liebschaften mit jungen Männern.
Fazit:
Ein Hörbuch, das eine tragische Künstlergeschichte, wie es so viele gibt und gab, wiedergibt und das Röhrig als Sprecher mehr als gerecht wird. Er ist wie gemacht für historische Romane und vermittelt dem Hörer, in Italien zu wandeln.
Für interessierte Hörer/Leser: „Gesellschaftsspiele“ von Louise Jacobs behandelt eine ähnliche Geschichte wie Micheles, nur in heutiger Gesellschaft.
Michelangelo Merisi da Caravaggio war das, was man heute vermutlich als ADS-krankes Kind einstufen würde. Ein leidenschaftlicher, ungeheuer schnell erzürnbarer Mensch, der im Leben eigentlich immer nur eines wollte: das malen, was schon in seinem Kopf war. Seine abgebildeten Menschen sollten, wie ihn Tilman Röhrig in seinem wunderbaren Roman (nicht wörtlich zitiert) sagen läßt irgendwo herkommen und auch wieder irgendwo hingehen. Das heißt, er wollte Spannung und Bewegung in seinen Bildern und vor allem durch das richtige Malen von Licht. Alles andere war ihm zu hölzern, zu langweilig, zu starr.
Als kleiner Junge durch den fast gleichzeitigen Tod des geliebten Großvaters und Vaters allein gelassen, wurde sein Maltalent zwar finanziell von seiner Mutter durch Schulung bei einem anerkannten Maler gefördert, ansonsten aber war er sich zu stark selbst überlassen. Er wuchs in einer Welt auf, die recht verkommen war und von jeglicher Art von ausgeübter Gewalt nur so strotzte, vor allem von Männern ausgeübt, die später in Rom auch vor billigen Intrigen nicht zurückschreckten. Von den Frauen in seinem Umfeld wird er grundsätzlich geliebt, vor allem von Paola, seiner Jugendliebe von Kindesbeinen an.
Nach dem Tod seiner Mutter pilgert er nach Rom um dort seine Karriere zu starten. Doch die Gesellschaft Roms funktioniert durch Schmierereien in jeder nur möglichen Hinsicht und Caravaggio durchschaut zwar, wie er sich profilieren könnte, lehnt solche schmutzigen Wege aber strikt und für sich ab. Der Dick- und Hitzkopf und ergeizige Caravaggio läßt sich nur ungern fördern und möchte sich alles selbst durch sein Können, von dem er von Anfang an fest und zu Recht überzeugt ist, erarbeiten und sich dadurch Anerkennung erwerben. Durch sein Selbstbewußtsein und Erwähnung seiner Gönnerin erhält er endlich Zugang zur Werkstatt und Akademie des berühmten Malers Guiseppe Cesari d’Arpino und kann endlich sein Können unter Beweis stellen. Aber ständig nutzen andere sein Talent schamlos aus undfür sich selbst aus und profitieren davon. Schließlich verläßt er die Akademie, versumpft regelrecht und durch sein hitziges Temperament steht er sich selbst auch immer mehr im Wege, bis es unweigerlich zur Katastrophe (einer Tötung im Affekt) kommt und aus dem Künstler ein gehetzter Mensch wird.
Tilman Röhrig schafft mit seinem wunderbar geschriebenen Roman nicht nur ein Psychogramm des Ausnahmekünstlers, der sogar Rubens, Vermeer, Rembrandt und Velásquez beeinflußt hat, sondern zeichnet auch ein pralles, lebendiges Sittengemälde der korrupten Gesellschaft Italiens des 16. Jahrhunderts.